Putin unterzeichnet Dekret: Einberufung von inaktiven Reservisten

Analyse

Verdeckte Mobilisierung?:Putin unterzeichnet Dekret zur Einberufung von Reservisten

von Christian Mölling und András Rácz

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Putin ordnet die Einberufung inaktiver Reservisten an. Dies könnte eine Tarnung für eine verdeckte Mobilmachung sein, denn die freiwillige Rekrutierung reicht immer weniger aus.

Julian Werner vor München bei Nacht.

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11.12.2025 | 11:28 min

Am 8. Dezember unterzeichnete der russische Präsident Wladimir Putin ein Dekret zur Einberufung von Angehörigen der sogenannten "strategischen inaktiven Reserve" zur militärischen Ausbildung.

Die genaue Zahl der zur Ausbildung einzuberufenden Reservisten ist in dem Dokument als geheim eingestuft und daher nicht öffentlich.

Wer gehört zur russischen Reserve?

Russland verfügt über ein mehrstufiges Reservistensystem. Die sogenannten aktiven Reservisten sind etwa zwei Millionen Männer, die vom Verteidigungsministerium ein Gehalt erhalten, um ihre grundlegenden militärischen Fähigkeiten aufrechtzuerhalten: Sie nehmen zusätzlich zu ihrem normalen zivilen Leben an regelmäßigen Übungen teil.

Daneben gibt es noch eine weitere Kategorie, die sogenannte inaktive Reserve. Diese umfasst etwa 18 bis 20 Millionen Männer, die in der Vergangenheit militärische Erfahrung gesammelt haben, in der Regel im Rahmen des Wehrdienstes, aber ihre Fähigkeiten nicht weiter trainiert und auf dem neuesten Stand gehalten haben.

Der vorliegende Erlass sieht die Mobilisierung der zweiten Kategorie vor.

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Wann wurden Reservisten bisher eingerufen?

Ungewöhnlich an dem Dekret ist, dass es Reservisten noch in diesem Winter zum Training einberuft. Russland verfügt jedoch nicht über die notwendigen Einrichtungen, um Reservisten im Winter angemessen auszubilden: Nicht alle Kasernen sind ausreichend beheizt, isoliert usw.

Daher wurden Reservisten bisher immer im Frühjahr oder Sommer zum Training einberufen.

SGS Slomka Röller

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Können Einberufene unbegrenzt eingesetzt werden?

Die in diesem Dekret zum Ausdruck kommende Eile deutet höchstwahrscheinlich darauf hin, dass die Einberufung dem Zweck dient, festzustellen, welche Reservisten noch mehr oder weniger für den Militärdienst geeignet sind. Einmal einberufen können sie auch in Friedenszeiten mobilisiert und ohne weitere besondere Rechtsakte an die Front geschickt werden.

Mit dem neuen Erlass sollen wahrscheinlich die Reihen der russischen Streitkräfte so schnell wie möglich aufgefüllt und die Fortsetzung des Zermürbungskrieges gegen die Ukraine ermöglicht werden.

Am kommenden Montag berät sich der ukrainische Präsident Selenskyj mit Kanzler Merz über ein Ende des Krieges. Diana Zimmermann berichtet über die Einzelheiten.

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Wie läuft Russlands freiwillige Rekrutierung?

Russland hat bereits seit mehreren Monaten mit wachsenden Problemen bei der freiwilligen, finanziell motivierten Rekrutierung zu kämpfen.

Im Jahr 2025 konnten durchschnittlich 29.000 neue Soldaten pro Monat rekrutiert werden, was mehr oder weniger ausreicht, um die monatlichen Verluste zu decken, aber weit entfernt ist von den 35.000 bis 45.000 neuen Rekruten, die sie in den Jahren 2023-2024 hatten.

Wie hoch waren die russische Verluste in 2025?

Russland hat in diesem Jahr unverhältnismäßig hohe Verluste erlitten. Im Jahr 2025 eroberte Russland nach Angaben des "Institute for the Study of War" etwa 0,77 Prozent des ukrainischen Territoriums, was etwa 4.500 Quadratkilometern entspricht. Dabei musste es etwa 350.000 Tote und Verwundete hinnehmen. Eine solche Verlustquote ist allein durch die Rekrutierung von Freiwilligen kaum zu verkraften.

Gibt es eine verdeckte Mobilisierung?

Wenn der Krieg also mit der derzeitigen Intensität weitergeht, wird Zwang in Form von verdeckter Mobilisierung wahrscheinlich eine immer größere Rolle spielen.

Daher dürfte die Einberufung von inaktiven Reservisten vor allem dazu dienen, die laufende Rekrutierung durch Elemente einer verdeckten Mobilisierung zu ergänzen und so die dezimierten Reihen aufzufüllen.

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