Beginn wegen Protesten verzögert:Neue AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland gegründet
Die AfD-Jugend hat in Gießen eine neue Organisation gegründet - unter massiven Protesten rund um die Stadt. Neuer Vorsitzender ist der 28-jährige Jean-Pascal Hohm aus Brandenburg.
Auf die gesichert rechtsextreme "Junge Alternative" folgt nun die "Generation Deutschland". Mehr als 25.000 Menschen versammelten sich zu Protesten gegen die Gründung in Gießen.
29.11.2025 | 2:31 minBegleitet von massiven Protesten hat die AfD in Gießen ihre neue Jugendorganisation mit dem Namen Generation Deutschland (GD) gegründet. Bei dem Gründungskongress verabschiedeten mehr als 800 Teilnehmer ein entsprechendes Jugendstatut mit Regeln zur Rolle und Arbeit der neuen Organisation, die im Gegensatz zum Vorgänger Junge Alternative eng an die AfD angebunden sein soll.
Zum Vorsitzenden wählten die Delegierten den brandenburgischen Landtagsabgeordneten Jean-Pascal Hohm mit 90,4 Prozent. Er wird dem rechten Rand der AfD zugerechnet und gehört dem als erwiesen rechtsextremistisch eingestuften Landesverband Brandenburg an.
Jean-Pascal Hohm ist der neu gewählte Vorsitzende der neuen AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland.
Quelle: AFPWas will die neue AfD-Jugend und wie ist die Lage in Gießen? ZDFheute live analysiert.
29.11.2025 | 19:12 minZDF-Expertin: Neue Organisation nicht weniger radikal
Die Wahl Hohms zum Vorsitzenden sei bereits ein Ausblick auf die Ausrichtung der Generation Deutschland, erklärt ZDF-Korrespondentin Nicole Diekmann: "Jean-Pascal Hohm ist dem Verfassungsschutz in Brandenburg bestens bekannt und wird von ihm eingestuft als gesichert rechtsextremistisch", so Diekmann. Hohm war in Brandenburg bereits Vorsitzender der Jungen Alternative.
Es zeichnet also jetzt schon sehr klar ab: Weniger radikal als die Junge Alternative wird die Generation Deutschland also nicht sein.
Nicole Diekmann, ZDF-Korrespondentin
Von der Jugendorganisation verspreche sich die AfD zweierlei, erklärt Diekmann: "Die Generation Deutschland will erstens ein Magnet sein, also für die AfD um junge Wähler werben, und zweitens eine Kaderschmiede, also den Parteinachwuchs aufbauen und ausbilden für politische Ämter."
Die neu gegründete Generation Deutschland ist Teil der AfD. Doch wie unterscheidet sich die neue Jugend-Organisation von der alten? ZDF-Korrespondentin Nicole Diekmann berichtet.
29.11.2025 | 1:14 minVerzögerungen wegen Blockaden
Mit mehr als zwei Stunden Verspätung hatte der Kongress begonnen. Wegen Straßenblockaden und Protesten waren viele der rund 1.000 geplanten Teilnehmer nicht zur Messe durchgekommen. Auch die Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla waren verspätet.
Der neu gewählte Chef der neuen Jugendorganisation, Jean-Pascal Hohm, steckte ebenfalls fest. Viele der Plätze in der Halle waren auch zur Eröffnung der Veranstaltung noch leer.
Mit der AfD reden, darf die Wirtschaft das? Unsere Hauptstadtkorrespondentin Christiane Hübscher hat mit allen gesprochen: der AfD, den anderen Parteien und Wirtschaftsexperten. Hier die Analyse.
28.11.2025 | 10:02 minPolizei setzt Wasserwerfer gegen Blockierer ein
Seit dem frühen Morgen versammeln sich Tausende Menschen zu Demonstrationszügen in der hessischen Stadt. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort. Protestierende skandierten "Alle zusammen. Gegen den Faschismus" und "Stoppt die Brandstifter" bei einer Kundgebung am Bahnhof. Erwartet werden im Tagesverlauf bei rund 30 Veranstaltungen um die 50.000 Gegendemonstranten sowie einer der größten Polizeieinsätze in der Geschichte Hessens.
Rund um Gießen gibt es laut Polizei Personengruppen, die "massiv" Straßen blockierten. An einem Verkehrskreisel in der Stadt blockierte laut Polizei ein Bus mit daran angeketteten Aktivisten den Weg. Die Polizei begann eine Blockade von 2.000 Personen auf der Bundesstraße 49 zu räumen und setzte nach eigener Aussage auch Wasserwerfer ein, "nachdem die Gruppe auf die mündliche Aufforderung, die Straße freizumachen, nicht reagiert hat".
