Berlin: Grüne und SPD unterbrechen Sondierungen mit Linken

Abgeordnetenhaus in Berlin:Grüne und SPD unterbrechen Sondierungen mit Linken

|

In Berlin unterbrechen Grüne und SPD die Sondierungsgespräche mit der Linken. Das könnte mit einer umstrittenen Personalie zusammenhängen.

Berlin: Werner Graf (l-r,Bündnis90/Die Grünen), Spitzenkandidat seiner Partei, Steffen Krach (SPD) Spitzenkandidat seiner Partei, und Kerstin Wolter (Die Linke), Landesvorsitzende, stehen nach Vorgesprächen zur Regierungsbildung im Haus der Statistik.

Werner Graf (l-r,Bündnis90/Die Grünen), Spitzenkandidat seiner Partei, Steffen Krach (SPD) Spitzenkandidat seiner Partei, und Kerstin Wolter (Die Linke), Landesvorsitzende

Quelle: Annette Riedl / dpa

SPD und Grüne in Berlin haben angekündigt, ihre Sondierungsgespräche zu einer möglichen Koalitionsbildung mit der Linken im Abgeordnetenhaus zu unterbrechen.

"Wir haben zur Kenntnis genommen, dass die Linke in ihrer Fraktion zu anderen Verabredungen gekommen ist", teilten die Spitzenkandidaten der Grünen, Werner Graf, und der SPD, Steffen Krach, am Dienstagabend in einer gemeinsamen Erklärung mit. "Das bedeutet, dass wir an dieser Stelle die Sondierungen unterbrechen müssen, um zu bewerten, ob unsere Vereinbarung von vergangener Woche noch gilt."

Wir erwarten, dass die Linke uns deutlich macht, inwiefern sie unsere getroffenen Vereinbarungen erstnehmen und umsetzen wollen.

Erklärung von SPD und Grünen in Berlin

Umstrittene Linken-Politikerin Emde in Fraktion aufgenommen

Die Entscheidung könnte damit zusammenhängen, dass die umstrittene Politikerin Vanessa Emde in die Linken-Fraktion aufgenommen wurde. Kritiker werfen ihr israelfeindliche Äußerungen vor und, dass sie nicht zum Existenzrecht Israels stehe. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September hat sie ihren Wahlkreis in Neukölln direkt gewonnen.

19.07.2018, Nordrhein-Westfalen, Bonn: Ein Bürger aus Bonn demonstriert auf dem Marktplatz mit einer Kippa auf dem Kopf.

Verbindungen zum Remmo-Clan, Antisemitismusvorwürfe: Seit ihrem Wahlsieg wächst die Kritik an der Linken in Berlin. Trotzdem wollen Grüne und SPD mit ihr Sondierungsgespräche führen.

27.09.2026 | 3:52 min

Linke unterzeichnet Erklärung gegen Antisemitismus

Die neuen Abgeordneten der Linken in Berlin hatten zuvor eine Erklärung unterzeichnet, in der sie sich ausdrücklich zum Kampf gegen Antisemitismus, zum Schutz jüdischen Lebens und zum Existenzrecht Israels bekennen. Bei ihrer konstituierenden Sitzung unterzeichneten alle 44 anwesenden Abgeordneten die Erklärung, wie Co-Fraktionschef Tobias Schulze mitteilte - darunter war auch Emde.

In der Erklärung verpflichten sich die Parlamentarier, sich in ihrem politischen Wirken als Abgeordnete an die Beschlüsse der Partei zu diesen Themen zu halten: "Wir stehen zum Existenzrecht Israels und für gleiche Rechte aller Menschen in Israel. Ebenso stehen wir zum Existenzrecht Palästinas und für gleiche Rechte aller Menschen in Palästina."

Berlin's Die Linke, SPD and The Greens leaders hold talks following State Election

Die Linke, die Grünen und die SPD in Berlin haben angekündigt, Sondierungen über eine neue Landesregierung aufzunehmen.

