"Buchona"-Trend in Mexiko: Styling zwischen Kokain und Kartellen

"Buchonas" als Trendsetter:Luxus, Körper, Likes: Der Einfluss von Mexikos Narco-Bräuten

von Matthias Pupat

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Der Drogenkrieg in Mexiko hat in den vergangenen 20 Jahren 450.000 Menschenleben gekostet. Trotzdem eifern Millionen junge Mexikanerinnen einem Lifestyle-Trend der Narcos nach.

Der Schönheitswahn der Narco-Bräute

Macht, Reichtum und perfektes Styling. Millionen junge Mexikanerinnen eifern dem Lifestyle der Narco-Bräute nach.

11.03.2026 | 14:17 min

In Mexiko werden sie "Buchonas" genannt: Frauen, die sich über Luxusmarken, perfektes Styling und plastische Chirurgie definieren. Der Trend ist ungebrochen.

Im Bundesstaat Sinaloa übernehmen etwa 60 Prozent der jungen Menschen diesen Buchona-Lebensstil. In ganz Mexiko rund 40 Prozent.

Ismael Alvarado Vázquez, Sozialwissenschaftler

Aus Sinaloa stammt der Look, genauer aus dem dortigen Drogenmilieu. In Sinaloa ist das gleichnamige Kartell mächtig, teils mächtiger als der Staat. Die Freundinnen der Narcos gelten als erste Buchonas: übertrieben sexy und prahlerisch. So zeigen sie Macht und Reichtum - auch auf Social Media.

  • Buchonas: Mexikanischer Begriff für Frauen, die sich über Luxusmarken, perfektes Styling und plastische Chirurgie definieren. Stammt ursprünglich aus dem Narco-Millieu.
  • Narcos: Abkürzung für Narcotraficantes, die Drogenhändler der Kartelle


Für die oft arme Jugend Mexikos eine Verlockung, die neben Insta, Tiktok und Co. noch verstärkt wurde durch Telenovelas, Musikvideos und Mega-Serien wie "Narcos". Jugendforscher Vázquez hält das für fatal.

Viele junge Leute entscheiden sich dafür, lieber wenige Jahre mit viel Geld zu leben, als ein langes Leben in Armut zu führen.

Ismael Alvarado Vázquez, Sozialwissenschaftler

Montage: Ein Mann trägt eine mexikanische Totenmaske und einen Hut und blickt in die Kamera. Im Hintergrund brennt ein Feuer in der Nacht, Funken sprühen.

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Narcos leben gefährlich und oft kurz

Denn in Mexiko weiß jeder: Das Leben im Umfeld der Narcos ist gefährlich und oft kurz. Seit im Jahr 2006 der Staat den Drogenkartellen den Krieg angesagt hat, starben rund 450.000 Menschen. Die Macht der Kartelle hat das nicht dauerhaft brechen können: Der Schmuggel von Kokain, Cannabis und Fenthanyl in die USA ist ein Milliardengeschäft, für das vor allem Jugendliche ihr Leben riskieren.

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Doch der Trend der Buchonas hat sich längst verselbständigt. Dafür stehen Frauen wie Yoko. Sie arbeitet als Influencerin und Model, auf ihren Social-Media-Kanälen hat sie mehr als 100.000 Follower - ihre Videos wurden bis zu 13 Millionen Mal angeklickt. Sie sieht aus wie eine Buchona, will aber mit den Narcos nichts zu tun haben - sie wolle lieber sicher und in Ruhe leben, sagt sie. Als wir sie fragen, wie viel Geld sie in Lippen, Brüste und schlanke Taille investiert hat, kommt sie auf 12.000 Euro.

In der Hauptstadt der Schönheits-Docs

In Sinaloas Hauptstadt Culiacan gibt es nicht zufällig 45 plastische Chirurgen. Für viele Frauen aus der Region gehört ein Besuch beim Schönheits-Doc zum guten Ton, für die Buchonas ist er Pflicht. Eine der gefragtesten Architektinnen dieser künstlichen Schönheit ist Dr. Rafaela Martinez. Sie kann gar nicht mehr genau sagen, wie viele Buchonas sie schon operiert hat: "Sehr viele, denn es ist wie eine Mode."

Viele Frauen haben den Stil übernommen, gut gekleidet und auffällig sein zu wollen, weil sie üppig sein wollen, mit großen Brüsten, schmaler Taille, großen Hüften und großem Po.

Dr. Rafaela Martinez, Schönheits-Chirurgin

Die Opfer des Drogenkriegs

Doch in jüngster Zeit hat ihr Geschäft mit der Schönheit schwer gelitten. Denn seit eineinhalb Jahren kämpfen verschiedene Fraktionen um die Macht im Sinaloa-Kartell. Das hatte einst "El Chapo" angeführt, doch der berüchtigte Drogenboss sitzt lebenslang in Haft.

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Seitdem hier der Drogenkrieg mit weit über tausend Toten tobt und Ausländer sich nicht mehr nach Culiacan trauen, sind die Buchonas die treuesten Kundinnen von Dr. Martinez.

Die Gewalt in ihrer Stadt müsse dringend enden. Sie selbst versuche, jungen Leuten klarzumachen, dass das schnelle Geld mit Drogen der falsche Weg sei: "Ich habe Vorträge an Schulen gehalten, um Jungs und Mädchen zu motivieren, zu studieren und voranzukommen. Denn ich komme auch aus einfachen Verhältnissen. Meine Mutter hat in den USA gearbeitet, nur so konnte ich studieren. Es geht ums Durchhalten, es ist nicht unmöglich."

Das sei ein langer Weg, aber nur so könne den Narcos der Nachwuchs entzogen werden. Der Trend zum Buchonas-Look dagegen könne ihretwegen gern noch lange anhalten.

Über dieses Thema berichtete das auslandsjournal am 11.03.2026 in dem Beitrag "Der Schönheitswahn der Narco-Bräute" ab 21:45 Uhr.

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