Social-Media-Mindestalter: EU-Experten geben Empfehlung ab

FAQ

Schutz von Kindern im Netz:Social-Media-Mindestalter? EU-Experten geben Empfehlungen ab

|

Ein Expertengremium übergibt EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen heute Empfehlungen zum Schutz von Kindern im Netz. Im Fokus: eine Altersgrenze für soziale Medien in der EU.

Ein Junge sitzt in einem dunklen Raum an einem Smartphone.

Von der Leyen hatte den Einfluss von Social Media auf Minderjährige zuletzt kritisiert und deshalb ein Expertengremium damit beauftragt, sie in Fragen des Kinder- und Jugendschutzes im Internet zu beraten.

Quelle: Imago

Wie schädlich sind soziale Medien für Kinder und Jugendliche? Mit dieser Frage haben sich Experten beschäftigt und überreichen heute EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einen Bericht mit wegweisenden Ratschlägen zur möglichen Einführung eines Mindestalters für soziale Netzwerke.

Die Empfehlungen könnten auch für die deutsche Debatte über ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche entscheidend sein. Wichtige Fragen und Antworten dazu:

Was sollten die Experten klären?

Kommissionspräsidentin von der Leyen will von den Fachleuten wissen, wie Kinder und Jugendliche online besser geschützt werden können. Sie hatte den großen Online-Plattformen vorgeworfen, Kinder aus Profitinteressen abhängig von ihren Produkten zu machen. Die Politikerin sprach sich daher für strengere Altersgrenzen aus und nannte Australien als mögliches Vorbild. Dort gilt seit Dezember ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige.

Das im März von der EU-Kommission einberufene Expertengremium soll also eine Empfehlung dazu abgeben, ob ein solches gesetzliches Mindestalter für Social Media auch in der EU nötig ist und wenn ja, wie die Brüsseler Behörde es gestalten sollte.

Die Apps von Facebook, Instagram und WhatsApp sind auf einem Smartphone vor dem Logo von Meta Platforms zu sehen.

Laut einer EU-Untersuchung stellen soziale Medien große Suchtgefahr für Kinder und Jugendliche dar. Die Kommission fordert Änderungen auf den Plattformen. Reagiert Meta nicht, droht ein Bußgeld.

10.07.2026 | 0:29 min

Warum sind die Vorschläge wichtig?

Der Bericht könnte von der Leyen nun weitere Argumente an die Hand geben, die eine Altersgrenze und damit auch einen Eingriff in die Rechte von Minderjährigen begründen. Auch gegenüber den Mitgliedsländern könnte die Expertenmeinung als Argumentationsstütze dienen.

Denn auch wenn Länder wie Frankreich, Österreich oder Spanien sogar schon nationale Gesetze planen, sind andere EU-Staaten skeptisch, wie viel ein Verbot bringt. In Brüssel ist man aber interessiert daran, keine übermäßige Fragmentierung zuzulassen - also keine unterschiedlichen Regeln in den 27 Mitgliedsländern zu haben. Auch hier könnten die Empfehlungen der Experten wegweisend sein und eine EU-weite Lösung in Aussicht stellen.

Letztlich bleibt es die Entscheidung der EU-Kommission und ihrer Präsidentin, inwiefern man den Ratschlägen der Fachleute folgt. Mit einem Gesetzesvorschlag aus Brüssel wird spätestens im Herbst gerechnet.

Auf diesem am 18. Juni 2026 in Dubai aufgenommenen Symbolfoto zeigt ein Mobiltelefon die Logos von Social-Media-Plattformen zusammen mit einem Verbotszeichen. Die Vereinigten Arabischen Emirate kündigten ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 15 Jahren an.

Australien will Strafen für Tech-Konzerne erhöhen, die das Social-Media-Verbot für Kinder nicht umsetzen. Die Höchststrafe soll auf 99 Millionen australische Dollar steigen.

28.06.2026 | 0:23 min

Kann Deutschland ein eigenes Social-Media-Verbot aussprechen?

Deutschland darf grundsätzlich der Bevölkerung vorschreiben, ab welchem Alter Social Media erlaubt ist. Dann müssten Eltern kontrollieren, ob sich ihre Kinder an die Regeln halten. Viele Politiker in den Mitgliedsländern wollen aber ja eben die großen Plattformen wie TikTok, Snapchat, Instagram und Co. in die Verantwortung nehmen - ihnen die Rolle der Türsteher geben.

