Massenhafter Andrang von Migranten:Ceuta: Marokko macht Fake-News mitverantwortlich
Erstmals seit dem massenhaften Andrang von Migranten auf die spanische Exklave Ceuta hat sich Marokko zu den Geschehnissen geäußert - und mit Falschinformationen im Netz erklärt.
Marokko hat unter anderem Falschinformationen in den sozialen Medien für den Ansturm von Migranten auf die Exklave Ceuta verantwortlich gemacht. Die Regierung wies jede Mitschuld von sich.
03.08.2026 | 0:20 minIn ihrer ersten offiziellen Reaktion nach dem massenhaften Andrang von Migranten auf die spanische Exklave Ceuta hat die marokkanische Regierung den Zwischenfall unter anderem mit Falschinformationen im Internet erklärt.
Der Andrang der Migranten sei nicht organisiert gewesen, sondern spontan zustande gekommen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Er machte die Verbreitung falscher Informationen im Netz, Aktivitäten von Schleusern und eine Falschinterpretation eines spanischen Gerichtsurteils verantwortlich, das die Rückführung bestimmter Migranten begrenzt.
Nach dem großen Ansturm flüchtender Menschen auf die Exklave Ceuta stellt sich die Frage, ob Falschinformationen Auslöser für die Fluchtwelle waren.
03.08.2026 | 3:33 minMigranten berichten von Informationen über Social Media
Angesichts der Krise in der an Marokko grenzenden Exklave wurden auch Vermutungen geäußert, dass die marokkanische Regierung den Massenandrang auf Ceuta bewusst ausgelöst oder zumindest geduldet haben könnte, um Spanien unter Druck zu setzen.
Die spanischen Behörden gehen davon aus, dass "die Opferzahl noch weiter steigen wird“, berichtet ZDF-Reporterin Scarlett Sternberg aus Ceuta. Es ginge um die "Glaubwürdigkeit Europas“, so ZDF-Reporterin Susanne Freitag-Carteron aus Brüssel mit Blick auf die Krisensitzung der EU-Innenminister.
03.08.2026 | 4:33 minMehrere Migranten schilderten spanischen Medien zufolge unabhängig voneinander, dass sie nicht gestoppt, sondern vielmehr zum Grenzübertritt ermuntert worden seien.
Auch ZDF-Reporterin Scarlett Sternberg berichtete von mehreren Migranten, die die Falschinformation erhalten haben, dass sie an der Grenze problemlos Papiere erhalten und ungehindert auf den europäischen Kontinent weiterreisen könnten. Verbreitet worden seien diese Botschaften vor allem über Facebook, X und WhatsApp, teils in Gruppen mit offenbar sehr hoher Nutzerzahl. Dabei seien auch Bildschirmfotos mit Google-Maps-Ausschnitten weitergereicht worden, die den genauen Weg zum Grenzübergang Tarajal zeigten.
Marokko spricht von 40.000 Menschen
Der Sprecher des marokkanischen Innenministeriums erklärte am Sonntag weiter, die Regierung in Rabat arbeite mit den spanischen Behörden zusammen und bleibe bei der Bekämpfung irregulärer Migration ein zuverlässiger Partner. Das Ministerium geht nach eigenen Angaben davon aus, dass rund 40.000 Migranten Ceuta erreichen wollten. Gut 1.100 weitere sollen versucht haben, Melilla zu erreichen - die zweite spanische Exklave in Nordafrika, die wie Ceuta landseitig von Marokko und seeseitig vom Mittelmeer umschlossen wird.
Die spanische Regierung geht nach eigenen Angaben von 50.000 bis 60.000 Migranten aus, die es innerhalb kurzer Zeit von Marokko in die abgeschottete Exklave geschafft haben und später zurückgekehrt sind.
Die Zahl der Todesopfer bezifferte die marokkanische Seite auf elf. Die spanischen Behörden sprachen zuletzt von mindestens 72 Migranten, die beim Versuch, Ceuta zu erreichen, ums Leben gekommen seien. Viele von ihnen ertranken demnach, als sie nach Ceuta schwimmen wollten. Die spanischen Behörden gehen laut ZDF-Reporterin Sternberg davon aus, dass die Opferzahl in den kommenden Tagen weiter steigen wird. Taucheinheiten seien weiterhin in Tarajal im Einsatz. Da die Strömung in Richtung Marokko verläuft, rechnen die Behörden damit, dass ein erheblicher Teil der Opfer in marokkanischen Gewässern gefunden werden könnte - ein endgültiges Bild vom Ausmaß der Katastrophe werde sich daher erst in den kommenden Tagen und Wochen ergeben.
Nach den Ereignissen in Ceuta geht die Debatte über die EU-Migrationspolitik weiter. Inzwischen sind 72 Menschen beim Versuch, die spanische Exklave zu erreichen, gestorben.
02.08.2026 | 0:28 minWo liegen die Gründe für den plötzlichen Andrang?
Wie es zu dem Andrang auf die Stadt mit rund 84.000 Einwohnern kam, ließ sich bislang nicht abschließend klären. Neben einer möglichen Rolle der marokkanischen Behörden wurde auch darüber diskutiert, dass die spanische Migrationspolitik falsche Signale gesendet haben könnte - insbesondere die Legalisierung des Aufenthaltsstatus von bereits im Land lebenden irregulären Migranten. Diese Maßnahme gilt zwar nicht für Neuankömmlinge, aber es heißt, sie könnte bei Migranten falsche Hoffnungen genährt haben.
Zudem wird vielfach einem spanischen Gerichtsurteil eine Rolle beim jüngsten Andrang zugesprochen. Es erschwert Zurückweisungen nach einer Einreise über das Meer. Darauf verwies auch das Innenministerium in Rabat.
Rund 60.000 Menschen sind seit Wochenbeginn von Marokko aus in die spanische Exklave Ceuta gelangt – die meisten sind inzwischen zurückgekehrt. Über die Hintergründe des Ansturms wird spekuliert.
01.08.2026 | 1:44 minMarokkos Grenzschützern wird Untätigkeit vorgeworfen
Über einen Punkt herrscht in Spanien allerdings ungewöhnliche Einigkeit: Der beispiellose Ansturm wäre nach Ansicht nahezu aller Beobachter ohne das zumindest zeitweilige Wegschauen der marokkanischen Behörden kaum möglich gewesen.
Die normalerweise streng bewachte Grenze gilt als so sensibel und gut kontrollierbar, dass Zehntausende Menschen sie nach Einschätzung der Zeitung "El País" nicht ohne "Billigung oder Mitwirkung" der Verantwortlichen in Rabat hätten überwinden können. Die in zahlreichen Videos dokumentierte Untätigkeit marokkanischer Sicherheitskräfte lasse "keinen Zweifel" daran.
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