AfD: Verteidigungspolitischer Sprecher Lucassen tritt zurück

Streit über sicherheitspolitischen Kurs:AfD: Verteidigungspolitischer Sprecher Lucassen tritt zurück

ZDF-Korrespondentin Nicole Diekmann vor einer Grafik des Brandenburger Tor in Berlin.

von Nicole Diekmann

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Nach Streit um die Wehrpflicht tritt Rüdiger Lucassen, verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, zurück. Der Schritt offenbart einen grundsätzlichen Richtungsstreit.

AfD-Politiker Rüdiger Lucassen

Der maßgebliche Grund für den Rücktritt soll ein Streit über die allgemeine Ausrichtung der AfD mit der Bundesfraktion der Partei und mit Anhängern des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke sein.

13.04.2026 | 0:42 min

Es ist ein vermeintlich unwichtiger Rückzug von einem Sprecherposten, steht aber für einen der wichtigsten Richtungsstreits in der AfD: Rüdiger Lucassen gibt auf als verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im Bundestag.

In einem dem ZDF vorliegenden Schreiben an die beiden Fraktions- und Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla begründet Lucassen diesen Schritt mit einer öffentlichen Diskussion auch um seine Person, die "mittlerweile in einer innerparteilichen 'Freund-Feind-Spirale’ feststeckt", so Lucassen.

Antrag wurde von der eigenen Fraktion kassiert

Konkreter Anlass der von Lucassen angesprochenen, teils erbitterten Debatte in der AfD ist die Frage, wie es die Partei mit der Wehrpflicht hält. Lucassen fordert seit Längerem ihre Wiedereinsetzung. Im vergangenen Sommer sollte ein von ihm initiierter entsprechender Antrag in den Bundestag eingebracht werden.

ruediger-lucassen

"Wir wollen die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht, es geht nur um die Bedingungen und es geht um den Zeitpunkt", erklärte Rüdiger Lucassen im Oktober 2025 im ZDF.

17.10.2025 | 4:52 min

Lucassen gab sich optimistisch, nachdem seine Partei lange über diese Frage gestritten hatte - obwohl die AfD exakt diese Forderung in ihrem Grundsatzprogramm vertritt. Besonders in den russlandfreundlicheren und bei den Wählern besonders beliebten Ost-Verbänden der AfD ist die Wehrpflicht spätestens seit Putins Überfall auf die Ukraine jedoch kein Gewinnerthema, heißt es aus der Partei.

Lucassens Antrag schaffte es dann auch nicht mal auf die Tagesordnung des Bundestags. Seine Fraktion hatte ihn zuvor kassiert. Ende vergangenen Jahres dann attackierte Lucassen Parteirechtsaußen-Politiker Björn Höcke öffentlich in einer Bundestagsrede wegen dessen Haltung zur Wehrpflicht. Es folgte ein Ordnungsverfahren gegen Lucassen.

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28.03.2026 | 1:36 min

Welche Parteiströmung hat die Oberhand?

Der Streit um die Wehrpflicht steht stellvertretend für eine grundsätzliche Frage, nämlich den außen- und sicherheitspolitischen Kurs der AfD: Welche Strömung innerhalb der AfD ist mächtiger? Lucassen ist Oberst a.D. der Bundeswehr und gehört als erklärter Nato-Anhänger und Transatlantiker einer in der AfD verschwindend geringen Minderheit an.

Ihr gegenüber stehen diejenigen, die den USA von jeher sehr skeptisch gegenüberstehen, sich mehr in Richtung Russland orientieren. Zum Beispiel die mächtigen Parteilandesverbände im Osten. Sie haben diesen Machtkampf gewonnen.

Lucassen schreibt nun, er ziehe sich zurück, weil er die "großen Siegchancen der AfD in den kommenden Landtagswahlen nicht durch Personaldebatten schmälern" wolle. Aus der Partei war in den vergangenen Tagen zu hören gewesen, es könne diese Woche einen Antrag geben, Lucassen als verteidigungspolitischen Sprecher abzusetzen. Diesem Schritt ist er heute zuvorgekommen.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 14.03.2026 um 19:27 Uhr.

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