Sicherheit in Syrien "würde Deutschland enorm entlasten"

Interview

Sicherheit in Syrien:Knaus: "Würde Deutschland enorm entlasten"

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Die Ära Assad ist vorbei. Viele Syrer jubeln. Ein sicheres Syrien "würde Deutschland enorm entlasten", sagt Migrationsforscher Knaus. Das sei auch hier im "nationalen Interesse".

ZDFspezial vom 09.12.2024, Ralph Szepanski im Gespräch mit Migrationsforscher, Gerald Knaus

Nach dem Sturz einer der brutalsten Diktaturen der Welt sei die Hoffnung jetzt groß, dass in Syrien alles besser werde, so Migrationsforscher Gerald Knaus.

09.12.2024 | 3:23 min

Die Diktatur von Baschar al-Assad in Syrien hat mit der Machtübernahme der islamistischen Gruppe Hajat Tahrir al-Scham (HTS) zuletzt nur binnen weniger Tage ein Ende.

Nach dem Sturz von Machthaber Assad ist Migrationsforscher Gerald Knaus überzeugt, dass viele in Deutschland lebende Syrerinnen und Syrer in ihr Land zurückkehren möchten. "Ich bin sicher, sehr viele wollen in die Heimat zurück. Ich bin auch sicher, dass sich die Menschen enorm freuen", so Knaus im ZDF.

Das kam ja extrem unerwartet, der Sturz einer der brutalsten Diktaturen der letzten Jahrzehnte weltweit.

Gerald Knaus, Migrationsforscher

"Ich bin mir aber auch sicher, dass sich viele Fragen stellen, wie sich das entwickeln wird", so Knaus weiter. "Syrien hatte jahrzehntelang Instabilität. Es war noch nie ein Staat, wo alle Bürger sicher waren. Die Hoffnung ist jetzt groß, dass es anders wird, aber man wird sehen."

Syrer feiern, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.

Zwar ist der Sturz des Assad-Regimes noch keine Garantie für eine friedliche Zukunft – trotzdem feiern viele Syrer ihre Befreiung.

09.12.2024 | 1:53 min

Mehrere Staaten setzten Asyl-Entscheidungen für Syrer aus

Mehrere europäische Länder setzen seitdem ihre Entscheidungen über Asylberechtigung für geflüchtete Menschen aus Syrien aus - darunter auch Deutschland, wo nun die Bearbeitung von 47.000 Anträgen gestoppt wurde. Ob diese Menschen in ein sicheres Syrien zurückkehren können - derzeit offenbar unklar.

"Wie die Lage jetzt in Syrien ist, wissen wir nicht. Das heißt, man muss die Fakten jetzt zusammenstellen", so der Migrationsforscher. Der ehemalige Berater von Ex-Kanzlerin Angela Merkel zeigt sich jedoch zuversichtlich: Zwar könne man auch jetzt Katastrophenszenarien "an die Wand malen", so Knaus, aber:

Die große Hoffnung ist natürlich, dass es nie wieder so schlimm wird, wie es jetzt war - und das würde Deutschland enorm entlasten.

Gerald Knaus, Migrationsforscher

ZDF spezial am 9. Dezember 2024, Syrien

Am Tag nach dem Ende des Assad-Regimes steht Syrien vor einer ungewissen Zukunft.

09.12.2024 | 12:36 min

Für Deutschland "ein Grund zur Freude"

Deutschland sei gemeinsam mit Österreich das Land gewesen, "das den meisten syrischen Flüchtlingen Schutz gewährt hat", so Knaus. "Das war eine große Leistung." 80 Prozent der Syrer, die in den vergangenen zwei Jahren in die Europäische Union geflohen seien, hätten Schutz in Deutschland und Österreich erhalten.

Und wenn es keinen Grund mehr gibt, für Zehntausende Syrer im Jahr zu fliehen, dann ist das auch für Deutschland und Österreich und andere europäische Länder ein Grund zur Freude.

Gerald Knaus, Migrationsforscher

Gleichzeitig sei dies vor allem für die Syrer ein Grund zur Freude, die nun aus Ländern wie der Türkei oder dem Libanon sowie aus den Zufluchtsregionen innerhalb Syriens in ihre Heimat zurückkehren könnten.

Stabilität in Syrien im "nationalen Interesse" Deutschlands

Es gebe heute viele syrische Deutsche hierzulande, so Knaus. Sie könnten nun eine "Brücke für den Wiederaufbau Syriens" sein. Gemeinsam mit wenigen anderen Ländern habe Deutschland ein "Interesse wie kaum ein anderes Land der Welt" daran, dass der Übergang und Aufbau eines stabilen Systems, das Menschenrechte respektiert, in Syrien nun erfolgreich sei.

Das ist nicht eine Frage von Altruismus (…). Das ist auch eine Frage des nationalen Interesses an Stabilität.

Gerald Knaus, Migrationsforscher

Das Interview wurde geführt von ZDF-spezial-Moderator Ralph Szepanski. Autor der Zusammenfassung ist Silas Thelen.

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Quelle: dpa

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