US-Base in Niederschlesien:Wie "Fort Trump" in Polen ankommt
von Nina Niebergall, Warschau
In Schlesien soll eine US-Base ausgebaut werden. Der Ort gilt als "amerikanischster" in Polen. Es ist ein Politikum in einer heiklen Phase der polnisch-amerikanischen Beziehungen.
In Bolesławiec in Polen sind bereits rund tausend US‑Soldaten stationiert – und der Stützpunkt könnte weiter wachsen. Wie sehen das die Menschen vor Ort?
12.03.2026 | 4:28 minWie eng sie hier im niederschlesischen Boleslawiec mit den USA verwoben sind, zeigt Pawel Skokuns Sprachschule "Better Call Paul". Der Name ist angelehnt an die US-amerikanische Fernsehserie "Better Call Saul", und Pawel wurde mit der Gründung vor neun Jahren zu "Paul".
Der 35-Jährige ist Amerika-Fan, pflegt sogar einen amerikanischen Akzent. Darüber, dass die bestehende US-Base zum "Fort Trump" ausgebaut werden soll, freut er sich. Es sei gut fürs Geschäft.
Quelle: ZDF
Von der "Geisterstadt" zur "amerikanischen Stadt"
Seit 2017 sind hier bereits etwa 1.000 US-Soldat*innen stationiert: Davor habe es kaum ein Restaurant, kaum ein Café in der 40.000-Einwohner-Stadt gegeben. Es sei eine "Geisterstadt" gewesen, erzählt Skokun. Mit Fort Trump würden nun "viele amerikanische Soldaten mit ihren Familien hierherkommen".
Sie leben dann mit uns zusammen. Ihre Kinder spielen mit polnischen Kindern, deshalb müssen unsere Kinder Englisch sprechen.
Pawel Skokun, Inhaber Sprachschule "Better Call Paul"
Moderne digitale Infrastruktur, hohes Ausbildungsniveau und hohe Kaufkraft: Polens Wirtschaft wächst stabil - Dank EU-Fördermilliarden.
12.03.2026 | 2:10 minNeben dem wirtschaftlichen Aspekt sieht Skokun die USA auch als Garant für Sicherheit. Die US-Base schütze die Polinnen und Polen hier, auch wenn sie weit weg von der ukrainischen Front seien.
"Fort Trump" schon seit 2018 in Planung
Je mehr Soldat*innen, desto besser. Bevor Russland 2014 die Krim annektierte, gab es praktisch keine US-Soldat*innen in Polen. Inzwischen sind es 10.000 im ganzen Land, Tendenz steigend - bestätigt auch Polens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz.
Es gibt Pläne, die Präsenz amerikanischer Truppen in Polen nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern sie auch auszubauen. Wir errichten Fort Trump in Bolesławiec, Niederschlesien.
Wladyslaw Kosiniak-Kamysz, Verteidigungsminister Polen, am 19.01.2026
"Fort Trump" soll mehrere Stützpunkte in der Gegend umfassen, unter anderem die US-Base in Boleslawiec. Die Pläne sind schon 2018 unter dem früheren polnischen Präsidenten Andrzej Duda entstanden, der auch den Namen erfunden hat. Die Ankündigung wurde jüngst erneuert.
In Polen ist die Sorge vor einer Abkehr der USA von Europa besonders groß. Das Land an der Ostflanke der Nato hat zuletzt deutlich aufgerüstet - aus Angst vor Russland.
06.03.2025 | 1:50 minWie viele US-Soldat*innen künftig im "Fort Trump" stationiert werden sollen, ist noch unklar. Das ganze Projekt soll laut Verteidigungsministerium umgerechnet 430 Millionen Dollar kosten.
Polen von mehr Sicherheit durch Trump nicht überzeugt
Dabei sind viele Pol*innen längst nicht mehr davon überzeugt, dass der Nato-Partner tatsächlich für ihre Sicherheit sorgt. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Centrum Badania Opinii Społecznej, die im Januar diesen Jahres durchgeführt wurde, fanden 24 Prozent aller Befragten, dass Donald Trumps Präsidentschaft die Sicherheit Polens stärkt. 41 Prozent sagten hingegen, Trumps Präsidentschaft schwäche die Sicherheit des Landes.
Auch in Boleslawiec sind die Meinungen zum Namensgeber von Fort Trump gemischt. So sagt Marek: "Was Präsident Trump angeht, bin ich kein Fan, aber die Amerikaner selbst mögen wir, wir fühlen uns mit ihnen hier sicher, das ist nicht schlecht." Karolina sieht es so:
Wenn ich sehe, was im Iran passiert, denke ich, dass die USA uns keine Sicherheit bieten.
Karolina aus Boleslawiec, Polen
Nach einer Explosion an einer polnischen Bahnstrecke Richtung Ukraine sieht Polen die Schuld bei Russland. Was der Anschlag für die Nato bedeutet, analysiert ZDFheute live.
18.11.2025 | 21:43 minVerhältnis zwischen USA und Polen angespannt
Das Verhältnis der eher liberalen Regierung von Donald Tusk zur US-Regierung ist schon länger angespannt. Das könnte getroffene Vereinbarungen mit Trump gefährden. So hatte der polnische Parlamentspräsident Wlodzimierz Czarzasty Anfang Februar deutlich gemacht, dass er Trumps Bemühungen um einen Friedensnobelpreis nicht unterstützen werde und auch die Idee seines sogenannten Friedensrates ablehne. Daraufhin brach der US-Botschafter in Polen öffentlichkeitswirksam den Kontakt zu Czarzasty ab.
Ich werde den Antrag auf die Vergabe des Friedensnobelpreises an Trump nicht unterstützen, weil er ihn nicht verdient hat.
Wlodzimierz Czarzasty, Parlamentspräsident Polen, am 02.02.2026
Tusk: "Polen zu keinem Land der Welt ein Vasall"
Und Ministerpräsident Donald Tusk weiß zwar, dass er die USA braucht, macht aber immer wieder deutlich, dass sich seine Regierung nicht herumschubsen lassen wird. Es sind Aussagen, die dem Mann im weißen Haus nicht gefallen dürften.
Polen wird ein loyaler, treuer und verlässlicher Verbündeter der USA sein. Aber es wird in seinen Beziehungen zu keinem Land der Welt ein Vasall sein.
Donald Tusk, Ministerpräsident Polen, am 12.02.2026
Polens Präsident Nawrocki hat per Veto ein Gesetz gestoppt, das seinem Land Milliarden aus einem EU-Rüstungsprogramm sichern soll.
12.03.2026 | 0:35 minUnd so sieht auch Pawel Skokun eine Gefahr: Trump könne von heute auf morgen entscheiden, dass er die Soldat*innen aus seiner Heimatstadt abzieht. "Die meisten Unternehmen werden zusammenbrechen", glaubt er. Denn alles in Boleslawiec sei darauf ausgelegt, die Amerikaner*innen glücklich zu machen.
Nina Niebergall ist Redakteurin der ZDF-Hauptredaktion Politik und Zeitgeschehen.
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