Terrorakt in Russland vor zwei Jahren:Anschlag auf Moskauer Konzerthalle: Lebenslange Haftstrafen
Mehr als 140 Menschen waren bei dem Anschlag auf ein Rockkonzert in Moskau vor knapp zwei Jahren getötet worden. Ein Militärgericht verurteilte die Angreifer zu lebenslanger Haft.
149 Menschen starben vor knapp zwei Jahren bei dem Anschlag auf eine Konzerthalle bei Moskau. Jetzt wurden vier der Attentäter zu lebenslanger Haft verurteilt.
12.03.2026 | 0:24 minEs war ein Schock für die russische Hauptstadt Moskau: Vor zwei Jahren schossen islamistische Terroristen bei einem Rockkonzert um sich und töteten fast 150 Menschen. Ein russisches Militärgericht verurteilte die vier Haupttäter nun zu lebenslanger Haft, wie die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass aus dem Gerichtssaal meldete.
Weitere elf Angeklagte, von den russischen Sicherheitsbehörden als Helfershelfer eingestuft, erhielten ebenfalls lebenslang. Gegen vier Männer wurden Haftstrafen zwischen 19 und 22 Jahren verhängt.
Begonnen hatte der große Prozess Anfang August vergangenen Jahres, die Militärgerichtskammer zog dafür in das große Gebäude des Moskauer Stadtgerichts um. Trotz des Entsetzens über den wohl größten Terroranschlag in Russland seit Jahren und großem Interesse der Öffentlichkeit wurde hinter verschlossenen Türen verhandelt.
Bei Prozessbeginn im vergangenen August präsentierte der Kreml die Angeklagten als Trophäen.
04.08.2025 | 2:47 minAnschlag auf Rockkonzert mit 6.000 Besuchern
Die Urteile ergingen fast zwei Jahre, nachdem am 22. März 2024 bewaffnete Männer in die Crocus City Hall in Krasnogorsk am Stadtrand von Moskau eingedrungen waren. Dort wollten mehr als 6.000 Menschen ein Konzert der Rockgruppe Piknik hören. Die Terroristen schossen auf die Besucher und legten Feuer. Ein Teil des großen Gebäudes stürzte ein.
149 Menschen kamen bei dem Anschlag ums Leben, einer galt als vermisst, 609 Personen wurden verletzt, wie das russische Ermittlungskomitee mitteilte. Den Schaden bezifferte die Behörde mit rund sechs Milliarden Rubel (mehr als 65 Millionen Euro).
Nach dem Anschlag auf eine Konzerthalle kamen 2024 zunächst vier Männer vor den Haftrichter.
25.03.2024 | 3:48 minUN-Bericht: Verdächtige mit Folterspuren vorgeführt
Die nun verurteilten Haupttäter wurden damals bei der Flucht nahe der russischen Stadt Brjansk an der Grenze zur Ukraine und zu Belarus gefasst. Anschließend wurden sie der Öffentlichkeit vorgeführt und wiesen Spuren von Misshandlungen auf.
In einem Bericht über systematische Folter in Russland sagte die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für Menschenrechte in Russland mit Blick auf diesen Fall, dass nicht mehr nur heimlich und versteckt in Hinterzimmern gefoltert werde. Die Verdächtigen seien vor Gericht mit eindeutigen Folterspuren vorgeführt worden, ohne dass der zuständige Richter nach dem Gesundheitszustand der mutmaßlichen Täter gefragt habe, hieß es.
IS-Ableger bekennt sich zu Anschlag
Die vier Hauptangeklagten stammen aus der islamisch geprägten früheren Sowjetrepublik Tadschikistan, sie waren als Gastarbeiter in Russland. Einer von ihnen soll nach Angaben russischer Sicherheitskreise zur Terrorgruppe Islamischer Staat Provinz Khorasan (ISPK) gehört haben, wie der IS-Ableger in Afghanistan heißt.
Nach dem Anschlag veröffentlichte die Organisation ein Bekennerschreiben, das von Sicherheitsexperten als glaubhaft eingestuft wurde.
Nach dem Terroranschlag hatte Sicherheitsexperte Nico Lange gewarnt, Russland könne noch aggressiver gegen die Ukraine vorgehen.
23.03.2024 | 2:41 minRussland hält an ukrainischer Spur fest
Obwohl die ISPK den Anschlag für sich reklamiert, versuchten russische Stellen immer wieder eine Spur zur Ukraine aufzutun. Auch in einem Kommentar zu dem Urteil beharrt das Ermittlungskomitee auf einer Verwicklung Kiews. Es sei zweifelsfrei festgestellt, dass dieses unmenschliche Verbrechen im Interesse der ukrainischen Führung geplant und ausgeführt worden sei, hieß es. Ziel sei gewesen, die politische Lage in Russland zu destabilisieren.
Beweise wurden nicht vorgelegt. Die Ukraine hat jedwede Beteiligung bereits im März 2024 zurückgewiesen. Die russische Justiz fahndet immer noch nach zwei Drahtziehern und vier mutmaßlichen Komplizen, die sich außerhalb Russlands aufhalten sollen.
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