Doch von Online-Riesen eine Alterskontrolle zu verlangen, kann per Gesetz nur die EU. Die Europäische Kommission setzt die Digitalgesetze ihnen gegenüber durch. Nationale Gesetze dürfen sich deshalb nicht mit den EU-Regeln überlappen. Erst vergangene Woche beanstandete die EU-Kommission den französischen Plan eines Social-Media-Verbots für Kinder und Jugendliche unter 15. Der Gesetzesvorschlag stand mit EU-Regeln im Konflikt und muss nun geändert werden.

Empfehlungen Social-Media-Kommission

Weltweit verschärfen sich die Regeln für Soziale Netzwerke, teils mit Verboten für Jugendliche. Ein Expertenbericht für Familienministerin Karin Prien empfiehlt strengere Vorgaben.

24.06.2026 | 1:34 min

Wie sind die Experten zu ihrer Einschätzung gekommen?

Über die vergangenen vier Monate tauschten die Autoren des Berichts sich mit Wissenschaftlern, Juristen und Interessenvertretern verschiedener Disziplinen aus - darunter Kinderrechte, Gesundheit und IT. Dabei sollten auch junge Menschen selbst zu Wort kommen. Zudem wurden Beweise aus laufenden Verfahren gegen die großen Online-Plattformen wegen möglicher Verstöße gegen EU-Digitalregeln in der Analyse berücksichtigt.

Die beiden Autoren des Berichts sind der deutsche Forscher Jörg Fegert, ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Ulm, sowie die französische Wissenschaftlerin Maria Melchior. Sie ist Epidemiologin an einer staatlichen Einrichtung in Frankreich und beschäftigt sich ebenfalls mit der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

ZDFHeute Fallback Bild

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) spricht sich für ein Social Media-Verbot für unter 13-Jährige aus. Was halten Schüler von der Idee?

24.06.2026 | 1:02 min

Wie könnte ein Social-Media-Verbot technisch klappen?

Hier dürfte eine App der EU eine große Rolle spielen. Die digitale Brieftasche EUDI-Wallet soll Anfang 2027 auch in Deutschland verfügbar sein. Darin soll es dann eine Möglichkeit der Altersverifikation geben. Nutzerinnen und Nutzer sollen ein bestimmtes Mindestalter nachweisen können, ohne dabei persönliche Daten wie Name oder Geburtsdatum zu speichern oder an die großen Online-Plattformen weiterzugeben.

Diese Möglichkeit der Altersverifikation könnte auch für die Durchsetzung bestehender Regeln wichtig sein.

Keir Starmer am Rednerpult mit britischen Flaggen im Hintergrund vor Publikum

Ab kommendem Jahr soll ein Verbot etwa für TikTok, Instagram und Snapchat gelten. Premierminister Keir Starmer will damit für die Sicherheit und das Wohlbefinden der Kinder unter 16 Jahren sorgen.

16.06.2026 | 2:00 min

Welche Regeln gibt es schon?

Die beliebten Plattformen YouTube, Instagram, Tiktok, Snapchat und Co. fallen unter das europäische Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act - DSA). Artikel 28 ("Online-Schutz Minderjähriger") des DSA verpflichtet die Online-Riesen "geeignete und verhältnismäßige Maßnahmen" zu ergreifen, um Minderjährige zu schützen.

Zudem verlangt die EU-Kommission von den Online-Diensten, dass sie ihre eigenen Nutzungsbedingungen einhalten. Die sehen aus Datenschutzgründen oft erst einen Zugang zu den Plattformen ab 13 Jahren vor. Gegen den Facebook- und Instagram-Konzern Meta läuft deshalb bereits ein Verfahren. Ganz neu wären Altersgrenzen faktisch also nicht.

Quelle: dpa
Über das Thema berichtete zuletzt das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 13.07.2026 ab 05:30 Uhr.

Mehr zu den Themen

  1. Symbolbild: Ein Mädchen schaut auf einem Smartphone ein Make-up-Tutorial auf einer Social-Media-Plattform.

    Untersuchung zu Meta-Konzern:EU sieht Suchtgefahr bei Instagram und Facebook

    mit Video0:29

  2. Symbolbild: Jugendlicher mit Smartphone im Schattenriss

  3. Bayern: München: Bundesbildungsministerin Karin Prien bei der Bildungsministerkonferenz

    Aus für unter 13-Jährige?:Social-Media-Verbot: Das sind die Empfehlungen der Kommission

    von Dorthe Ferber
    mit Video1:02

  4. Eine Frau öffnet auf ihrem Smartphone einen Ordner mit Apps verschiedener sozialer Medien (Archivfoto)

    Vor Experten-Empfehlung für Deutschland:Soziale Medien für Jugendliche: Wie andere Länder es regeln

    mit Video0:22