Entscheidung von US-Gericht:Fünfjähriger und Vater nach ICE-Gewahrsam wieder frei
Ein fünfjähriger Junge, der mit seinem Vater von ICE in Gewahrsam genommen worden war, ist wieder frei. Der Fall sorgte landesweit für Empörung und Proteste.
Zwei Wochen nachdem der fünfjährige Liam und sein Vater von der Einwanderungsbehörde ICE festgenommen worden sind, hat ein Bundesrichter ihre Freilassung angeordnet.
02.02.2026 | 0:19 minEin bei einem Einsatz der US-Einwanderungsbehörde ICE in Gewahrsam genommener Fünfjähriger und sein Vater sind wieder frei. Das teilte das Büro des demokratischen Kongressabgeordneten Joaquin Castro am Sonntag mit.
Eine Sprecherin des Repräsentantenhausabgeordneten, Katherine Schneider, erklärte, Vater und Sohn seien gemeinsam in ihr Zuhause im Bundesstaat Minnesota zurückgekehrt. Castro habe sie am Samstagabend (Ortszeit) an einer Haftanstalt im texanischen Dilley abgeholt, nachdem ein Gericht ihre Freilassung angeordnet hatte. Am Sonntag habe er sie zurück nach Minnesota begleitet.
Video des Jungen löst landesweite Empörung aus
Das Kind und sein Vater waren nach ihrer Gefangennahme in einem Vorort von Minneapolis am 20. Januar in die Einrichtung in Texas gebracht worden. Aufnahmen des Jungen, die ihn umringt von Bundesbeamten mit Häschenmütze und Spider-Man-Rucksack zeigen, hatten Entrüstung über das Vorgehen der Einwanderungsbehörden unter US-Präsident Donald Trump hervorgerufen.
Nachbarn und Schulvertreter sagten, die Beamten hätten das Kind als Köder benutzt. Der Junge sei aufgefordert worden, an der Tür zu klopfen, damit seine Mutter öffne. Das Heimatschutzministerium hat diese Schilderung als Lüge bezeichnet und erklärt, der Vater sei zu Fuß vor den Beamten geflohen und habe seinen Sohn im Auto in der Einfahrt zurückgelassen.
In den USA wurde in vielen Städten gegen den US-Präsidenten und ICE demonstriert. In Minneapolis trat Rockstar Bruce Springsteen mit seinem Protestsong auf.
31.01.2026 | 1:43 minRichter wählt in Begründung ungewöhnlich scharfe Worte
Bundesrichter Fred Biery, der die Freilassung anordnete, hatte am Samstag erklärt, der Fall habe seinen "Ursprung im schlecht durchdachten und inkompetent umgesetzten Bestreben der Regierung, tägliche Abschiebequoten einzuhalten - offenbar selbst dann, wenn damit die Traumatisierung von Kindern einhergeht".
Zudem warf der Bundesrichter der Trump-Regierung vor, "offensichtlich keine Ahnung von einem historischen amerikanischen Dokument namens Unabhängigkeitserklärung" zu haben. Er deutete an, das Vorgehen der Regierung erinnere an jene Missstände, die der Hauptautor der Unabhängigkeitserklärung und spätere Präsident Thomas Jefferson als Beschwerden gegen den britischen König Georg aufgezählt hatte. Dazu gehörten unter anderem folgende Passagen: "Er hat Schwärme von Beamten hierher entsandt, um unser Volk zu schikanieren", sowie "Er hat unter uns innere Unruhen angezettelt".
Nach zuletzt zwei Toten wächst der Druck auf die Einwanderungsbehörde ICE immer weiter, auch auf Seiten der Republikaner. Landesweit finden Proteste gegen das Vorgehen der Behörde statt.
31.01.2026 | 1:57 minKritiker sahen in dem Vorfall einen weiteren Beleg dafür, wie rigoros ICE-Beamte bei ihren Einsätzen vorgehen, die Teil der verschärften Migrationspolitik der US-Regierung von Trump sind. Laut damaligen Angaben des Heimatschutzministeriums hatte sich der Einsatz gegen den Vater gerichtet, der aus Ecuador stammen und sich illegal in den USA aufhalten soll. Nach früheren Angaben eines mit dem Fall vertrauten Anwalts soll die Familie im Dezember 2024 an einem offiziellen Grenzübergang Asyl beantragt haben. Ein Abschiebebeschluss habe nicht vorgelegen.
Castro: Junge hat "die Welt bewegt"
Während des Rückflugs nach Minnesota schrieb Castro dem Jungen einen Brief, in dem er ihm mitteilte, er habe "die Welt bewegt". "Deine Familie, deine Schule und viele Fremde haben für dich gebetet und alles getan, um dich wieder nach Hause zu bringen", gab Castro den Inhalt in sozialen Medien wieder.
Lass dir von niemandem einreden, dass dies nicht deine Heimat ist. Amerika wurde dank Einwanderern zur mächtigsten und wohlhabendsten Nation der Welt, nicht trotz ihnen.
Joaquin Castro, demokratischer Kongressabgeordneter
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