Ukraine: Immer mehr ukrainische Männer fliehen

Ukrainische Männer fliehen:Einberufungsbehörde: "Die Front braucht Menschen"

Alica Jung

von Alica Jung

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Immer mehr Ukrainer versuchen zu fliehen, aus Angst, an der Front kämpfen zu müssen. Sie berichten von Entführungen auf offener Straße, Korruption, Willkür bei der Mobilisierung.

Polizisten kontrollieren die Ausweisdokumente junger Männer in Dnipro

Viele junge Männer verlassen die Ukraine, weil sie ab 25 zum Kriegsdienst verpflichtet werden können. Jede Flucht stellt ein Problem für die Armee dar.

11.02.2026 | 6:40 min

In Transkarpatien, ganz im Westen der Ukraine, ist die Frontlinie weit weg. Dichte Wälder und der Fluss Theiß trennen das Gebiet von Rumänien und inzwischen auch ein Stacheldrahtzaun. Die Ukraine hat ihn gezogen, um ihre Männer daran zu hindern, das Land zu verlassen. Und doch versuchen es immer mehr. Manche überleben das nicht, ertrinken im Fluss oder erfrieren bei der Flucht durch die Berge.

Sie wollen fliehen, weil sie nicht mehr damit einverstanden sind, wie ihr Land den Militärdienst regelt. Ihr Vorwurf: Wer nicht dienen will und Geld hat, kann sich rauskaufen. Wer das nicht schafft, wird gesucht von der Einberufungsbehörde und zur Front geschickt. Oft gegen den Willen der Männer, teilweise unter Einsatz von Gewalt, werden sie von der Straße in Bussen mitgenommen.

Anwalt berichtet von Entführungen

Yaroslaw Kolodjaschny ist Anwalt in Kiew. Er sagt, er verteidigt all jene, denen Unrecht getan wurde, wie seinem Mandanten Volodymyr Zuenok. Er sei direkt von der Straße entführt und zur Nationalpolizei gebracht worden, dort sei er verletzt angekommen und im Anschluss inhaftiert worden. Volodymyr Zuenok wäre eigentlich vom Militärdienst befreit, da er gesundheitliche Probleme und einen pflegebedürftigen Vater hat.

Rechtsanwalt Kolodjaschny versteht nicht, wieso die Behörden sich nicht mehr Zeit für die Mobilisierung nehmen und entsprechende Dokumente prüfen. Das würde dann nicht in zwei Stunden passieren, sondern zwei Tage brauchen, aber "sie könnten legal mobilisiert werden und nicht von der Straße entführt werden."

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"Es geht um die Auffüllung von Verlusten"

Wir fragen nach bei der Einberufungsbehörde, was sie zu den Anschuldigungen sagt. Sie streitet nicht ab, dass es zu Vorfällen bei der Mobilisierung von Zivilisten durch Soldaten der Einberufungsbehörde kam. Wenn dies passieren sollte, würden die beteiligten Soldaten strafrechtlich und administrativ zur Verantwortung gezogen, sagt der stellvertretende Leiter der Mobilisierungsabteilung, Oberst Volodymyr Burla.

Ob das stimmt, lässt sich aktuell nicht verifizieren, weil diese Informationen über Soldaten in Kriegszeiten nicht veröffentlicht werden. Oberst Burla weist darauf hin, dass offiziell alle Männer im Alter von 25 bis 60 Jahren als wehrpflichtig gelten, sofern sie keine rechtlichen Gründe für eine Freistellung haben. Er sagt deutlich:

Es geht jetzt um die Auffüllung der personellen Verluste, weil die Front Menschen braucht.

Oberst Volodymyr Burla

Kampfpositionen werden gebraucht

Um nicht einfach aufgegriffen und willkürlich zugeteilt zu werden, melden sich einige direkt bei beliebten Kampfeinheiten freiwillig. Oleksiy Tarasenko ist der Leiter der Rekrutierungsabteilung der Fünften Angriffsbrigade und erklärt, wer bei ihnen dienen wolle, müsse überzeugen, dass er wirklich motiviert ist und nicht einfach der Behörde entkommen möchte.

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Tarasenko ist der Meinung, wenn die Leute selbst entscheiden könnten, wo sie dienen werden, dann wolle die überwiegende Mehrheit im Hinterland stationiert werden. Was aber wirklich gebraucht werde, seien die Kampfpositionen, die Infanterie, die Panzereinheiten, die Artilleristen und die Drohnenpiloten. Aus diesem Grund könne man den Mobilisierungsprozess nicht abschaffen, da die Einberufungsbehörde die Kampfeinheiten mit Menschen fülle.

Mobilisierungsfrage spaltet die Ukraine

Die Menschen in den Städten, entfernt von der Front, wüssten nicht, was sie dort Übermenschliches leisten müssten, um das Land zu verteidigen und wie hart die Realität der Soldaten ist, meint Tarasenko. Es ist die Frage, die die Menschen in der Ukraine aufreibt wie keine andere: Wer muss kämpfen? Und was passiert mit denen, die das nicht wollen?

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Über dieses Thema berichtete das auslandsjournal am 11.02.2026 um 22:15 Uhr.
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