"Panikreaktionen" in Europa:EU verarbeitet Migrationsschock von Ceuta
Nach dem Migranten-Andrang in Ceuta beginnt die EU, den Schock zu verarbeiten. Die Bilder aus Spaniens Exklave hätten "Panikreaktionen" ausgelöst, sagt ZDF-Korrespondent Röller.
Viele Migranten, die von Marokko in die spanische Exklave Ceuta gelangten, kehrten wieder zurück. Das spanische Innenministerium spricht von rund 50.000 Menschen, die Ceuta wieder verlassen haben.
01.08.2026 | 0:21 minNach dem Ansturm Zehntausender Migranten auf die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika sind die meisten Menschen nach Angaben der spanischen Regierung nach Marokko zurückgekehrt. Beim Überqueren der Grenze übers Meer kamen mindestens 67 Menschen ums Leben, berichtete die Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf die lokale Vertretung des spanischen Innenministeriums. Die Einsatzkräfte suchten auch am Vormittag weiter das Meer ab.
In Brüssel sei man von Marokko nach dem Migranten-Andrang in Ceuta enttäuscht, berichtet ZDF-Korrespondent Ulf Röller. Die EU-Kommission fordere eine rasche Rücknahme der Migranten.
31.07.2026 | 6:03 min22 EU-Mitgliedstaaten fordern Sondersitzung der Innenminister
Die EU beginnt erst, den Schock zu verarbeiten. Die Staats- und Regierungschefs von 22 EU-Mitgliedstaaten haben als Reaktion auf die Geschehnisse in Ceuta in einem gemeinsamen Brief eine Dringlichkeitssitzung der Innenminister gefordert. "Die Ereignisse der vergangenen Tage erfordern eine unverzügliche und koordinierte europäische Antwort", heißt es in dem am Samstag veröffentlichten Schreiben an die irische EU-Ratspräsidentschaft.
Zu den Unterzeichnern gehören Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.
Der Ansturm auf Ceuta war "eine außergewöhnliche Situation", so der Migrationsforscher Gerald Knaus.
01.08.2026 | 4:20 minEU-Krisensitzung zu Migranten-Andrang in Ceuta
Experten der EU-Mitgliedstaaten wollen sich heute in einer Krisensitzung über die Entwicklungen der vergangenen Tage austauschen, wie ein Sprecher der irischen Ratspräsidentschaft mitteilte. Es wird nicht erwartet, dass die Öffentlichkeit nach den Gesprächen über Inhalte informiert wird. Am Montag kommen die Botschafter der EU-Staaten zusammen, um die Entwicklungen zu bewerten und die weitere Koordinierung zu erleichtern.
Neben den Ankünften in Ceuta der letzten Tage und der Zahl der nach Marokko zurückgekehrten Menschen werde es heute auch um die Unterstützung der EU für Spanien und die diplomatischen Bemühungen mit Marokko gehen, sagte der Sprecher.
Tausende marrokanische Migranten erreichten die spanische Exklave Ceuta. Ein großer Teil der Menschen wurde schon wieder zurückgewiesen.
01.08.2026 | 1:49 minZDF-Korrespondent: Brüssel sieht die Schuld bei Marokko
Die Beziehungen zwischen Spanien und Marokko könnten unter dem jüngsten Besuch des spanischen Regierungschefs in Algerien gelitten haben, ordnet ZDF-Korrespondent Ulf Röller ein. "Man muss wissen, Algerien hat doch eine sehr toxische Beziehung zu Marokko."
Aus der Sicht von Brüssler Experten und der EU-Kommission "wird doch sehr deutlich auf Marokko gezeigt, weil man sagt, es ist kaum vorstellbar, dass sich vielleicht bis zu 60.000 Menschen aus Marokko auf den Weg machen auf diese spanische Enklave, ohne dass die Sicherheitsbehörden das nicht mitbekommen", sagt Röller.
"Das darf Europa nicht passieren", so EVP-Chef Weber zu den Vorfällen in Ceuta. Die spanische Regierung müsse jetzt handeln und dafür sorgen, dass so etwas nicht wieder passiert.
31.07.2026 | 5:46 minEU-Kommission: Kein Migrant hat das Festland erreicht
Nach Angaben von Spaniens Außenminister José Manuel Albares kehrten nahezu alle der mindestens 50.000 Menschen, die nach Ceuta gelangt waren, nach Marokko zurück. EU-Migrationskommissar Magnus Brunner versicherte nach einem Telefonat mit Albares:
Keine einzige Person hat die Grenze zum EU-Festland überschritten.
Magnus Brunner, EU-Migrationskommissar
Die EU habe mit ihrem neuen Migrationsrecht, das unter anderem schnellere Abschiebungen ermöglichen soll, zwar eine "klare Botschaft" gesetzt, erklärt Röller. Sie sei aber "sehr davon abhängig, dass Länder wie Marokko oder auch Länder wie Tunesien oder Ägypten eben dafür sorgen, dass in ihren Ländern keine Flüchtlingsströme entstehen und über das Mittelmeer dann versuchen, nach Europa zu kommen".
Zehntausende Menschen überqueren illegal die Grenze nach Ceuta. Warum die Migranten den gefährlichen Weg auf sich nehmen und was die Anwohner der Exklave denken – ihre Perspektiven.
31.07.2026 | 3:21 minZDF-Korrespondent: "Panikreaktionen" in Europas Hauptstädten
Die Wiedereinführung von Grenzkontrollen sei vor allem Symbolpolitik, ordnet Röller ein. Die Bilder aus Ceuta hätten "in vielen europäischen Hauptstädten eigentlich Panikreaktionen ausgelöst". Da Europa eine Botschaft der Abschottung senden wolle, beabsichtige man nun umso mehr deutlich zu machen, "man ist auf jeden Ansturm, auch wenn er nicht kommt, vorbereitet."
Die Idee eines grenzenlosen Europas, eines grenzenlosen Binnenmarktes leide aber unter den Kontrollen. "Damit würde eine wichtige Idee der europäischen Politik zerstört."
Sicherheitskräfte verhindern Zugang zu Ceuta und Melilla
Hunderte Menschen versuchten Medienberichten zufolge am Freitagabend in die beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu gelangen. Spanische Soldaten verhinderten den Zugang vom Meer zum Strand. In den vergangenen Tagen hatten sich viele Menschen schwimmend Zugang zu Ceuta verschafft.
Soldaten der spanischen Armee leisten einem Migranten Hilfe, der von Marokko aus zur spanischen Exklave Ceuta geschwommen ist.
Quelle: dpaIn der Exklave Melilla kontrollierten in der Nacht zahlreiche Streifenwagen der Guardia Civil den Grenzverlauf. Unbekannt blieb, wie viele Menschen versuchten, den dortigen Grenzzaun zu überqueren oder gar in die Stadt gelangten. Am Abend war es an der Grenze zwischen Marokko und Melilla laut dem staatlichen Fernsehsender RTVE zu Auseinandersetzungen mit Beamten gekommen. Mehrere Menschen hätten Steine auf die Sicherheitskräfte geschleudert, während diese Tränengas eingesetzt hätten.
Zehntausende Menschen erreichen von Marokko aus die spanische Exklave Ceuta. Die Regierung entsendet das Militär und zusätzliche Polizeikräfte. ZDFheute live ordnet ein.
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