Endspurt in Baku:Woran der Klimagipfel scheitern könnte
Kurz vor dem planmäßigen Ende des Klimagipfels in Baku ist noch kein Durchbruch in Sicht - es geht ums Geld.
UN-Klimagipfel in Baku: Protestaktion für die Klimafinanzierung
Quelle: dpaBis Freitag soll auf der UN-Klimakonferenz in Aserbaidschan ein Konsens stehen - allerdings gehen die Treffen häufig in die Verlängerung. Nach zehn Tagen zäher Verhandlungen hakt es auch in diesem Jahr. Zentraler Streitpunkt in Baku: Die Finanzhilfen der Industriestaaten. Bisher hatten die Industriestaaten zugesagt, bis 2025 jährlich 100 Milliarden US-Dollar für Klimaschutz und -anpassung in Entwicklungsländern zu mobilisieren.
Allerdings wird der Bedarf von einer unabhängigen UN-Expertengruppe bis 2030 auf rund eine Billion US-Dollar pro Jahr geschätzt - und sogar 1,3 Billionen bis 2035, also bis zu 13-mal mehr, als bisher an Klimahilfe fließt.
Die Aufgabe auf der Klimakonferenz in Baku sei "ziemlich gigantisch", berichtet Florian Neuhann.
18.11.2024 | 1:39 minChina - ein Entwicklungsland?
Die EU tritt auf die Bremse und betont, man werde erst konkrete Summen anbieten, wenn andere Schlüsselfragen geklärt seien. "Sonst hat man einen Warenkorb mit einem Preisschild, von dem man aber nicht genau weiß, was drin ist", sagte EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra. Die deutsche Klimastaatssekretärin Jennifer Morgan erklärte zwar, "wir werden unseren Teil beitragen". Zuvor hatte sie es aber mehrmals "unrealistisch" genannt, dass Industrieländer Billionensummen an Finanzhilfen aus ihren regulären Haushalten stemmen.
Berlin pocht darauf, dass Länder wie China und die reichen Golfstaaten, die viel Geld mit Öl, Gas und Kohle verdient haben, ebenfalls Geld beitragen. Noch gelten sie - wie etwa auch Indien - nach einer 30 Jahre alten UN-Einstufung als Entwicklungsstaaten und damit als Empfängerländer.
Bei der UN-Klimakonferenz in Baku wird der Klimaschutz-Index vorgestellt. Er definiert, welche Länder sich verschlechtern und welche Fortschritte machen.
20.11.2024 | 2:12 minAuch in dieser Gruppe regt sich Unverständnis. Die nigerianische Umweltministerin Balarabe Abbas Lawal sagte dem "Guardian": "China und Indien können nicht in die gleiche Kategorie eingruppiert werden wie Nigeria und andere afrikanische Länder." Sie sollten stattdessen selbst Geld beitragen. Die Umweltministerin von Kolumbien, Susana Muhamad, sagte dem Blatt, die alten Kategorien seien "obsolet". Äußerungen wie diese könnten den Druck auf China erhöhen.
EU befürchtet Rückschritte
Die EU befürchtet zudem, dass ehrgeizige Formulierungen der vergangenen Klimakonferenz in Dubai zur Eindämmung von Klimagasen und zur Abkehr von Öl, Gas und Kohle bei den Verhandlungen in Baku unter die Räder kommen. Dazu sagte EU-Kommissar Hoekstra, der einzige Weg führe nach oben. "Das ist glasklar eine Sache, auf die wir uns in den kommenden Tagen konzentrieren werden."
Die Bundesregierung will Entwicklungsländer beim Umbau ihrer Industrien unterstützen. Über die größten Knackpunkte auf dem Weltklimagipfel in Baku berichtet Andreas Stamm.
18.11.2024 | 1:16 minDas sehen viele Vertreter der verletzlichsten Staaten ähnlich, die am heftigsten unter den Folgen der Erderhitzung leiden. Ein Vertreter Mikronesiens rief im Plenum: "Wir fordern die größten Verschmutzer der Welt auf, Verantwortung zu übernehmen. Stoppt den Ausbau von Öl, Gas und Kohle!" Sein Land - wegen des steigenden Meeresspiegels vom Untergang bedroht - sei nicht bereit, "sich einer Krise zu ergeben, die wir nicht verursacht haben".
Im Fokus steht nun Gastgeber Aserbaidschan - der selbst 90 Prozent seiner Exporterlöse mit Öl- und Gas erzielt. Die Präsidentschaft erklärte, sie setze nun auf einen "Geist der Zusammenarbeit und Kompromissbereitschaft", um bis Freitag zu einem Ergebnis zu kommen.
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