Strafe droht:EU-Kommission: Tiktok birgt Suchtgefahr
Die EU hat TikTok aufgefordert, die "süchtig machende" Funktionsweise der Plattform zu ändern. Die App versetze Gehirne in den "Autopilot-Modus". TikTok wehrt sich.
Macht Tiktok süchtig? Ja, behauptet die EU-Kommission - und fordert Anpassungen.
Quelle: AFPDie Online-Plattform Tiktok verstößt nach den vorläufigen Ergebnissen einer EU-Untersuchung gegen europäisches Recht. Das teilte die zuständige EU-Kommission in Brüssel mit. Konkret geht es dabei um suchtfördernde Mechanismen - zum Beispiel um stark personalisierte Empfehlungen und das ununterbrochene automatische Abspielen von Videos. Die Behörde kündigte an, das bereits eingeleitete Verfahren gegen Tiktok weiter voranzutreiben.
Die zuständige Vizepräsidentin Henna Virkkunen kritisierte:
Abhängigkeit von sozialen Medien kann schädliche Auswirkungen auf die sich entwickelnden Gehirne von Kindern und Jugendlichen haben.
Henna Virkkunen, Vizepräsidentin der EU-Kommission
Es gehe darum, europäische Regeln durchzusetzen, um Bürgerinnen und Bürger online zu schützen.
Wenige Tage nach der Übernahme von TikTok in den USA durch amerikanische Investoren häufen sich Vorwürfe politischer Zensur.
28.01.2026 | 0:33 minTiktok: "Falsch und völlig haltlos"
Eine Tiktok-Sprecherin teilte mit: "Die vorläufigen Ergebnisse der Kommission stellen unsere Plattform kategorisch falsch und völlig haltlos dar. Wir werden alle notwendigen Schritte unternehmen, um diese Ergebnisse mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln anzufechten."
Die Brüsseler Behörde untersucht derzeit verschiedene große Online-Plattformen. Bei großen Tech-Unternehmen, aber auch der Regierung in den USA sorgt das teilweise für große Verärgerung.
- Die Einführung wirksamer "Bildschirmzeitpausen": Tiktok hole Nutzer derzeit auch nachts, wenn sie nicht online seien, mit Benachrichtigungen immer wieder auf die Plattform zurück. Derzeitige Zeit-Beschränkungen seien außerdem leicht zu umgehen.
- Änderungen daran, welche Inhalte den Nutzern empfohlen werden.
- Deaktivieren des "Infinite Scrolling": Damit ist gemeint, dass beim Scrollen in einem Dienst ständig neue Inhalte geladen werden, ohne dass der Nutzer zu Pausen gezwungen ist.
Quelle: dpa
Das US-Geschäft von Tiktok ist offiziell in eine neue Firma eingebracht worden. Was hinter dem Schritt steckt, erklärt Sina Mainitz aus der ZDF-Wirtschaftsredaktion.
23.01.2026 | 1:24 minZDF-Brüssel-Korrespondent: "Es ist ein Test für Europa"
Aus Sicht von ZDF-Korrespondent Ulf Röller mache die EU-Kommission nun ernst, indem sie "einen weiteren Social-Media-Giganten mit Tiktok ins Visier" nehme. "Sie stellt den Schutz, vor allem Jugendlicher, vor kommerzielle Interessen und setzt damit weltweit Maßstäbe gegen das süchtig machende Design von Online-Plattformen", ordnet Röller den EU-Vorstoß ein.
Es sei der erste, rechtliche Schritt. TikTok bekomme nun Akteneinsicht und könne dann klagen, so Röller. "Am Ende muss die EU zeigen, dass sie stark ist und bereit ist, ihre Standards durchzusetzen. Deshalb ist die heutige Entscheidung so spannend."
Es ist ein Test für Europa: Hat die EU die Kraft sich mit den High-Tech-Giganten anzulegen.
Ulf Röller, ZDF-Korrespondent in Brüssel
Ein Verbot von TikTok in den USA ist wohl endgültig abgewendet. Der Eigentümer ByteDance hat ein neues Unternehmen mit US-Mehrheitsbeteiligung gegründet.
23.01.2026 | 0:24 minTiktok drohen hohe Strafen in der EU
Tiktok hat nun die Möglichkeit, sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen und könnte theoretisch auch Änderungen an seinen Funktionen vornehmen, um die Bedenken der EU auszuräumen.
Sollte keine einvernehmliche Lösung gefunden werden, könnte es für Tiktok teuer werden. Die EU-Kommission könnte dann formell einen Verstoß gegen das sogenannte Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act, kurz DSA) feststellen und eine Strafe verhängen. Diese könnte sich auf bis zu sechs Prozent des jährlichen Konzernumsatzes belaufen.
Über 80 Prozent der Deutschen nutzen soziale Medien, TikTok besonders rasant.
02.05.2025 | 1:35 minEU-Kommission: Tiktok versetzt Gehirn in "Autopilot-Modus".
Die EU-Kommission hält fest, dass die Gestaltung von Tiktok die Nutzer ständig mit neuen Inhalten "belohne" und dadurch den Drang fördere, weiter zu scrollen. Das versetze das Gehirn in einen "Autopilot-Modus".
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass dies zu zwanghaftem Verhalten führen und die Selbstkontrolle der Nutzer beeinträchtigen kann.
Einschätzung der EU-Kommission
Die vorläufige Einschätzung ist Teil einer größeren Untersuchung zur Online-Plattform Tiktok. Die Kommission prüft seit Februar 2024 unter anderem, ob der Online-Riese Jugendliche genug schützt. Tiktok gehört dem chinesischen Mutterkonzern ByteDance. Das US-Geschäft wurde an eine neue Firma mit US-amerikanischen Investoren übergeben.
Seit Ende letzten Jahres ist Social-Media für alle unter 16 Jahren verboten. Bislang wurden bereits fünf Millionen Konten deaktiviert. Trotz drohenden Bußgeldern gibt es einige Schlupflöcher.
09.02.2026 | 1:32 minMehr zu Tiktok
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