US-Zollpolitik:Experte: "Trumps Politik wirkt alternativlos"
Donald Trump hält an seinen Zöllen fest - trotz parteiübergreifender Kritik. Welche politischen Folgen das hat, erklärt Julian Müller-Kaler im Interview mit ZDFheute live.
Das Urteil gegen Trumps Zölle schiebt einem seiner zentralen Wahlversprechen einen Riegel vor, sagt USA-Experte Müller-Kaler. Es befeuert außerdem die Diskussion um die Macht des Präsidenten.
22.02.2026 | 17:35 minSie sind weiterhin das Mittel seiner Macht: Zölle. Mit ihnen will US-Präsident Trump die inländische Wirtschaft ankurbeln. Doch die zusätzlichen Abgaben für ausländische Waren wurden für einige US-Unternehmen bereits zur Belastung.
Trotzdem: Nur wenige Stunden nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs gegen Trumps Zollpolitik, hat der US-Präsident neue Zölle in Höhe von 10 Prozent angekündigt und legt am Samstag dann nochmal nach. Ab dem 24. Februar soll zunächst für 150 Tage ein globaler Zollsatz von 15 Prozent gelten.
Die Zollpolitik wird jetzt auch zum innenpolitischen Streitthema. Im Interview mit ZDFheute live erklärt Politikwissenschaftler Julian Müller-Kaler, welche Folgen das für Trump haben könnte.
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Das sagt Julian Müller Kaler zu der Frage…
… wie groß der innenpolitische Druck auf Trump ist
Der US-Präsident habe bereits im Wahlkampf versprochen, die US-amerikanische Wirtschaft zu stärken und durch seine Zollpolitik beschützen zu wollen, so Müller-Kaler. Die Gerichtsentscheidung habe deutlich gemacht, "dass die Macht des Präsidenten nicht unbegrenzt ist."
Der Schaden für die Trump-Regierung ist natürlich schon immens.
Julian Müller-Kaler, Politikwissenschaftler
Ohnehin stehe der US-Präsident "seit einigen Wochen" politisch unter Druck. Gründe dafür sind laut dem Experten die Enthüllungen im Epstein-Fall, die Eskalationen in Minneapolis mit der Einwanderungsbehörde ICE und die anstehenden Mid-Terms.
US-Präsident Donald Trump kündigt einen neuen globalen Zoll von 15 Prozent auf alle Importe in die USA an.
21.02.2026 | 1:37 minLaut Müller-Kaler haben die Republikaner bei den Zwischenwahlen ein Problem: Donald Trump steht nicht selbst auf dem Wahlzettel. Viele Menschen, die explizit Trump wählen wollen, würden deshalb zu Hause bleiben.
Trumps Politik wirkt nach wie vor eigentlich alternativlos.
Julian Müller-Kaler, Politikwissenschaftler
Müller-Kaler gibt zu bedenken: Die Zustimmungswerte für die Demokraten seien nicht besser als die der Republikaner. Die Demokraten hätten sich in den vergangenen Jahren nur als Anti-Trump-Partei präsentiert. "Das heißt, die Leute wissen zwar gegen was sie (die Demokraten) sind, aber sie wissen nicht so wirklich für was sie sind," erklärt der Politikwissenschaftler.
Die EU reagiere erfreut über die gekippten US-Zölle, andererseits aber auch panisch. Trumps neue Zolldrohungen sorgen für Verunsicherung, so ZDF-Reporterin Scarlett Sternberg.
21.02.2026 | 2:21 min
… wie der US-Präsident wohl reagieren wird
Müller-Kaler geht davon aus, dass Trump das Urteil gegen seine Zölle und die Kritik an seiner Politik für sich nutzen wird. Der US-Präsident werde sich weiterhin als "Außenseiter" und "Normenbrecher" inszenieren.
Donald Trump besitzt ein großes Talent, sich (…) gemäß seines populistischen Narrativs zu deuten und zu stilisieren.
Julian Müller-Kaler, Politikwissenschaftler
Trump werde, das Urteil nutzen, um zu sagen, "das System kämpft gegen" ihn. Bislang habe diese Strategie gut für den US-Präsidenten funktioniert. Viele Menschen hätten ohnehin das Vertrauen in die demokratischen Institutionen verloren. Trump nutze das für seine Zwecke und argumentiere: Weil die Mehrheit der Bevölkerung für ihn und seine Versprechen gestimmt hat, könnten seine Entscheidungen nicht illegal sein.
Nach dem Zollurteil stehe die US-Regierung "vor den Trümmern ihrer Wirtschafts- und Außenpolitik“, sagt David Sauer. Der Zollstreit zwischen EU und USA gehe weiter, so Ulf Röller.
20.02.2026 | 2:59 min
… ob die US-Amerikaner ihre Zoll-Milliarden zurückbekommen
Besonders aus den Reihen der Demokraten kommt große Kritik an der Zollpolitik Trumps. Die Forderung: Die zusätzlichen Ausgaben, die US-Bürger durch die illegal erhobenen Zölle hatten, sollen zurückgezahlt werden.
Der Oberste Gerichtshof habe nicht gesagt, "was jetzt mit dem Geld, das die Trump-Administration bisher eingenommen hat, tatsächlich passieren soll," so Müller-Kaler.
Was jetzt mit diesem Geld passiert, ist unklar.
Julian Müller-Kaler, Politikwissenschaftler
Der Politikwissenschaftler geht nicht davon aus, dass am Ende die Konsumenten profitieren werden. Das sei eigentlich ausgeschlossen. Damit das passieren könnte, bräuchte es eine entsprechende und detaillierte Prüfung, die unwahrscheinlich sei.
Das Interview führte Jessica Zahedi für ZDFheute live. Zusammengefasst hat es Redakteurin Merit Tschurer.
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