Südafrika: Wie Migration zur Zielscheibe der Wut wird

Ultimatum an Migranten in Südafrika:Fremdenfeindliche Proteste im Land des Regenbogens

Susann von Lojewski, Studioleiterin ZDF-Studio Nairobi

von Susann von Lojewski

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Selbsternannte Bürgerwehren in Südafrika setzen Migranten ein Ultimatum: Sie sollen noch heute das Land verlassen. Ihre Proteste haben viel mit dem Versagen der Regierung zu tun.

Seit Wochen kommt es in Südafrika zu rassistischen Ausschreitungen gegen Ausländer.

Unter dem Motto „March and March“ gehen in Südafrika seit mehreren Wochen fremdenfeindliche Gruppen gewaltsam gegen Ausländer vor.

30.06.2026 | 1:41 min

Der Slogan auf ihren T-Shirts ist gleichzeitig ihr Programm: "March and March" - marschieren und marschieren - "until we win" - bis wir gewinnen.

Die Protestbewegung, die mit ihrem Slogan derzeit in vielen Großstädten Südafrikas unterwegs ist, hat ein Ziel: Sie will, dass Migranten ihr Land verlassen, und die Regierung etwas gegen das Problem der unkontrollierten Zuwanderung tut - denn die ist laut der Gruppe verantwortlich für alle Missstände im Land. Wenn das Ultimatum abläuft, befürchten viele, dass die Proteste und die Attacken gegen Migranten weiter zunehmen könnten.

Migranten hoffen auf eine bessere Zukunft

Laut nationaler Statistikbehörde leben etwa 3,3 Millionen Einwanderer in Südafrika, etwas mehr als fünf Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Dunkelziffer dürfte jedoch höher liegen, denn für viele Afrikaner gilt das Land am Kap als Ort der Hoffnung. Menschen etwa aus Malawi, Simbabwe oder auch aus dem westafrikanischen Nigeria erhoffen sich hier eine bessere Zukunft.

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Doch mit dem Aufkommen der "March and March"-Bewegung geht unter ihnen die Angst um. Sie fürchten um ihre Sicherheit, einige ihrer Herkunftsstaaten haben bereits Flüge organisiert, um die Menschen zurück in ihre Heimat zu bringen.

Die Anführerin der "March and March"-Bewegung, Jacinta Ngobese-Zuma, verstärkte mit einer Aussage die Sorgen der Migranten im Land. Als sie in einem Interview auf die Gewalt und das Sterben im Land angesprochen wird, sagt sie, dass es immer falsch sei, jemanden zu töten und fügt hinzu: "Ausländische Staatsbürger sterben, Südafrikaner sterben - und viele von ihnen sind durch die Hand ausländischer Staatsbürger gestorben."

Südafrikaner:innen streiken. Am prominentesten im Bild ist ein Mann mit schwarzer Sonnenbrille und seiner linken Hand zu einer Faust erhoben.

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30.06.2026 | 11:50 min

Auch James Mckay, Migrant aus Malawi, fühlt sich schon länger in Südafrika nicht mehr sicher. Sein Vermieter hat ihn rausgeschmissen. Jetzt wartet er vor dem Generalkonsulat in Johannesburg auf einen Bus, der ihn in seine Heimat zurückbringt. McKay wurde von Mitgliedern der Protestbewegung bedroht, erzählt er:

Sie sagten, wenn du weiter hier lebst, kannst du dein Herz und dein Inneres sehen. Wir werden dich umbringen und dir ein Messer in den Rücken stoßen. Also warte nicht darauf.

James McKay, Migrant aus Malawi

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Missstände als Nährboden für die Wut

Hinter der Protestbewegung steckt vor allem der Frust über die eigene Regierung. Jeder dritte Südafrikaner ist arbeitslos, die Quote gerade bei jungen Menschen lag bei fast 61 Prozent im ersten Quartal 2026. Hinzu kommen eine hohe Kriminalität, marode Strom- und Wasserversorgung, Korruption sowie überlastete Behörden. Inge Herbert, Regionaldirektorin des Sub-Sahara-Büros der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit, erklärt die Hintergründe der Proteste so:

Aus einer tiefen, historischen Loyalität heraus fällt es vielen Südafrikanern schwer, den ANC als ehemaligen "Befreier" für heutige Missstände verantwortlich zu machen - weshalb sie ihre Wut über das Staatsversagen auf wehrlose Migranten projizieren.

Inge Herbert, Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit

Tatsächlich hat die lange alleinregierende Partei Nelson Mandelas, der ANC, versäumt, Einwanderer regulär zu erfassen. Nun, in einer Koalitionsregierung mit zehn Parteien, will man diesen Fehler aufarbeiten. Die sogenannte GNU - Government of National Unity - steht auch unter dem Druck der "March and March"-Bewegung.

Die Regierung muss jetzt beweisen, dass sie imstande ist, das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen, Jobs zu schaffen, Kriminalität zu bekämpfen und die Versorgungskrisen endlich zu lösen.

Inge Herbert, Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit

Ist Südafrika, das sich einst als "Land des Regenbogens" bezeichnete, in dem alle Kulturen, Ethnien und soziale Gruppen friedlich ko-existieren sollten - nun auf dem Weg zu einer fremdenfeindlichen Gesellschaft?

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Regierung warnt vor Selbstjustiz

Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa warnt die Protestierenden der "March and March"-Bewegung unterdessen, das Recht nicht in die eigenen Hände zu nehmen. Zumal die Gewalt sich seit längerem auch gegen die Nicht-Südafrikaner wendet, die sich legal in dem Land aufhalten.

Amir Sheikh, Vorsitzender des African Diaspora Forums, sieht die Regierung in jedem Fall in der Pflicht: "Auf die Beschwerden der Bevölkerung muss eingegangen werden." Gleichzeitig warnt er davor, dass soziale Medien die fremdenfeindlichen Tendenzen noch einmal befeuern würden.

So oder so: Vor dem malawischen Generalkonsulat warten immer noch Hunderte auf einen Transport in die Heimat - in die Sicherheit, die sie in Südafrika nicht mehr haben.

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Über dieses Thema berichteten die heute-Nachrichten am 30.06.2026 ab 19:00 Uhr.

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