Russland-Experte: Putin "nicht bereit", über Frieden zu sprechen

Interview

Früherer Botschafter von Fritsch:Putin "ist nicht wirklich bereit", über Frieden zu sprechen

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Nach dem Treffen des US-Sondergesandten Witkoff mit Putin hält ein Experte Optimismus für verfrüht. Der Kreml sei nicht bereit für Frieden - und Trump zum Bittsteller geworden.

Zu sehen ist Ex-Botschafter Rüdiger von Fritsch.

Trump versuche alles, um Unterstützung vor den Midterms zu gewinnen, so der frühere Russland-Botschafter von Fritsch. Er komme Putin entgegen, lockere Sanktionen und setze Kiew unter Druck.

21.10.2026 | 17:43 min

Ein Treffen des US-Sondergesandten Steve Witkoff mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gibt aus Sicht der USA neue Hoffnung auf ein Ende des Ukraine-Kriegs. "Vielleicht sind wir so nah dran wie nie", sagte Präsident Donald Trump.

Moskau hatte am Vortag trilateralen Gesprächen mit den USA und der Ukraine zugestimmt, Witkoff in St. Petersburg auch Vorschläge der USA für einen Weg zum Frieden übermittelt.

Deutlich skeptischer als Trump bewertete der frühere Botschafter in Moskau, Rüdiger von Fritsch, die Ergebnisse des Treffens. Sehen Sie das Interview im Video in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagte von Fritsch über ...

... Putins Strategie

Im Gespräch von Witkoff und Putin sei es nur scheinbar um eine Verhandlungslösung für den Ukraine-Krieg gegangen, sagte von Fritsch.

Der Eindruck, den man nach dem Treffen bekommen hat, ist, dass sich an der russischen Bereitschaft, tatsächlich über einen gerechten Frieden für die Ukraine zu sprechen, nichts geändert hat. Die ist nicht vorhanden.

Rüdiger von Fritsch

Darauf deute die Äußerung von Putins Berater Juri Uschakow hin, dass der Kreml-Chef zu einem trilateralen Treffen mit den USA und der Ukraine bereit sei, bei dem es um die Sicherheitsordnung für Russland und die Ukraine nach dem Krieg gehen müsse, so von Fritsch.

Ruediger von Fritsch
Quelle: ddp | Panama Pictures

... ist ein ehemaliger deutscher Spitzendiplomat, der international vor allem durch seine Tätigkeit als Botschafter in Moskau von 2014 bis 2019 bekannt wurde. Zuvor bekleidete er weitere bedeutende Ämter, darunter das des Botschafters in Warschau sowie des Vizepräsidenten des Bundesnachrichtendienstes.


Russland zäume das Pferd also von hinten auf: Der Kreml verlange eine Belohnung in Form von Zugeständnissen dafür, dass überhaupt verhandelt wird. In der Vergangenheit habe Moskau diese Forderungen bereits klar formuliert: territoriale Zugeständnisse, eine Demilitarisierung der Ukraine sowie deren Verzicht auf Bündnispartner.

Keine Rede hingegen sei auf russischer Seite von einem Waffenstillstand gewesen, den der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj "richtigerweise als die elementare Voraussetzung wirklicher Verhandlungen mit dem Ziel, einen gerechten Frieden zu erzielen, genannt hat". Selenskyj hatte am Mittwoch erneut vorgeschlagen, als einen ersten Schritt zu einer Waffenruhe die Frontlinie einzufrieren.

Zu sehen sind ZDF-Korrespondent Dara Hassanzadeh, zugeschaltet aus Smijiw, und ZDF-Reporter Felix Klauser, zugeschaltet aus Moskau.

Ziel des Treffens mit Witkoff war es für Putin, sein Momentum zu erhalten, so ZDF-Korrespondent Klauser. Die Ukraine rücke für Trump in den Hintergrund, sagt ZDF-Reporter Hassanzadeh.

21.10.2026 | 10:15 min

Russlands Vorstellung sei stattdessen, dass als Erstes über eine Nachkriegsordnung gesprochen wird "und Russland währenddessen weiterhin das Recht hat, die Ukraine anzugreifen, Krankenhäuser und Kindergärten zu bombardieren", sagte von Fritsch.

Für Verhandlungen bedarf es zweier. Und der eine ist nicht wirklich bereit zu sprechen.

