Wahl am 20. September:Verkehr im Wahlkampf: Was braucht Berlin?
von Kathrin Haas
Auto oder Fahrrad, Pollerstreit und A100: Die Verkehrspolitik ist eines der Topthemen im Berliner Wahlkampf. Ein Mobilitätsforscher ordnet ein.
Ein wichtiges Wahlkampf-Thema in Berlin ist der Verkehr. Welche Ansätze haben die Parteien, um dieses Problem anzugehen?
09.09.2026 | 1:56 minWer in Berlin lebt, ist lange Wege gewohnt - genau wie unsichere Radwege, unzuverlässigen Nahverkehr, Dauerbaustellen und verstopfte Straßen. Die Wahlprogramme versprechen Abhilfe, setzen aber unterschiedliche Prioritäten.
Was die Parteien vorschlagen:
- Straßen und Brücken sanieren, Parkplätze erhalten
- U-Bahn modernisieren und ausbauen, Bussystem stärken
- Poller ablehnen, Tempo 50 weitestgehend wieder einführen
- Busse und Bahnen mit Busspuren und "Grüne Welle" für Busse und Bahnen einrichten
- Radvorrangnetz priorisieren, Tram und U-Bahn ausbauen
- Tempo 30 an sensiblen Orten ausweiten
- Elektrobusse und 1.500 neue U-Bahn Wagen beschaffen, S-Bahn und Tram-Netz ausbauen
- Durchgängige Radwege an Hauptstraßen bauen
- Verkehrsberuhigte Quartiere schaffen
- Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit anstreben
- Radwege und Tram-Netz ausbauen, U-Bahn modernisieren
- Fahrkartenpreise stabilisieren, Sozialticket für neun Euro anbieten
- Schienennetz ausbauen und Seilbahnen einsetzen
- Radwege bevorzugt auf Nebenstraßen führen
- Kiezblocks ablehnen, beseitigte Parkplätze wiederherstellen
Hin und Her im Berliner Verkehrssenat
Ein Kernproblem der Berliner Verkehrsplanung sieht Mobilitätsforscher Dr. Wulf-Holger Arndt in den politischen Kurswechseln der vergangenen Jahrzehnte. Er leitet den Bereich "Mobilität und Raum" im Zentrum Technik und Gesellschaft an der Technischen Universität Berlin und bilanziert:
Die langfristige strategische Ausrichtung ist ziemlich mau.
Dr. Wulf-Holger Arndt, TU Berlin
Je nach Besetzung des Senats wurden immer wieder Verkehrsprojekte angeschoben oder gebremst, so Arndt gegenüber ZDFheute. Der zuletzt CDU-geführte Verkehrssenat stellte etwa bereits geplante Radwege und Tramstrecken auf den Prüfstand.
Bei der Berliner Landtagswahl sind erstmals auch 16- und 17-Jährige stimmberechtigt. Die Parteien werben um die Wählergruppe, denn es zeichnet sich ein enges Rennen ab.
29.08.2026 | 2:31 minFahrrad oder Auto?
Ein Streitpunkt ist die Frage, ob Radwege auf Hauptverkehrsstraßen entstehen sollen, auch wenn dafür Parkplätze oder Autospuren wegfallen. Mobilitätsforscher Arndt stellt fest: "Fahrradspuren auf der Fahrbahn sind die sichersten, weil sie im Blick der Autofahrer sind." Den Radverkehr in Nebenstraßen zu leiten, hält Arndt für falsch, weil dies meist Umwege bedeuten würde.
Laut einer repräsentativen Verkehrserhebung der TU Dresden legen Berlinerinnen und Berliner nur 18 Prozent der Wege mit dem Rad zurück, 22 Prozent mit dem Auto. Dem Experten zufolge zeigen die Zahlen, dass das Radverkehrsnetz "nicht attraktiv genug" ist. Im Ländervergleich hat Berlin laut Statistischem Bundesamt die wenigsten Pkw pro 1.000 Einwohner. 330 sind es in der Hauptstadt, 593 im Bundesdurchschnitt.
Manch einer musste sich die Augen reiben, beim Anblick der vielen Nackten auf einem Fahrrad: In Berlin wurde ohne Hüllen demonstriert.
09.08.2026 | 0:42 minStreit um Poller
Was zur Beruhigung des Verkehrs beitragen soll, sorgt für Aufregung: Mithilfe umstrittener Poller wollen Bezirke bestimmte Straßen sicherer machen und Durchgangsverkehr mindern.
"Poller sind immer eine Verlegenheitsreaktion, wenn man nichts anderes hinkriegt", so der Mobilitätsforscher. Entscheidend sei, Anwohner bei der Verkehrsplanung zu beteiligen, um Lösungen für Rettungswege und Lieferverkehr zu erarbeiten.
Die Leute vor Ort haben die besten Kenntnisse und die darf man nicht ignorieren.
Dr. Wulf-Holger Arndt. Mobilitätsforscher
Aufreger A100 - Thema in den Wahlprogrammen
Obwohl der Ausbau der A100 ein Projekt des Bundes ist, spielt die Stadtautobahn in den Wahlprogrammen eine Rolle. CDU und AfD unterstützen die geplante gut vier Kilometer lange Verlängerung. SPD, Grüne und Linke stellen sich dagegen.
Verkehrsforscher Arndt hält eine innerstädtische Autobahn für "ziemlich aus der Zeit gefallen". Ihm zufolge führen zusätzliche Schnellstraßen grundsätzlich zu mehr Verkehr.
Angrenzende Wohngebiete würden nur dann entlastet, wenn das umliegende Straßennetz konsequent verringert wird. Bei vergleichbaren Projekten wie dem Tiergartentunnel sei dies in der Vergangenheit aber nicht passiert, so der Experte.
Wahl-O-Mat zur Abgeordnetenhauswahl:Wahl in Berlin: Wer vertritt meine Interessen?
Kathrin Haas ist Reporterin im ZDF Landesstudio Berlin.
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