Fünf Jahre Jahrhunderthochwasser:Das Wichtigste zum Jahrestag der Ahrtal-Flut
von Luisa Houben
Am 14. Juli 2021 regnete es so stark, dass vielerorts kleine Flüsse zu reißenden Strömen anwuchsen - mit verheerenden Folgen. Was seither passiert ist und wie es weitergeht.
Fünf Jahre nach der verheerenden Flut schaut der Länderspiegel ins Ahrtal. Wie geht es den Menschen dort heute? Was hat sich beim Hochwasserschutz getan?
03.07.2026 | 26:45 minDiese Jahrhundertflut verwüstete ganze Ortschaften. Im Ahrtal in Rheinland-Pfalz wurden über 9.000 Gebäude und 100 Brücken zerstört. Tausende Menschen verloren ihr gesamtes Hab und Gut.
Wie läuft der Wiederaufbau?
Vieles ist seitdem wieder aufgebaut worden. Dafür wurden bis zum 1. Juni 2026 knapp 3,7 Milliarden Euro von Land und Bund bereitgestellt. Diese flossen und fließen immer noch unter anderem in kommunale Infrastruktur, Krankenhäuser, Wohnhäuser oder Unternehmen.
- Wie in Altenahr, wo einige Häuser immer noch Ruinen sind.
- In Dernau, wo das Seniorenheim weiter in Containern untergebracht ist.
- Oder in Bad Neuenahr, wo die 880 Schülerinnen und Schüler des Are-Gymnasiums erst Ende 2027 wieder zurück in ihre dann fertig sanierte Schule können.
Ein neues Hochwasserschutzkonzept soll helfen, der Ahr mehr Raum zu geben. Die Wirkung aber ist begrenzt. Wirklich helfen würden Rückhaltebecken. Doch die sind nicht nur riesig, sondern auch teuer.
04.07.2026 | 4:52 minWas wurde getan, um die Menschen in Zukunft zu schützen?
Schnell war klar: Es braucht ein besseres Hochwasserschutzkonzept. Beim Wiederaufbau wurde daher vielerorts entsprechend aufgerüstet. Zum Beispiel haben Wohnhäuser extra Fluchtwege oder Brücken ein Hubsystem, damit sie dem Wasser im Notfall Platz machen können.
Pegelstände werden mittlerweile vom Deutschen Wetterdienst und den Hydrologen der Hochwasservorhersagezentralen stündlich berechnet. Vor fünf Jahren waren es nur alle drei Stunden. Und bei drohender Gefahr können Warnungen mittels Cell-Broadcast direkt an die Handys in betroffenen Gebieten gesendet werden.
Zur Hochwasservorsorge wird das Ufer der Ahr teils umgestaltet. Sie soll mehr Raum bekommen. Außerdem gibt es im Landkreis Ahrweiler Pläne für sogenannte Rückhaltebecken. Bislang fehlt dafür aber die Finanzierung.
Nach der Ahrtal-Flut 2021 zieht Rheinland Pfalz Konsequenzen: Ein neues Landesamt für Brand und Katastrophenschutz soll schneller warnen und besser koordinieren.
21.04.2026 | 2:37 minDamit der Katastrophenschutz nicht wieder versagt, gibt es ein neues Lagezentrum für Bevölkerungsschutz im neu gegründeten Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz. Es ist rund um die Uhr, sieben Tage die Woche besetzt und soll Behörden und Einsatzkräfte besser vernetzen.
Wie geht es den Menschen im Ahrtal?
Nicht alle Spuren, die die Flutnacht hinterlassen hat, sind sichtbar: Viele Betroffene sind traumatisiert. Weil sie ihr Hab und Gut verloren haben, Todesangst hatten oder einen geliebten Menschen verloren haben. Im Ahrtal starben 134 Menschen.
Für viele Menschen im Ahrtal ist die Flut noch längst nicht vorbei. Die Wunden heilen nur langsam. Nach der Flut, erzählen viele, war das Wir-Gefühl groß. Doch das Miteinander hat Risse bekommen.