Rüdiger von Fritsch

... den Einfluss der USA auf Putin

"Was wir gegenwärtig erleben, (...) ist, dass ein prinzipiell sehr starker Unterhändler, die USA, sich selbst dramatisch geschwächt hat", sagte von Fritsch über das Verhältnis von US-Präsident Trump und seinem Sondergesandten Witkoff zu Putin.

Vor den Midterms in den USA habe sich Trump zum "Bittsteller" bei Putin gemacht. Denn:

Wladimir Putin hilft Trump im Wahlkampf.

Rüdiger von Fritsch

Nachdem der US-Präsident seinen "völlig verpfuschten" Krieg gegen Iran nicht zu Ende gebracht habe, bekämen die Amerikaner die Folgen an den Zapfsäulen zu spüren. Auch die "verfehlte Handelspolitik" wirke sich negativ aus, sagte von Fritsch.

President Donald Trump stops to speak to members of the press as he arrives at Cincinnati/Northern Kentucky International Airport on October 17, 2026 in Hebron, Kentucky.

US-Präsident Trump setzt neue Russland-Sanktionen überraschend aus. Moskau begrüßt den Schritt, Kiew kritisiert ihn scharf. Die Strafmaßnahmen waren parteiübergreifend beschlossen worden.

17.10.2026 | 2:33 min

Um die Zwischenwahlen dennoch zu gewinnen, sei Trump "alles recht". Er komme Russland entgegen, indem er die Sanktionen lockere. Im Gegenzug hatte Moskau Diesellieferungen in die USA zugesagt.

Witkoff habe in seinem Eingangsstatement in St. Petersburg über die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und den USA gesprochen. Das zeige: Trump sei zum "Opfer der putinischen Politik" geworden.

Wladimir Putin hat die Dollarzeichen in Donald Trumps Augen erkannt. (...) Der selbsternannte größte Dealmaker aller Zeiten, der amerikanische Präsident, ist auf einen wesentlich besseren Dealmaker gestoßen.

Rüdiger von Fritsch

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Mehr Einnahmen, weniger Druck, starkes Signal: Der Diesel-Deal mit Donald Trump spielt dem Kreml in die Hände und ist für Präsident Putin wirtschaftlich und politisch ein Gewinn.

10.10.2026 | 5:27 min

... einen möglichen Weg zu Frieden in der Ukraine

Grundvoraussetzung jeder erfolgreichen Verhandlung sei, die Logik des Gegenübers nachzuvollziehen. Putin denke "in Kategorien von Stärke, von Macht, von Durchsetzung eigener Ziele", erläuterte von Fritsch.

Der Westen habe sich auf dieser Ebene bereits in zweierlei Hinsicht entschlossen gezeigt: durch die Unterstützung der Ukraine und indem er "Wladimir Putin ans Portemonnaie gegangen" sei. Denn der russische Präsident sei darauf angewiesen, sich die Zustimmung der Menschen in Russland zum Ukraine-Krieg zu erkaufen. "Er fürchtet, dass die gegen ihn auf die Straße gehen könnten."

Russland gerate "immer mehr in ökonomische und finanzielle Schwierigkeiten". Psychologisch sei in diesem Zusammenhang wichtig, dass die Folgen der "Spezialoperation", wie der Krieg in Russland weiterhin genannt wird, dort inzwischen zu spüren sind.

Wenn in der Abwägung Putins der Punkt erreicht ist, wo er sich sagen muss, wenn ich diesen Krieg weiterführe, der mich wahnsinnig Geld kostet, fehlen mir die Mittel zu Hause, die Macht zu erhalten, (...) dann ist er verhandlungsbereit.

Rüdiger von Fritsch

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Bevor dieser Punkt nicht erreicht sei, werde es für die Ukraine zu keinem guten Verhandlungsergebnis kommen, gab sich von Fritsch überzeugt. Voraussetzung sei, dass Putin selbst verhandlungsbereit sei - "und bisher hat er das nicht gezeigt".

Durch weitere Zugeständnisse werde Putin hingegen nicht nachgeben. Darauf müssten die Europäer immer wieder im Gespräch mit der amerikanischen Regierung hinweisen. Dass Trump zuletzt wiederholt gesagt habe, es wäre der ukrainische Präsident Selenskyj, der derzeit einen Frieden verhindere, sei "eine groteske Verdrehung der Wirklichkeit und der Wahrheit".

Das Interview führte ZDFheute live-Moderator Philip Wortmann. Die Zusammenfassung ist von Anja Engelke.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 21.10.2026 um 20:15 Uhr.

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