Taiwans Opposition besucht China: "Riesiger Gewinn" für Peking

Interview

Experte zu historischem Treffen mit Xi:Taiwan-Politikerin in China: "Riesiger Gewinn" für Peking

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Der Besuch von Taiwans Oppositionsführerin Cheng ist laut China-Experte Bernhard Bartsch von historischer Bedeutung. Das Treffen in Peking sei für China "ein riesiger Gewinn".

Taiwans Oppositionsführerin Cheng und Chinas Machthaber Xi Jingping

China droht immer wieder damit, Taiwan zu besetzen. Jetzt besucht Taiwans Oppositionsführerin China und wirbt für gemeinsame Friedensbemühungen. Was steckt dahinter?

10.04.2026 | 12:30 min

Zum ersten Mal seit fast zehn Jahren hat eine Chefin von Taiwans größter Oppositionspartei KMT Chinas Staatschef Xi Jinping getroffen. Die Partei gilt als chinafreundlich. Bei dem Treffen mit KMT-Chefin Cheng Li-wun bezeichnete Xi eine "Wiedervereinigung" Chinas mit dem demokratischen Inselstaat als unausweichlich.

"Das ist tatsächlich historisch", sagt der China-Experte Bernhard Bartsch. Zwar habe es in der Vergangenheit regelmäßig Treffen von KMT-Parteichefs mit der chinesischen Führung gegeben, das sei aber schon lange her, sagt der Leiter des Bereichs External Relations beim Mercator Institute for China Studies. Chinas Machtansprüche seien inzwischen deutlich gewachsen.

Bei ZDFheute live spricht Bartsch über Chinas Anspruch auf Taiwan, die Rolle der Trump-Regierung in dem Konflikt und erklärt, warum der Besuch von Taiwans Oppositionsführerin für Peking "ein riesiger Gewinn" ist.

Sehen Sie oben das Gespräch in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen.

Das sagt Bernhard Bartsch zu...

… dem Besuch von Taiwans Oppositionsführerin in Peking

Taiwans Oppositionsführerin Cheng liege in Umfragen derzeit etwa bei 20 Prozent und habe keine wirkliche Mission für einen Friedensprozess. "Im Moment ist das in erster Linie Propaganda", ordnet der Experte ein. "Aber es wird hier der politische Fall aufgemacht, dass man eben mit dem Festland auch völlig anders umgehen könnte."

Für Peking ist das ein riesiger Gewinn, weil es jetzt offensichtlich kommunizieren kann, dass es in Taiwan politische Kräfte gibt, die bereit zu einem Wandel sind.

Bernhard Bartsch, China-Experte

Durch den Besuch der KMT-Chefin könne Peking nun argumentieren, dass ein großer Bevölkerungsteil Taiwans Interesse an einer Übernahme durch China habe. "Die Umfragen in Taiwan zeigen etwas ganz anderes über das Selbstverständnis, aber politisch ist das etwas, worauf die KMT jetzt setzt."

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Das Treffen werde vor allem im Rest der Welt auf Aufmerksamkeit stoßen. "Die Regierung und der Präsident (Taiwans, Anm. d. Red.) empfinden das natürlich als einen riesigen Ausverkauf von Taiwans Interessen." Die Regierung in Peking drohe mit einer militärischen Auseinandersetzung, um Taiwan in einen Dialog zu drängen. Auf diese Botschaft setze offenbar auch die KMT in Taiwan. Und: "In zwei Jahren sind dort Präsidentschaftswahlen, Anfang 2028."

Das heißt, der Wahlkampf fängt dort langsam auch schon an.

Bernhard Bartsch, China-Experte

Das politische Kalkül der KMT bestehe daher in einer Annäherung an China, um wieder an die Macht zu kommen, sagt Bartsch.

Ein chinesisches Kriegsschiff ist am 29. Dezember 2025 in den Gewässern nahe der Insel Pingtan, dem Taiwan am nächsten gelegenen Punkt in der ostchinesischen Provinz Fujian, zu sehen.

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… Chinas Einfluss auf Taiwan

China habe seine Machtansprüche auf Taiwan unter Präsident Xi "enorm hochgeschraubt". Sowohl wirtschaftlich als auch militärisch sei in den letzten Jahren eine Menge passiert.

Es gibt viel mehr Überflüge. Es werden rote Linien verschoben, die es lange gegeben hat.

Bernhard Bartsch, China-Experte

Taiwan fühle sich enorm unter Druck gesetzt. Dass die größte Oppositionspartei nun den Dialog mit Peking suche "und zum Teil zumindest auf Pekings Narrative" eingehe, sei ein politisch gewagter und bedeutungsvoller Schachzug, erklärt der Experte. "Aus chinesischer Sicht und auch für Xi Jinping ganz persönlich hat die Wiedereingliederung von Taiwan in die Volksrepublik allerhöchste Priorität und der militärische Aufbau ist darauf ausgerichtet."

Diplomatisch versucht China, allen Ländern, insbesondere auch den USA, klarzumachen, dass an einer Vereinigung mit Taiwan kein Weg vorbeiführt und kein Land den Fehler machen sollte, sich dem entgegenzustellen.

Bernhard Bartsch, China-Experte

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… der Rolle der USA im Taiwan-Konflikt

In Taiwan sei man durch die Regierung von US-Präsident Donald Trump "wahnsinnig verunsichert", sagt Bartsch. Die De-facto-Staatlichkeit der Inselrepublik hänge von der militärischen Unterstützung der USA ab. In Taiwan befürchte man, dass die Unabhängigkeit des Staates in Gesprächen zwischen Peking und Washington zur Verhandlungsmasse werden könnte.

Zudem blicke man mit Sorge auf die durch den Iran-Krieg zunehmend aufgebrauchten Waffen- und Munitionsbestände der USA. "Für die Taiwaner geht es um Waffenlieferungen, die sie eigentlich bräuchten. Das sind alles keine guten Nachrichten für die Taiwaner."

In Peking sieht man das durchaus mit Gefallen, wie die USA sich da verzetteln.

Bernhard Bartsch, China-Experte

Ob es zu einer militärischen Invasion auf Taiwan komme, sei schwer einzuschätzen. "Ich persönlich glaube, dass in den nächsten Jahren keine volle militärische Invasion Taiwans bevorsteht", sagt der Experte. Allerdings seien kriegerische Handlungen unterhalb dieser Ebene längst im Gange. "Aus taiwanischer Sicht befindet man sich selbst in einem zumindest hybriden Kriegszustand mit China und wir müssen davon ausgehen, dass diese Eskalation auch in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird."

Das Interview führte Philip Wortmann, zusammengefasst hat es Niklas Landmann.

Quelle: ZDF
Über dieses Thema berichtete ZDFheute live in dem Beitrag "Taiwans Opposition auf China-Kurs" am 10.04.2026 um 12:10 Uhr.

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