Katastrophenschutz in Rheinland-Pfalz: Lehren aus der Ahrflut

Konsequenz aus der Ahrflut:Wie Rheinland-Pfalz sich für den Katastrophenfall rüstet

Julia Schröter

von Julia Schröter

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Seit fast einem Jahr ist das neue Lagezentrum beim Landesamt für Katastrophenschutz in Koblenz im 24-Stunden-Betrieb. Ein Versagen wie 2021 an der Ahr soll sich nicht wiederholen.

Lagezentrum Bevölkerungsschutz in Koblenz

Nach der Ahrtal-Flut 2021 zieht Rheinland Pfalz Konsequenzen: Ein neues Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz soll schneller warnen und besser koordinieren.

21.04.2026 | 2:37 min

Eine Videowand nimmt fast die ganze Längsseite des Raumes ein, projiziert Daten zum Ist-Zustand der Lage in Rheinland-Pfalz. Beamte haben permanent im Blick, was im Land passiert, auch in der Nacht. Das neue Lagezentrum für Bevölkerungsschutz, das Herzstück im neu gegründeten Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz, ist 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche mit mindestens zwei Beamten besetzt.

Die Wettersituation, Pegelstände, die kritische Infrastruktur, etwa die Stromversorgung, all diese Informationen laufen bei uns zusammen.

Daniel Merkler, Leiter des Lagezentrums

Die Informationen - etwa auch zur Auslastung der Krankenhäuser oder der Verfügbarkeit von Einsatzkräften - werden gesammelt und analysiert. Alle drei Stunden entsteht ein neues Lagebild von Rheinland-Pfalz. Im Bedarfsfall werden die Informationen an relevante Stellen, etwa die Kommunen, weitergeleitet. Um möglichst schon vor einem Ereignis agieren zu können oder im Ernstfall angemessen zu reagieren.

Thorsten Rech und Christel Haas

In Ahrtal "ist viel geschafft, aber die vielen Sachen die noch nicht fertig sind, nerven langsam", erklärt Thorsten Rech, Gastronom aus Mayschoß unserer ZDF-Reporterin Christel Haas.

11.07.2025 | 5:22 min

Konsequenz aus Defiziten beim Katastrophenschutz

Das Lagezentrum für Bevölkerungsschutz entstand als Konsequenz aus der Flutkatastrophe im Jahr 2021. Das Ausmaß der steigenden Wassermassen war damals von den Behörden unterschätzt worden. Informationen über die tatsächliche Lage, als an der Oberen Ahr bereits Häuser weggespült wurden, haben Verantwortliche nicht rechtzeitig erreicht. Die Bevölkerung wurde nicht oder unzureichend gewarnt. Allein im Ahrtal starben 135 Menschen.

  • Am 14. Juli 2021 und in der Nacht auf den 15. Juli fielen in Teilen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen innerhalb von 24 Stunden 100 bis 150 Liter Regen pro Quadratmeter.
  • Flüsse stiegen extrem schnell an, es kam zu massiven Überflutungen.
  • Allein im Ahrtal starben 135 Menschen.
  • 42.000 Menschen waren von der Flut betroffen, 17.000 verloren ihr Hab und Gut.
  • Etwa 9.000 Gebäude und mehr als 100 Brücken im Ahrtal wurden stark beschädigt oder zerstört.


So eine Situation sollte sich nicht wiederholen können. Der Landtag in Rheinland-Pfalz entschied, dass der Katastrophenschutz neu aufgestellt werden soll. Fast auf den Tag genau drei Jahre nach der Flut wurde einstimmig die Gründung des Landesamts für Brand- und Katastrophenschutz inklusive Lagezentrum beschlossen.

René Schubert, Präsident des Landesamts für Katastrophenschutz, ist sich sicher, nun besser für Ausnahmesituationen gerüstet zu sein: "Wir sind nah am Geschehen, frühzeitig in der Entwicklung einer Lage dabei und können rechtzeitig präventiv informieren, warnen oder auch in der Gefahrenabwehr im Ereignisfall unterstützen."

Auf einem Smartphone ist eine Meldung eines Notfallalarms zum Bundesweiten Warntag 2025 zu sehen.

Am bundesweiten Warntag wurden für den Katastrophenfall Sirenen und Alarmsysteme auf Smartphones sowie im Rundfunk getestet. Er dient auch der Sensibilisierung der Bevölkerung.

11.09.2025 | 1:28 min

Landesweite Warnung über MoWaS

Die Einsatzleitung bei einem Ereignis soll weiter bei den Kommunen liegen. In besonderen Ausnahmesituationen, etwa einem Hochwasser, kann aber das Land, vertreten durch das Lagezentrum, übernehmen. Das hat darüber hinaus eine weitere wichtige Kompetenz:

Wir können von hier aus landesweit Warnungen durchführen. Über das bundeseinheitliche System MoWaS.

René Schubert, Präsident Landesamt für Katastrophenschutz

Darin sind verschiedene Warnmöglichkeiten verbunden, etwa Warn-Apps wie NINA und KATWARN, Cell Broadcast, die Auslösung von Sirenen, das Schalten von Warntafeln im öffentlichen Raum oder der Kontakt zu den Medien.

Zuletzt getestet wurde das Anfang 2026. Am landesweiten Warntag am 12. März wurde aus dem Lagezentrum in Koblenz zum zweiten Mal eine landesweite Warnung ausgelöst. Der Test lief laut Landesamt erfolgreich.

Julia Schröter berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Rheinland-Pfalz.

Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Mittagsmagazin von ARD und ZDF am 21.04.2026 ab 12 Uhr.

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