Richtungswahl in Slowenien - Kleines Land, große Wirkung

Entscheidung am Sonntag:Kleines Land, große Wirkung: Richtungswahl in Slowenien

von Christian von Rechenberg, Wien

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Die EU blickt erneut mit Sorge auf eine Parlamentswahl im Südosten. Am Sonntag wählt Slowenien - wo ein Freund und Bewunderer Viktor Orbans gewinnen könnte.

Der slowenische Ministerpräsident Janez Janša

Welchen politischen Weg schlägt Slowenien ein? Der Druck durch hohe Preise und fehlende Fachkräfte wächst, der rechtskonservative Janez Janša fordert den liberalen Amtsinhaber Robert Golob heraus

18.03.2026 | 2:10 min

EU-Mitglied Slowenien gilt als das wohlhabendste Land im Südosten Europas und hat sich seit der Loslösung von Jugoslawien 1991 zum Musterschüler auf dem Balkan entwickelt - dank Tourismus und starkem Export. Die 2,1 Millionen Einwohner gehören laut Umfragen zu den glücklichsten Menschen in der EU.

Am Sonntag wählt Slowenien ein neues Parlament. Doch unter der glücklichen Oberfläche brodelt es: steigende Preise, ein angeschlagenes Gesundheitssystem, Korruption und eine unter Druck stehende Wirtschaft. Viele geben der Mitte-Links-Regierung von Robert Golob die Schuld.

Slowenien vor der Wahl

Slowenien wählt ein neues Parlament. Das Land gilt als Musterschüler auf dem Balkan. Vor allem dem Tourismus und dem Export verdankt es den Rang als das wohlhabendste Land im Südosten der EU.

18.03.2026 | 15:16 min

Jungen Menschen fehlt Perspektive

Max Davidović setzt deshalb auf die Opposition: das Mitte-Rechts-Lager um Janez Janša. Der 24-jährige Student der Europawissenschaften in Ljubljana hofft auf mehr Politik für junge Menschen.

Ich erwarte niedrigere Steuern, höhere Gehälter und attraktive Jobs, damit ich in Slowenien bleiben kann, anstatt mit meiner Ausbildung wegzugehen.

Max Davidović, Student

Max braucht zwei Jobs, um über die Runden zu kommen, teilt sich eine Wohnung mit vier Kommilitonen. Bezahlbarer Wohnraum, sagt er, wird knapper, und nicht nur das: "Meiner Meinung nach stehen junge Menschen vor existenziellen Problemen: Kann ich mir Essen und Trinken noch leisten, oder tanken?"

 Serbian President Aleksandar Vucic arrives for a press conference in Belgrade

Vucic, Dodik und Orban: Ein Trio, das den Frieden in der Region im Balkan bedrohen könnte. Ihre Abkehr vom Westen zeigen sie offen - trotz sinkender Akzeptanz in der Bevölkerung.

17.04.2025 | 2:36 min

Populist führt rechtes Lager

Janša soll's lösen. Der Chef der konservativen Demokratischen Partei (SDS) war schon dreimal Premier und führt nun das rechte Oppositionslager an. In Umfragen liegt er vor Mitte-Links und verfehlt nur knapp die nötigen 46 Sitze für die Regierungsmehrheit. Die würde erreicht, wenn er zusätzlich mit der als rechtspopulistisch und pro-russisch geltenden Partei Resni.ca koalieren würde.

Viele hoffen, dass Janša wirtschaftliche Impulse liefert, Kritiker sehen in ihm ein Risiko: Janša gilt als Populist, orientiert sich an seinen Vorbildern Viktor Orban und Donald Trump, übte Druck auf Medien aus und fällt im Wahlkampf mit scharfer Rhetorik auf. "Ich glaube, dass er einen Sieg als Legitimation ansehen würde, dort weiterzumachen, wo er aufgehört hat", sagt Historiker Luka Lisjak Gabrijelčič. "Also die Unterordnung der Zivilgesellschaft und der unabhängigen Institutionen unter seine Herrschaft, und dass er dies mit noch viel mehr Nachdruck tun würde als in seiner vorherigen Amtszeit." Lisjak Gabrijelčič könne sich sogar vorstellen, dass Janša Trumps Friedensrat beitreten könnte.

Allerdings unterstützt Janša kompromisslos die Ukraine - manchen im rechten Lager ist er damit nicht rechts genug. Das könnte die Suche nach Koalitionspartnern am Ende schwierig machen. "Der Weg zur nächsten Regierung ist für ihn noch sehr lang und steinig", so Lisjak Gabrijelčič, "und ich würde nicht darauf wetten, dass er das schaffen kann."

Rechts eine Gruppe jugoslawische Flüchtlinge in einer Notunterkunft; links eine zerstörte Straßenbahn

Es ist das Schicksalsjahr 1990, als in Jugoslawien die ersten freien Wahlen seit dem Zweiten Weltkrieg abgehalten werden. Es ist die Stunde der Nationalisten.

23.07.2020 | 44:58 min

Aktuelle Regierung unter Druck

Robert Golob, Chef der Regierungspartei Freiheitsbewegung, könne dagegen leichter ein breites heterogenes Bündnis bilden, auch wenn er dazu Parteien aus dem Mitte-Rechts-Spektrum bräuchte. Und danach sieht es aus, denn viele Sloweninnen und Slowenen scheinen ihn und sein Lager mit einem schwachen Ergebnis abstrafen zu wollen, etwa wegen zu hoher Steuern oder Lohnkosten.

Nina Savič wird dennoch Mitte-Links wählen. Die 36-jährige Innenarchitektin betreibt ein kleines Design-Studio in Ljubljana, wo sie alte Lampen zu neuem Leben erweckt. Sie gilt daher als Kulturschaffende und erhält 750 Euro Sozial- und Krankenversicherung vom Staat. Sie schätzt den Sozialstaat, den die aktuelle Regierung pflegt, enorm.

Mir gefällt, dass sie sich für Gleichberechtigung oder für die Verbesserung der Lage der Arbeitnehmer einsetzen. Sie tun auch viel für die Kultur.

Nina Savič, Designerin

Doch auch sie sieht Probleme, monatelange Wartezeiten auf Facharzttermine etwa. Trotzdem sorgt sie sich vor einem politischen Kurswechsel unter Janša: Golobs Lager sei offen für Kritik und Dialog, während Janšas Regierung "ein gewisses Maß an Unsicherheit, aber auch mehr Angst" gebracht habe.

Es wird eine Richtungswahl, nicht nur für Slowenien, auch für die EU.

Über dieses Thema berichtete heute in Europa am 18.03.2026 ab 16 Uhr.

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