04.07.2026 | 4:22 minAuch fünf Jahre später fürchten sich Menschen, wenn es tagelang regnet, oder sind erschöpft von den Strapazen des Wiederaufbaus.
Hilfe bekommen sie zum Beispiel im Traumahilfezentrum Ahrtal. Seit Dezember 2021 wurden dort über 8.000 Einzelberatungen durchgeführt - meist für Flutbetroffene. Bis Ende dieses Jahres ist die Finanzierung durch das Land Rheinland-Pfalz weiter sicher. Wie es danach weitergeht, ist offen.
Im Sommer 2021 verwüstete ein Unwetter große Teile des Ahrtals – viele Menschen starben. Ende Juni laufen die Finanzhilfen zum Wiederaufbau der Häuser aus.
25.05.2026 | 1:46 minWer war für die Katastrophe 2021 verantwortlich?
Ein Untersuchungsausschuss des Landtags in Mainz ging dieser Frage nach. Das Ergebnis: Es fehlten im Ahrtal zum Beispiel Alarm- und Einsatzpläne, die Verwaltung war mangelhaft organisiert oder die Ausstattung der Feuerwehr veraltet. Gegen den damaligen Landrat von Ahrweiler, Jürgen Pföhler (CDU), ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen möglicher fahrlässiger Tötung durch Unterlassung, klagte ihn aus Mangel an Beweisen aber nicht an. Er trat von seinem Amt zurück.
Auch Landesminister zogen Konsequenzen: Anne Spiegel (Grüne) trat 2022 als Bundesfamilienministerin zurück. Sie war zur Zeit der Flut Umweltministerin in Rheinland-Pfalz und in die Kritik geraten, weil sie kurz danach mit ihrer Familie in Urlaub fuhr. Roger Lewentz (SPD) gab sein Amt als Innenminister des Landes ab, nachdem er Fehler in seinem Verantwortungsbereich, dem Katastrophenschutz, einräumte. Auch in NRW gab es einen U-Ausschuss. Und Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) trat zurück.
„We AHR open“ heißt das Motto im Ahrtal - wir sind offen. Auch für neue, jüngere Tourismuskonzepte. Fünf Jahre nach der Flut läuft der Tourismus längst wieder an und erfindet die Region sich neu.
04.07.2026 | 3:43 minDer aktuelle rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder von der CDU hat vor Kurzem angekündigt, "zur richtigen Zeit und am richtigen Ort" um Entschuldigung für politische Versäumnisse bitten zu wollen. Wann genau ließ er offen.
Welche Regionen waren noch betroffen?
In Rheinland-Pfalz traf die Jahrhundertflut neben dem Ahrtal auch andere Teile der Eifel und die Stadt Trier. In Nordrhein-Westfalen waren Hagen, Wuppertal, der Kreis Euskirchen, die Städteregion Aachen oder der Rhein-Sieg-Kreis betroffen. Auch in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen gab es Schäden und Tote. In ganz Deutschland forderte die Flut 184 Menschenleben.
Was passiert am fünften Jahrestag der Flut?
Am Dienstag, den 14. Juli, finden verschiedene Gedenkveranstaltungen statt, unter anderem in Altenburg, Schuld und Sinzig. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird zu einer Ausstellungseröffnung im Ahrtal und im nordrhein-westfälischen Landtag erwartet. Bundeskanzler Friedrich Merz hat einen Besuch in Bad Neuenahr-Ahrweiler angekündigt.
Luisa Houben ist ZDF-Reporterin im Landesstudio für Rheinland-Pfalz.
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Ahrtal, Flut und Katastrophen
Nachrichten | ZDF-Mittagsmagazin:Ahrtal-Zeitzeugen: "Sensibles Annähern"
Video5:41- FAQ
Probealarm für den Ernstfall:Was Sie zum Warntag wissen müssen
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