Sánchez spricht von "Angriff":Behörden: Rund 60.000 Migranten erreichen Ceuta
Rund 60.000 Migranten haben in den vergangenen Tagen von Marokko aus die spanische Exklave Ceuta erreicht. Die Situation sei untragbar, so die Behörden.
Zehntausende Menschen erreichen binnen weniger Tage die Grenze zur spanischen Exklave Ceuta. Mehrere Menschen sollen beim Versuch, die Stadt zu erreichen, ums Leben gekommen sein. Spanien entsendet Soldaten.
31.07.2026 | 1:53 minIn den vergangenen Tagen sind rund 60.000 Migranten in der spanischen Exklave Ceuta eingetroffen. Der Präsident der autonomen Stadt, Juan Jesús Vivas, sagte am Freitag, mindestens 57 Menschen seien bei dem Versuch ums Leben gekommen, das Gebiet zu erreichen. Die Situation sei derzeit absolut untragbar. Die Zahl der neu eingetroffenen Migranten entspreche etwa 70 Prozent der regulären Einwohnerzahl.
Diese Zahl zeigt, dass es unmöglich ist, einen solchen Druck aufzufangen.
Juan Jesús Vivas, Präsident der autonomen Stadt Ceuta
Viele seien ertrunken, jedoch habe es auch im Gedränge beim Überwinden des Zauns am Wellenbrecher des Strandes von Tarajal Opfer gegeben, erklärte Rachid Sbihi, Vorsitzender einer Gewerkschaft der Polizeieinheit Guardia Civil. Er sprach von einer "schweren humanitären Krise".
Kartenansicht der spanischen Exklave Ceuta und des angrenzenden nordmarokkanischen Gebiets.
Quelle: OpenStreetMapMadrid schickt Militär zur Unterstützung
Die Migranten trafen in den vergangenen Tagen meist schwimmend aus Marokko in Ceuta ein. Die Exklave an der nordafrikanischen Küste ist immer wieder Ziel von Migranten, die von Marokko aus die EU erreichen wollen. Die Stadt mit ihren rund 84.000 Einwohnern wird vom Mittelmeer und von Marokko umschlossen.
Der beispiellose Andrang hat eine schwere Krise ausgelöst. Die Regierung in Madrid schickte erstmals seit dem Massenandrang im Jahr 2021 wieder Kräfte des Militärs zur Unterstützung der örtlichen Polizei.
Eine Exklave ist ein Gebietsteil eines Staates, der von einem anderen Staat vollständig umschlossen ist - oder der wegen natürlicher Gegebenheiten wie Meer oder Gebirge nur über das Territorium des anderen Staates erreichbar ist.
Der Gegenbegriff ist die Enklave: ein Gebietsteil eines anderen Staates, der vom eigenen Staat vollständig umschlossen wird oder nur über das eigene Territorium erreichbar ist.
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung
Sbihi zufolge seien die zusätzlichen Kräfte vor allem damit beschäftigt, Verletzten zu helfen und andere humanitäre Aufgaben zu übernehmen. Tausende Migranten, darunter unbegleitete Minderjährige, hätten keine Unterkunft und schliefen in Parks oder auf Bürgersteigen. Andere liefen orientierungslos durch die Straßen.
Es ist chaotisch.
Rachid Sbihi, Vorsitzender einer Gewerkschaft der Polizeieinheit Guardia Civil
Auch in Brüssel wird die Lage aufmerksam verfolgt. "Offiziell versucht Europa, die Lage solidarisch zu lösen. Die EU bietet Spanien Hilfe an", berichtet ZDF-Korrespondent Ulf Röller aus Brüssel. Allerdings könne die europäische Grenzschutzagentur Frontex nur tätig werden, wenn Spanien sie offiziell darum bitte. Dies sei aber bisher nicht geschehen.
Spaniens Ministerpräsident: "Angriff" auf Staatsgebiet
Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez verurteilte den Andrang der Migranten als "Angriff" auf das spanische Staatsgebiet. Er würde "das, was geschehen ist, als einen Angriff, eine Verletzung der territorialen Integrität Spaniens bezeichnen", sagte er bei einem Besuch in der Stadt.
Kaum ein Thema spaltet Europa so sehr wie die Migration. 2015 herrschte Willkommenskultur, seitdem schwenkt die EU zu einem härteren Umgang mit Geflüchteten.
16.05.2024 | 45:19 minWas so viele Migranten gleichzeitig veranlasste zu versuchen, Ceuta zu erreichen, ist noch unklar. Die marokkanischen Behörden haben sich nicht öffentlich dazu geäußert. Das marokkanische Innenministerium lehnte eine Stellungnahme ab.
Haben Marokkos Behörden weggeschaut?
Wie es zur aktuellen Situation kommen konnte, beschäftigt auch die EU. Offiziell sei man erstaunt, wie die Lage entstehen konnte, berichtet Röller:
Inoffiziell glaubt keiner, dass bis zu 60.000 Flüchtlinge Marokko verlassen konnten, um nach Ceuta zu fliehen, ohne dass die marokkanischen Sicherheitsbehörden weggeschaut haben. Warum sie das getan haben, darauf gibt es keine klare Antwort.
Ulf Röller, ZDF-Korrespondent aus Brüssel
Offiziell bezeichne die EU Marokko weiter als einen verlässlichen Partner, so Röller. Nur hinter den Kulissen übe Europa Druck auf die marokkanische Regierung aus, weitere Flüchtlinge aufzuhalten.
Meloni will Spanien aus Schengen-Raum ausschließen
Auch in der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave Melilla überwanden Hunderte Migranten die Grenze. Etwa 400 seien über zwei Grenzübergänge von Marokko aus auf dem Landweg und über einen Damm im Süden der Stadt in das Gebiet gelangt, sagte der Präsident der autonomen Stadt, Juan José Imbroda, dem Radiosender Cope. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage unter Kontrolle gehalten.
Die Entwicklung löste auch in Italien Reaktionen aus. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni drohte damit, das Schengen-Abkommen über offene Grenzen gegenüber Spanien auszusetzen. Damit wolle sie die Grenzen und die Sicherheit der italienischen Bürger schützen.
In Brüssel sei man darüber nicht so glücklich, beobachtet ZDF-Korrespondent Röller, "weil, wenn jetzt jeder wieder mit Grenzkontrollen anfängt, dann geht die europäische Idee der freien Bewegung verloren". Hinzu komme, dass für die spanische Exklave trotz des Schengenraums eine Sonderregel gelte: "Nochmalige Kontrollen, wer nach Europa will."
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