09.10.2026 | 2:03 min

Klare Ablehnung der Hamas formuliert

Die Fraktion lehne die Hamas und andere islamistische Terrorgruppen ab, heißt es in der Erklärung weiter.

Selbstverständlich sind antisemitische Hassparolen, die Billigung des Terrors der Hamas oder Forderungen nach der Auslöschung Israels zu unterbinden.

Erklärung der Berliner Linksfraktion

Möglich müsse aber sein, Anteilnahme und Sorge um die "Bevölkerung eines Kriegsgebietes" zu zeigen und für Frieden zu demonstrieren. Klar sei, dass die Linke für einen gerechten Frieden in Israel und Palästina eintrete.

Teile der Berliner Linken stehen wegen ihrer Positionen zu Israel und Palästina und zum Antisemitismus immer wieder in der Kritik.

Xplained Folge 37

Enteignungspläne und Antisemitismusvorwürfe: Die Linke steht trotz ihres Wahlsiegs in Berlin in der Kritik wie nie.

01.10.2026 | 13:07 min

Merz warnte SPD und Grüne vor Koalition

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte die Berliner SPD und Grünen jüngst aufgefordert, keine Koalition mit der Linken einzugehen. Die Gespräche mit "dieser linksradikalen Partei" müssten sofort beendet werden. Andernfalls sei das auch eine Belastung für die schwarz-rote Koalition im Bund.

Die Co-Fraktionsvorsitzende der Linken, Elif Eralp, bezeichnete die Einmischung des Kanzlers als "inakzeptabel". Ihre Partei habe als klarer Wahlsieger von den Wählerinnen und Wählern den Auftrag bekommen, Berlin wieder bezahlbar zu machen, "Mietabzocke" zu stoppen, eine Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne umzusetzen und für gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sorgen. "Und daran fühle ich mich und fühlen wir uns auch weiterhin gebunden."

Sanktionen wie Fraktionsausschluss möglich

Linke, Grüne und SPD in Berlin hatten in der vergangenen Woche vor Beginn von Sondierungsgesprächen eine Vereinbarung geschlossen, wie sie im Falle einer Koalition mit antisemitischen Vorfällen in den Reihen der Linken umgehen wollen. Angedacht sind auch Sanktionen bis hin zum Fraktionsausschluss. Innerhalb der Linken sorgte diese Verständigung für Zündstoff.

Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
→ Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.


Quelle: dpa, AFP
Über die Antisemitismus-Vorwürfe gegen die Berliner Linke berichtete Berlin direkt am 27.09.2026 ab 19:10 Uhr. Über die bevorstehenden Sondierungen berichtete das heute journal update am 09.10.2026 um 00:35 Uhr.

Mehr zu Berlin nach der Wahl

  1. Werner Graf (l-r, Bündnis90/Die Grünen), Spitzenkandidat seiner Partei, Steffen Krach (SPD) Spitzenkandidat seiner Partei, und Kerstin Wolter (Die Linke),
    Analyse

    Nach Beschluss zu Sondierungen:Weg für ein rot-grün-rotes Bündnis in Berlin bleibt weit

    von Markus Gross
    mit Video2:03

  2. Bettina König (SPD), Kerstin Wolter (Die Linke) und Nina Stahr (Grüne) im Gespräch vor einem Treffen der drei Parteien zu ersten Gesprächen in nach der Wahl in Berlin.

    Vor-Verhandlungen in Berlin:Linke, Grüne und SPD: Erste Gespräche zu schweren Brocken

    mit Video7:32

  3. Delegierte sitzen auf dem Bundesparteitag unter dem Logo der Partei Die Linke.

  4. Ministerin Reiche

    Klage gegen Wirtschaftsministerin:Linken-Klage gegen Reiche: So stehen die Chancen

    von Dorthe Ferber
    mit Video0:38