In Gießen soll am Wochenende eine neue AfD-Jugendorganisation gegründet werden. Demonstranten wollen die Stadt deswegen aus Protest lahmlegen. Ist das undemokratisch?
26.11.2025 | 1:47 minPolizei: Mehrere Einsatzkräfte leicht verletzt
Zahlreiche Demonstranten versuchten zudem laut Polizei, eine Polizeiabsperrung an einem Umspannwerk vor Gießen zu durchbrechen. Einsatzkräfte hätten das weitere Vordringen verhindert, dabei sei ein Beamter leicht verletzt worden. Teils seien Polizisten mit Steinen beworfen worden. Eine Sprecherin sprach von einer "aktiven Lage mit vielen verschiedenen Schauplätzen" in der Stadt. Die Polizei sprach mittags zudem von bisher "mehreren leicht verletzten" Einsatzkräften in ihren Reihen.
Proteste gegen die AfD-Jugend in Gießen
Quelle: AFPAfD-Co-Chefin Alice Weidel kritisierte die Proteste gegen das in Gießen stattfindende Gründungstreffen der neuen AfD-Jugendorganisation scharf. "Das ist etwas, was zutiefst undemokratisch ist", sagte Weidel am Samstagmittag in einem Grußwort bei dem Treffen. Sie sprach von einer "Gewaltbereitschaft, vor der man sich regelrecht fürchten muss". Sie appellierte an die Demonstrierenden: "Rüstet ab." Mit den Polizeibeamten müsse "mit Herz und Respekt" umgegangen werden.
Die Junge Alternative (JA), hatte sich im Frühjahr aufgelöst, die AfD hatte sich zuvor von ihr getrennt. Die JA war als eigenständiger Verein nur lose an die AfD angebunden. Mitglieder - mit Ausnahme der Vorstände - mussten nicht Mitglied der Partei sein und agierten weitgehend unabhängig. Die AfD hatte daher wenig Einfluss auf das Verhalten der JA, was bei extremen Vorfällen regelmäßig auf das Image der Partei zurückfiel. Als Verein lief die JA auch Gefahr, verboten zu werden. Das ist bei Vereinen deutlich einfacher als bei Parteien und hätte dem Image der AfD ebenfalls schaden können. Deshalb die Trennung.
Jugendorganisationen von Parteien treten oft provokanter auf als ihre Mutterparteien. Bei der JA ging dies aber so weit, dass der Verfassungsschutz sie als erwiesen rechtsextremistisch einstufte. Die JA-Ideologie sei durch einen ethnisch-kulturell geprägten Volksbegriff bestimmt, der Erhalt des "autochthonen Staatsvolkes" werde zum obersten politischen Ziel erklärt, hieß es im Verfassungsschutzbericht.
Der 28-jährige Jean-Pascal Hohm trat schon mit 17 in die AfD ein und sitzt heute für die Partei im Brandenburger Landtag. Er ist der einzige Kandidat für den Vorsitz. Der Brandenburger Verfassungsschutz stuft die Brandenburger AfD und auch Hohm als rechtsextremistisch ein und beschreibt ihn und andere AfD-Landespolitiker als "in Brandenburger Hochburgen des Rechtsextremismus politisch sozialisiert" und "dort persönlich vernetzt". Aufgeführt werden Aussagen von Hohm von Veranstaltungen und im Netz, etwa "ohne Deutsche kein Deutschland. Widerstand ist darum Pflicht. Für Deutschland." Hohm selbst hält seine Einstufung für "politisch motiviert" und sieht seine Positionen "fest in der Mitte der Gesellschaft verankert".
Gegen die Neugründung eines AfD-Jugendverbands auf deren Jugendkongress in Gießen werden bis zu 50.000 Demonstranten erwartet, die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor.
29.11.2025 | 3:30 minJA-Nachfolger heißt "Generation Deutschland"
Die JA hatte sich im Frühjahr aufgelöst, nachdem sich die AfD von ihr getrennt hatte. Der Grund: Die JA war als eigenständiger Verein nur lose an die AfD angebunden. Mitglieder - mit Ausnahme der Vorstände - mussten nicht Mitglied der Partei sein und agierten weitgehend unabhängig.
Offen sein soll die Organisation für alle AfD-Mitglieder unter 36. Mehr als 10.000 sollen das sein, so der Vorsitzende Hohm im Vorfeld der Veranstaltung. Die neue Jugendorganisation könnte also deutlich größer werden als der Vorgänger JA mit zum Schluss rund 4.000 Mitgliedern.
Rechtsextremismus-Experte Andreas Speit spricht über die Festnahmen rechtsextremer Jugendlicher im Frühjahr.
22.05.2025 | 6:11 minMehr zur AfD
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von Stefanie Reulmann und Dominik Rzepka