Junge Amerikaner erzählen:Was denkt die Gen Z vor den Midterms?
von Fränzi Meyer, Julian Schmidt-Farrent, Washington, D.C.
Fünf Menschen, fünf Perspektiven: Auch diese Gen Z-Wähler haben bei den Midterms die Wahl. Wir haben sie gefragt, was sie vor den Zwischenwahlen umtreibt.
Trumps Migrationspolitik hatte für Carter (links) mehr Licht als Schatten - Jordyn (rechts) findet dagegen, dass die Menschen unter den Republikanern verarmen.
Quelle: ZDF"Was beschäftigt dich kurz vor den Midterms?" Das haben wir junge US-Amerikaner der Gen Z in Washington gefragt. In der US-Hauptstadt treffen Menschen aus allen Teilen des Landes aufeinander, sei es als Studierende, Berufstätige oder Touristen. Fünf von ihnen erzählen, welches Thema ihnen vor den Midterms Sorgen bereitet - und was ihnen Hoffnung macht.
Bei den anstehenden Zwischenwahlen in den USA könnten die Stimmen der Latinos entscheidend sein. Laut aktuellen Umfragen ist das Rennen zwischen den Parteien knapp.
31.10.2026 | 1:40 minJenna: Scham für Trumps Amerika
"Ein bisschen peinlich" sei es ihr, wenn sie sich momentan bei Auslandsreisen als Amerikanerin vorstelle, sagt Jenna. Zu unangenehm sei ihr das Bild, das die USA unter Donald Trump abgeben. Für die 27-Jährige aus Colorado ist klar: Die Demokraten müssen die Mehrheit sowohl im Senat als auch im Abgeordnetenhaus erreichen.
Jenna McGann, 27 Jahre, aus Colorado
Quelle: ZDFDer US-Präsident und seine Republikaner hätten den Amerikanern zwar vieles versprochen, aber wenig umgesetzt. Sie hofft dagegen auf niedrigere Spritpreise, ein besseres Gesundheitssystem und mehr Fokus auf Bildung und Kinder.
Wir müssen an jeden in den USA denken, und nicht nur an die oberen ein Prozent.
Jenna
Ihr Hoffnungsschimmer? Die Fußballweltmeisterschaft diesen Sommer, bei der viele Spiele in den USA stattfanden. "Es war so schön, wie sich alle um den Fußball versammelt haben und wie wir die Gäste aus dem Ausland empfangen haben", sagt Jenna. Das Event habe gezeigt, wie wenig Trump letztendlich für die USA stehe.
Carter: Starke Grenzen machen ein starkes Land
"Ich bin ein ziemlicher America-First-Typ", sagt der 19-jährige Carter. Zwar sei Trump nicht sein Lieblingskandidat gewesen, ein bisschen zu rechts. Doch zumindest hätte Trumps Regierung niedrigere Steuern und eine bessere Migrationspolitik durchgesetzt.
Ich weiß nicht, ob ICE die Lösung ist. Aber starke Grenzen machen ein starkes Land.
Carter
Carter Jones, 19 Jahre, aus Maryland
Quelle: ZDFAls Republikaner fände Carter es nicht schlimm, wenn die Demokraten die Kongresswahlen gewinnen - es würde sich seiner Meinung nach ja sowieso nichts ändern. Er glaubt, dass sich beide Parteien nach den Midterms im Kongress gegenseitig blockieren werden. "Ich glaube nicht, dass es jemals eine Mehrheit geben wird, um etwas wirklich Bedeutendes zu verabschieden."
Am 3. November stehen in den USA die Midterms an. Die Zwischenwahlen entscheiden über die Mehrheiten im Kongress und gelten als Stimmungstest für Präsident Trump. Bastian Hartig berichtet aus zwei Swing States.
30.10.2026 | 2:32 minEvan: Frustriert über fehlenden Klimaschutz
Beim Thema Klimaschutz wird Evan deutlich: Als Umweltingenieur erkenne er in den USA niemanden, der das Thema wirklich anpacke, kritisiert der 27-Jährige.
Es gibt viele Klimawandelleugner zurzeit, und das ist etwas lächerlich.
Evan
Evan DeMars, 27 Jahre, aus Indiana
Quelle: ZDFZwar seien in den vergangenen Jahren mehr Nationalparks gegründet worden, doch die Trump-Administration würde auch den Umweltschutz immer weiter abbauen. "Ich bin nicht super pessimistisch, aber ich habe nichts gesehen, was mir Anlass für Hoffnung gibt", so Evan.
Weston: Demokraten setzen den falschen Fokus
"Alle mieten, keiner kauft", sagt Weston. Für ihn sind die gestiegenen Immobilienpreise das größte Problem. Irgendwann würde er gerne ein Haus besitzen, doch das werde immer mehr zur Unmöglichkeit. Er hat das Gefühl, dass die Demokraten kein Gefühl für die Probleme des Landes hätten.
Weston Fisher, 25 Jahre, aus North Carolina
Quelle: ZDFDie Partei konzentriere sich zu sehr auf Themen wie Abtreibungsrechte oder die Rechte von Frauen - dabei hätten die Menschen in den USA bereits mehr Freiheiten als viele Menschen im Ausland.
Viele der Argumente der Demokraten sind ein bisschen albern.
Weston
Zu US-Präsident Trump hat er dagegen keine Meinung - er sieht sich eher als unpolitisch, sagt Weston. Doch er könne sich vorstellen, dass die gestiegenen Spritpreise im Land nicht allein Trumps Schuld seien. Ob Weston wählen will? "Wahrscheinlich", sagt der 25-Jährige. Sicher sei er sich allerdings noch nicht.
Vor den US-Zwischenwahlen geht die Angst vor Beeinflussung und Manipulation um. Einschüchterungsversuche vor Wahllokalen, Beschlagnahme von Wahlurnen oder Wahllügen werden befürchtet.
28.10.2026 | 6:12 minJordyn: Hoffnung auf einen politischen Kurswechsel
"Ich bin sehr nervös", sagt Jordyn mit Blick auf die Midterms. Die 24-Jährige studiert Jura in Washington, D.C. Sie hofft, dass die Demokraten eine Mehrheit im Kongress erreichen und sich politisch etwas verändert. Die bisherige Regierung habe es den Menschen schwerer gemacht, über die Runden zu kommen. Während die Reichsten immer reicher würden, könnten sich Millionen Amerikaner nicht einmal ihre nächste Mahlzeit leisten, kritisiert sie. Auch bezahlbarer Wohnraum, ein besseres Gesundheitssystem und staatliche Hilfsprogramme sind ihr wichtig.
Jordyn Robinson, 24 Jahre, aus Tennessee
Quelle: ZDFTrotz ihrer Sorgen blickt Jordyn hoffnungsvoll auf die Midterms. Sie wünscht sich, dass die Vielfalt der amerikanischen Gesellschaft mehr geschätzt wird, statt zum Anlass für Kritik, Rassismus und Hass zu werden, erklärt sie.
Ich habe definitiv Hoffnung, dass die Midterms eine Wende bringen.
Jordyn
Julian Schmidt-Farrent und Fränzi Meyer sind Reporter im ZDF-Studio Washington, D.C.
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