Syrische Rebellen planten Umsturz lange im Voraus

Sturz von Assad in Syrien:Rebellen planten Umsturz lange im Voraus

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Die Rebellen haben den Umsturz in Syrien offenbar jahrelang geplant. Die Türkei will Assads Verbündete - Russland und Iran - davon abgehalten haben, militärisch einzugreifen.

Die Rebellen in Syrien haben sich auf ihre Offensive zum Sturz des Langzeitmachthabers Baschar al-Assad nach Angaben des Militär-Kommandanten der Gruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS) seit langem akribisch vorbereitet.

Vor einem Jahr habe man mit der konkreten Planung für den "Abschreckung der Aggression" genannten Einsatz begonnen, sagte Abu Hassan al-Hamwi, Chef des militärischen Flügels der HTS, dem britischen "Guardian". Demnach liefen die Vorbereitungen dafür jedoch schon seit Jahren.

Assads Verbündete mit anderen Konflikten beschäftigt

Man habe 2019 durch Angriffe der Assad-Truppen erhebliche Gebietsverluste erlitten, erklärte Al-Hamwi. Alle Gruppierungen hätten damals erkannt, "dass das grundlegende Problem das Fehlen einer einheitlichen Führung und Kontrolle über den Kampf war", sagte der Kommandant.

Daraufhin habe die HTS andere oppositionelle Gruppen im Nordwesten des Landes unter ihre politische Kontrolle gebracht und dann ihre Kämpfer mit einer von der HTS entwickelten Militärdoktrin langsam zu einer disziplinierten Kampftruppe geformt.

Ende November sah die Rebellenallianz die Zeit reif für ihre Offensive, da Assads wichtigste Verbündete mit anderen Konflikten beschäftigt waren: Russland kämpfte in der Ukraine, während der Iran und die mit ihr verbündete libanesische Hisbollah-Miliz vom Kampf mit Israel geschwächt waren.

Türkei: Russland und Iran von Eingreifen abgehalten

Nach Angaben des türkischen Außenminister Hakan Fidan hielt die Türkei Russland und den Iran davon ab, die syrischen Regierungstruppen bei der Abwehr der letztlich erfolgreichen Großoffensive islamistischer Kämpfer zu unterstützen.

"Das Wichtigste war, mit den Russen und Iranern zu sprechen", damit sie sich nicht militärisch einmischten, sagte Fidan am Freitag dem türkischen Sender NTV.

Wir haben uns mit ihnen getroffen, und sie haben verstanden.

Hakan Fidan, Außenminister der Türkei

Russland und der Iran waren im syrischen Bürgerkrieg zentrale Verbündete des am vergangenen Wochenende gestürzten Machthabers Baschar al-Assad. Wären die beiden Länder Assad zu Hilfe gekommen, hätte die Offensive der Islamisten womöglich viel länger gedauert und wären mehr Menschenleben verloren worden, sagte Fidan.

Am Freitag waren russische Soldaten und Militärfahrzeuge beim Abzug aus Gebieten im Süden Syriens beobachtet worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, russische Streitkräfte verließen Stützpunkte in Ain Issa und Al-Samn in ländlichem Gebiet in der Provinz Al-Rakka.

Türkei will Botschaft in Damaskus wiedereröffnen

Zum ersten Mal seit 2012 will die Türkei an diesem Samstag ihre Botschaft in der syrischen Hauptstadt Damaskus öffnen. Die Botschaft war wegen der sich verschlechternden Sicherheitslage während des syrischen Bürgerkriegs geschlossen worden. Die Türkei wird nach dem Machtwechsel nun als einflussreichster ausländischer Akteur in Syrien gehandelt.

Quelle: AFP, AP, dpa
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