EU-Kommissar Brunner zu Ceuta: "Menschenhändler" verantwortlich

Interview

Magnus Brunner zu Ereignissen in Ceuta:EU-Kommissar: "Menschenhändler" verbreiteten Desinformation

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"Menschenhändler" hätten Desinformation verbreitet, die die Menschen nach Ceuta gelockt habe, sagt EU-Kommissar Magnus Brunner. Viele Hintergründe seien aber noch unklar.

SGS Brunner Slomka

"Frontex muss in Zukunft eine wichtigere Rolle spielen", so EU-Kommissar Magnus Brunner. Der Fall Ceuta zeige, wie wichtig es sei, gegen organisierte Kriminalität vorzugehen.

04.08.2026 | 7:00 min

Wie konnte das passieren? Diese Frage beschäftigt die EU und ihre Mitgliedsstaaten auch Tage, nachdem die allermeisten der Migranten, die die spanische Exklave Ceuta in der vergangenen Woche erreicht hatten, wieder nach Marokko zurückgekehrt sind.

Vieles sei noch unklar, sagt Magnus Brunner nach der EU-Innenministerkonferenz im heute journal. Der Österreicher ist als EU-Kommissar zuständig für Inneres und Migration und Mitglied der konservativen ÖVP. Spanien habe versprochen, die Ereignisse genau zu untersuchen.

Brunner: Organisierte Kriminalität steckt hinter Desinformationen

Sicher sei bisher vor allem eines: "Was wir gesehen haben, ist, dass die organisierte Kriminalität, Schmuggler, Menschenhändler auch hier Menschen instrumentalisiert haben", sagt Brunner. Damit schließt er sich dem spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez an, der ebenfalls "Menschenhändlernetzwerke" in der Verantwortung sieht. Diese sollen in den sozialen Medien Desinformationen verbreitet haben, die viele Menschen motiviert haben, sich auf den Weg nach Ceuta zu machen.

Magnus Brunner, EU-Kommissar für Inneres und Migration, spricht während einer Pressekonferenz im EU-Hauptquartier.

Nach dem Ansturm der Migranten auf Ceuta gab es teils heftige Kritik an Spanien. Heute stellte sich die EU bei einer Konferenz demonstrativ hinter Spanien.

04.08.2026 | 1:44 min

Ob noch mehr hinter den Ereignissen steckt - etwa der Einfluss anderer Staaten, wie bereits gemutmaßt wird - könne man noch nicht beantworten, so Brunner. Gesichert sei die Rolle der organisierten Kriminalität mit Blick auf die Falschinformationen.

Alles andere ist Spekulation und alles andere werden wir dann hoffentlich herausfinden.

Magnus Brunner, EU-Kommissar für Inneres und Migration

Magnus Brunner spricht bei einer Pressekonferenz.
Quelle: epa

Magnus Brunner ist EU-Innen- und Migrationskommissar. Brunner gehört der konservativen Österreichischen Volkspartei (ÖVP) an und war vor seinem Posten bei der EU-Kommission Finanzminister seines Landes.


Brunner: Tod von Menschen "nicht zu akzeptieren"

Gegen die organisierte Kriminalität und "Menschenhändler" werde man weiter vorgehen, "weil hier Leben auf dem Spiel stehen", so Brunner. Dass die Ereignisse in Ceuta so viele Leben gekostet haben, "ist nicht zu akzeptieren", so der EU-Kommissar. Mindestens 75 Menschen starben laut Behörden auf dem Weg nach Ceuta, Brunner spricht sogar von fast 100.

Und da müssen wir stärker gegen eben diese Menschenhändler und Schmuggler vorgehen, das ist eine unserer Aufgaben für die nächsten Wochen.

Magnus Brunner

Welche Interessen diese Menschen oder Organisationen mit der Verbreitung dieser Falschinformationen verfolgen könnten, blieb im Interview mit Brunner offen.

ZDF-Reporterin Scarlett Sternberg vom Strand bei Ceuta. Hinter ihr sieht man viele männlich-aussehende Menschen, die größtenteils in kleinen Gruppen rumsitzen.

Die Einwohner Ceutas spüren, dass die Migranten hungrig und durstig seien, so ZDF-Reporterin Scarlett Sternberg. Die Bewohner wollten helfen, hätten jedoch Angst vor einer Zuspitzung der Lage.

04.08.2026 | 3:09 min

EU habe Härtetest bestanden

Brunner zeigt sich mit Blick auf die Ereignisse der vergangenen Tage auch durchaus erleichtert: "Das war natürlich ein Härtetest (...) für die Europäische Union."

Aber diesen Härtetest haben wir gut überstanden.

Magnus Brunner

Dadurch, dass niemand aus Ceuta auf das spanische Festland oder den europäischen Kontinent gelangt sei, sei auch der Schengen-Raum nicht in Gefahr.

Zudem seien die Zahlen irregulärer Migranten, die in die EU kommen, zuletzt massiv gesunken, "und die Bilder [aus Ceuta] spiegeln nicht wirklich das wider, was wir auf europäischer Ebene die letzten zwei Jahre erreicht haben."

Zukünftig solle außerdem die europäische Grenzagentur Frontex noch stärker eingesetzt werden, um zu verhindern, dass Menschen irregulär in die EU gelangen.

Das Interview führte heute journal-Moderatorin Marietta Slomka. Zusammengefasst hat es Marie Ahlers.

Über dieses Thema berichtete das heute journal am 04.08.2026 ab 21:45 Uhr.
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