Gedenken in Butscha:"Die Ukrainer haben nur eine Wahl - gewinnen"
von Alica Jung, Kiew
Vier Jahre nach der Befreiung von Butscha gedenkt die Ukraine der Menschen, die während der russischen Besatzung getötet worden sind. Noch immer ist kein Kriegsende in Sicht.
Im Frühjahr 2022 zog die russische Armee aus der ukrainischen Kleinstadt Butscha ab und hinterließ Zeugnisse von Kriegsverbrechen und Gräueltaten.
31.03.2026 | 2:15 minPater Andriy Halavin kennt in Butscha jeden und jede, seit 30 Jahren predigt er in der St.-Andreas-Kirche. Auch die schwersten Tage für seine Gemeinde hat er mit den Menschen erlebt, als russische Truppen im Februar 2022 hier eingefallen sind. Danach gab es keine Verbindung mehr nach draußen, kein Licht, nichts, erinnert sich der Pater.
"Wird Russland jemals für diese Gräueltaten auch zur Rechenschaft gezogen", fragen Butschas Einwohner. Das berichtet ZDF-Reporterin Alica Jung am Jahrestag des Massakers in Butscha.
31.03.2026 | 3:07 minEinen Monat lang hielten russische Soldaten die Region besetzt, haben gefoltert und getötet. Hinter der Kirche hat die Gemeinde die Toten damals notdürftig begraben. Mehr als 450 Leichen haben sie nach ukrainischen Angaben allein in Butscha gefunden. Heute gibt es dort eine Tafel mit ihren Namen zum Gedenken. Bewohner werden vermisst.
Vier Jahre später werden noch immer Bewohner vermisst, sie sind in russischer Kriegsgefangenschaft, sagt der Pater. Das Problem sei, dass es sich um Zivilisten handele, keine Kämpfer. Sie könnten nicht als Soldaten gegen Soldaten eingetauscht werden. So ist das Leben in Butscha noch immer geprägt durch den russischen Angriffskrieg.
Frieden ist kein Zustand, sondern ein Prozess, der von Menschen gestaltet wird. Frieden entsteht nicht von selbst. Er wird möglich, wenn Menschen Brücken bauen und Konflikte lösen.
01.04.2026 | 44:12 minZwar haben sie den Großteil der zerstörten Gebäude inzwischen wiederaufbauen können, aber jeder Tag bringe neue Herausforderungen mit sich: Russischer Beschuss auf die ukrainischen Städte auch jenseits der Front, Stromausfälle, weil Russland auf die zivile Energieinfrastruktur zielt. Mal müssen sie getötete Soldaten begraben, die aus Butscha kommen, berichtet der Pater.
Aufgeben ist für Ukrainer keine Option
Niemand habe erwartet, dass der Krieg so lange dauern würde, besonders die Angehörigen von kämpfenden Soldaten seien erschöpft, so Pater Halavin. Doch es schwingt auch Stolz in seiner Stimme mit, darüber, dass sie hier bereits so lange durchhalten. Zu Beginn des Krieges hätten viele vorausgesagt, dass die Ukrainer sich nur wenige Tage würden verteidigen können, doch sie hielten noch immer Stand.
Frieden entsteht nicht von selbst. Er wird möglich, wenn Menschen Brücken bauen. Frieden braucht Vertrauen, Stabilität und manchmal auch den Schutz verlässlicher Partner.
25.03.2026 | 44:16 minPater Halavin betont, dass Aufgeben keine Option sei, egal wie sehr der Krieg sie zermürbe.
Im Westen können sie kriegsmüde werden, aber wir haben keinen anderen Ausweg.
Pater Andriy Halavin
"Die Russen interessieren sich nicht für uns, außer als Kanonenfutter", so Pater Halavin. Die Ukrainer hätten nur eine Wahl, gewinnen, sonst würden sie von Russland vernichtet.
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