Trump vs. Papst: Wie gefährlich wird es für den US-Präsidenten?

US-Präsident kritisiert Leo XIV.:Wie gefährlich wird der Papst-Streit für Donald Trump?

von Jan Fritsche

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US-Präsident Donald Trump hat in seiner Kritik am Papst noch einmal nachgelegt. Welche Strategie verfolgt er damit? Und könnte ihm der Streit auch selbst schaden?

KI-Bild von Donald Trump als Jesus

Trump greift Papst Leo XIV. an und stößt damit selbst bei Republikanern auf Kritik. Auslöser sind päpstliche Worte gegen den Iran-Krieg. Der Streit zeigt, wie sensibel Religion im US-Wahlkampf bleibt.

15.04.2026 | 2:36 min

Der Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und Papst Leo XIV. geht weiter. Auf seiner Plattform Truth Social legte Trump nach: "Kann bitte jemand Papst Leo sagen, dass Iran in den letzten zwei Monaten mindestens 42.000 unschuldige, völlig unbewaffnete Demonstranten getötet hat?" Er nannte die Vorstellung "absolut inakzeptabel", dass Iran über eine Atombombe verfüge.

Streit nach Friedensappell des Papstes

Begonnen hatte der Streit ausgerechnet mit Friedensappellen des Papstes. Leo XIV. äußerte sich zuletzt deutlich zum Iran-Krieg und nannte die martialischen Drohungen seitens der US-Regierung gegen Iran "wirklich inakzeptabel". Trump konterte, er sei "kein großer Fan" des Papstes. Er nannte ihn "schwach" gegenüber Kriminalität und eine "Katastrophe" in der Außenpolitik.

Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios Washington, analysiert den Streit in der aktuellen Folge des auslandsjournal-Podcasts "Der Trump Effekt": Der US-Präsident habe dem Papst die Botschaft senden wollen, er solle sich heraushalten. Es sei nicht seine Aufgabe, sich einzumischen. "Aber er ist natürlich doch als moralische Autorität in der Welt", sagt Theveßen.

Donald Trump mit erhobener Faust als Schattenriss vor US-Flagge, darunter Schriftzug: "Der Trump Effekt - Blockade, Blasphemie und Melanias Epstein-Rätsel", rechts Foto von Donald Trump neben KI-Bild Trump als Jesus

Donald Trump hat in seiner Kritik an Papst Leo XIV. noch einmal nachgelegt. Was erhofft sich Trump davon? Und wie gefährlich kann der Streit für ihn selbst werden?

15.04.2026 | 58:46 min

Trump im Stil von Jesus Christus

Für Empörung sorgte zuletzt ein KI-generiertes Bild von Trump. Es zeigte den Präsidenten im Stil von Jesus Christus. Das Bild wurde inzwischen wieder gelöscht, doch es könnte Folgen haben.

Elmar Theveßen spricht von einer "Grenzüberschreitung" Trumps.

Hier ist von Blasphemie – Gotteslästerung – die Rede und zwar bei seinen eigenen Anhängern.

Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios Washington

Selbst Teilen der Trump-treuen MAGA-Bewegung gehe der Präsident damit "den Schritt zu weit".

Trump: Ich dachte, es würde mich als Arzt zeigen

Der US-Präsident selbst relativierte das Bild mit einer zweifelhaften Erklärung: "Ich habe das Bild gepostet und dachte, es würde mich als Arzt zeigen, dass es mit dem Roten Kreuz zu tun habe - ich als Mitarbeiter des Roten Kreuzes." Die Ähnlichkeit mit Jesus hätten sich die sogenannten "Fake News" lediglich ausgedacht.

Elmar Theveßen sagt dazu im Podcast "Der Trump Effekt": "Das ist der Punkt gewesen, wo er dann versuchte, mit dieser These, er sei vom Roten Kreuz, es irgendwie wieder einzufangen. Aber er ist halt so extrem auf der Kante unterwegs, dass er es immer häufiger nicht mehr einfangen kann."

Donald Trump links im Bild und rechts daneben ein Bild von Papst Leo dem 14.

Es ist ein beispielloser Streit zwischen dem US-Präsidenten und Papst Leo XIV. Trump legt nochmal nach und bezeichnet den Papst als eine Zumutung. Was steckt hinter dem Konflikt? ZDFheute live analysiert den Streit.

15.04.2026 | 33:15 min

Quittung bei den Zwischenwahlen im November?

Das Unverständnis bei Teilen der Trump-Anhängerschaft könnte laut Theveßen Konsequenzen haben: "Man muss im Hinterkopf haben: 55 Prozent der Katholiken in den USA haben Donald Trump beim letzten Mal gewählt. Wenn er also jetzt hingeht und die Katholiken flächendeckend vor den Kopf stößt, muss er damit rechnen, dass bei den Zwischenwahlen die Quittung dafür erfolgt."

Trump greift auch Italiens Regierungschefin Meloni an

Nicht nur innenpolitisch verliert Trump durch sein Jesus-Bild und den Streit mit dem Papst Unterstützung. Auch außenpolitisch entfremdet er europäische Partner, sagt Ulf Röller, Leiter des ZDF-Studios in Brüssel. Im Podcast nennt er als Beispiel die italienische Regierungschefin: "Trump ist auf einer Beleidigungstour zu wirklich treuen Verbündeten wie Giorgia Meloni. Weil sie den Papst verteidigt hat und ein bisschen zur Mäßigung aufgerufen hat, hat er sie massiv kritisiert."

"Trump verliert nicht nur Spanien, das traditionell mit dem Regierungschef Sánchez sehr kritisch gegenüber Amerika ist", sagt Röller. "Er verliert auch die Rechtspopulisten in Europa, die sich nach der Orbán-Niederlage und nach dem Angriff auf Meloni sagen: Der Mann ist toxisch. Der bedeutet keine Wahlgewinne mehr, sondern der ist durch seine Politik so in der Kritik in Europa, dass man wahnsinnig Abstand hält."

Inzwischen hat der US-Präsident auf Truth Social das nächste religiös anmutende Bild geteilt: Eines, das ihn gemeinsam mit Jesus Christus zeigt.

Jan Fritsche ist Redakteur und Reporter der ZDF-Sendung auslandsjournal.

Über dieses Thema berichteten mehrere Sendungen am 15.04., unter anderem der auslandsjournal-Podcast "Der Trump Effekt".

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