Sicherheitsgipfel der Bahn:Tod von Serkan C.: Was Zugbegleiter schützen soll
von Gregor Burkhardt, Andrea Meuser, Hansjürgen Piel
Bodycams, KI-Sicherheitstechnik, zusätzliches Personal - und wer soll dafür zahlen? Worüber beim Bahn-Sicherheitsgipfel beraten wird und was eine Zugbegleiterin davon hält.
In einem Regionalexpress in Rheinland-Pfalz verletzte ein Schwarzfahrer einen Zugbegleiter durch Schläge gegen den Kopf. Der Zugbegleiter erlag seinen Verletzungen. ZDFheute live analysiert.
04.02.2026 | 31:51 minSeit 14 Jahren ist Christina Massrie-Wagner Zugbegleiterin in Hessen. Die Stimmung unterwegs erlebt sie immer angespannter - besonders in Spät- oder Nachtzügen.
Manchmal reicht es, wenn ich nach der Fahrkarte frage. Viele Tickets sind nur mit Ausweis gültig. Wenn ich darum bitte, sind sie sehr gereizt.
Christina Massrie-Wagner, Zugbegleiterin
Elf Tage nach dem tödlichen Angriff auf ihren Kollegen Serkan C., der einen 26-jährigen Schwarzfahrer aus einem Regionalzug in Rheinland-Pfalz verweisen wollte, beraten Bahn-Chefin Evelyn Palla, Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) und Vertreter der Bundesländer, von Sicherheitsbehörden, Verkehrsbetrieben und Gewerkschaften über eine ganze Reihe möglicher Maßnahmen. Manche sind schneller, andere schwieriger umzusetzen. Ein Überblick:
Nach dem tödlichen Angriff in Rheinland-Pfalz ist ein Zugbegleiter der Eurobahn zwischen Dortmund und Münster mit Bodycam im Dienst. Er berichtet, was er auf der Strecke erlebt.
11.02.2026 | 4:21 minMehr Bodycams für Bahn-Mitarbeiter
Wahrscheinlichstes Ergebnis des Sicherheitsgipfels: Der Einsatz von Bodycams auf Zügen wird massiv ausgeweitet. Der oberste Arbeitnehmervertreter der Bahntochter DB Regio kündigte gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" bereits verpflichtende Bodycam-Schulungen für alle 5.200 Zugbegleiter im Nahverkehr an. Man habe sich mit den Geräten eingedeckt:
Wir haben den kompletten Markt leer gekauft.
Ralf Damde, Gesamtbetriebsratschef DB Regio
Experten warnen indes vor zu großen Erwartungen an den Einsatz von Kameras. Sie helfen Ermittlern nach Straftaten, wirkten auf manche Täter aber sogar provozierend.
Täter mit Hilfe Künstlicher Intelligenz aufhalten?
Die Unionsparteien setzen auf mehr Videoüberwachung im Zusammenspiel mit Künstlicher Intelligenz. Frankreich mache es vor, wie das zu mehr Sicherheit führe, erklärt der innenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Alexander Throm. Während der Olympischen Spiele 2024 wurden KI-Kameras zum Beispiel an Metro-Stationen eingesetzt.
Mit KI-Videotechnik gibt es Instrumente, die gefährliches Verhalten in Echtzeit erkennen. Damit gewinnt man oft entscheidende Minuten, Gefährder werden früher erkannt.
Alexander Throm, innenpolitischer Sprecher Unionsfraktion
Nach dem Angriff auf einen Zugbegleiter: Wann ist Zivilcourage gefragt – und wo sind ihre Grenzen? Helfen heißt nicht, den Helden zu spielen, sondern Verantwortung mit Augenmaß zu übernehmen.
09.02.2026 | 3:10 minMehr Geld für Sicherheit von Zugbegleitern?
Alarmknöpfe für sofortigen Kontakt zur Leitstelle, Schutzräume als Rückzugsorte - diese konkreten Forderungen listete die Linken-Fraktion im Bundestag auf. Nicht nur sie fordert, dass außerdem niemand mehr allein im Zug arbeiten müsse. Für eine "flächendeckende Doppelbesetzung" setzt sich auch die Eisenbahngewerkschaft EVG ein. Dafür bräuchte es mehr Geld, der bayerische Finanzminister Christian Bernreiter (CSU) hat hochrechnen lassen, wieviel:
Wenn wir überall zwei Zugbegleiter bestellen, dann kostet das den Freistaat Bayern 140 Millionen Euro. Das würde bedeuten, ich muss Züge für 140 Millionen Euro abbestellen.
Christian Bernreiter, Verkehrsminister Bayern
Bernreiter sitzt beim Sicherheitsgipfel am Tisch mit Bundesverkehrsminister Schnieder und spricht die Regionalisierungsmittel an, die die Länder für den gesamten regionalen Bahnverkehr vom Bund bekommen. Für Bayern sind es in diesem Jahr rund 1,6 Milliarden Euro. Dass Schnieder an diesem Freitag hier Zugeständnisse macht, ist unwahrscheinlich.
Zugbegleiterin: In Konfliktsituationen "sowieso jeder für sich allein gelassen"
Christina Massrie-Wagner glaubt nicht, dass zusätzliche Kollegen in den Zügen ihre Arbeit wirklich sicherer machen würden. "Dann wären wir in zwei getrennten Wagen, da ist sowieso jeder für sich allein gelassen", meint die Zugbegleiterin. In Konfliktsituationen verlässt sie sich auf etwas anderes. Bei dem privaten Bahnunternehmen, für das sie unterwegs ist, haben sie das trainiert:
Manchmal ist es nur meine Stimme. Die ersten drei Sekunden entscheiden schon. Das ist die Waffe, die wir haben.
Christina Massrie-Wagner, Zugbegleiterin
- FAQ
Zahl der Übergriffe steigt:Was die Deutsche Bahn für die Sicherheit tut
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Nach Angriff auf Zugbegleiter:Experte: Sorge vor Gewalt für Bahnpersonal "leider Alltag"
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