LGBTQAI+-Jubiläum in Niederlanden:25 Jahre "Ehe für alle": Amsterdam feiert Historisches
von Ina Baltes
Vor 25 Jahren wurden in Amsterdam weltweit die ersten Ehen von gleichgeschlechtlichen Paaren geschlossen. Bis heute gilt das als ein Meilenstein für Rechte der queeren Community.
Am 1. April 2001 wurden im Amsterdamer Rathaus die ersten gleichgeschlechtlichen Ehen geschlossen. Die Niederlande waren damit Vorreiter, mittlerweile zogen 21 Länder Europas nach.
01.04.2026 | 2:03 minAmsterdam um Mitternacht. Mit einem Hammerschlag besiegelt die Bürgermeisterin die Eheschließung dreier gleichgeschlechtlicher Paare. Ein Chor singt und die Zuschauer im Saal jubeln.
Es ist die Jubiläumsfeier einer kleinen Revolution, die 25 Jahre zuvor stattgefunden hat. Das "Gesetz zur Öffnung der Ehe", wie es offiziell hieß, trat am 01.04.2001 in Kraft. Direkt um Mitternacht heirateten damals vier homosexuelle Paare. Es waren die ersten Ehen weltweit zwischen Gleichgeschlechtlichen. Ein gesellschaftlicher Meilenstein für die LGBTQIA+-Community.
Pioniere der queeren Community
Anne-Marie Thus und Helene Faasen waren die einzigen Frauen, die damals heirateten. Erst drei Wochen im Voraus, so erzählen sie, wäre klar gewesen, dass die Zeremonie so stattfinden konnte. Ganz schön hektisch war das, die Kleider mussten bestellt werden, die Sträuße und die Friseure. Zwei Bräute - was zieht man da an? Helene entschied sich für ein weißes Kleid und einen klassischen Schleier und Anne-Marie heiratete in einer pfirsichfarbenen Robe mit Blumen im Haar. Sie feiern jetzt Silberhochzeit, haben inzwischen einen Sohn und eine Tochter, die längst erwachsen sind.
Ich wusste nicht, dass das für die ganze Welt so wichtig ist.
Anne-Marie Thus
Als einer der letzten EU-Staaten bereitet Polen die rechtliche Absicherung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften vor. Tusk nennt das einen Kompromiss, der "ein zivilisatorisches Minimum" sei.
04.03.2026 | 2:17 minUnd weiter: "Hier in den Niederlanden gab es verschiedene Strömungen. Manche Leute mochten es, andere nicht, wieder andere dachten, es sei altmodisch. Also die ganze Welt hatten wir wirklich nicht im Kopf."
Sie waren Pioniere für die queere Community. Bis dahin gab es lediglich eingetragene Partnerschaften für Homosexuelle mit weniger Rechten. Was zum Beispiel hieß, dass man keine gegenseitigen Besuchsrechte im Krankenhaus hatte.
Wir hatten ja die Aids-Epidemie, wir haben da auch erlebt, dass Leute aus ihren Wohnungen flogen, wenn ihre Partner starben.
Helene Faasen
Ausgerechnet am Welttag gegen Homophobie hat Georgien erstmals den Tag der Heiligkeit der Familie und Achtung der Eltern begangen, der traditionelle Familienwerte propagiert.
19.05.2025 | 2:05 minEhe für gleichgeschlechtliche Paare in über 30 Ländern
Die Niederlande gaben den Startschuss. Inzwischen gibt es in über 30 Ländern die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Vor allem in Europa und Nordamerika, mit einzelnen Vorreitern in Afrika und Asien.
In Deutschland dürfen gleichgeschlechtliche Paare seit 2017 heiraten. Das Gesetz wurde am 30.6.2017 im Bundestag abgesegnet. Angela Merkel war damals Bundeskanzlerin und hob den Fraktionszwang auf. Ein seltenes politisches Instrument. Ein Nein oder Ja sei eine Gewissensentscheidung, so Merkel. Sie selbst stimmte dagegen.
Katholische Kirche noch immer dagegen
Gegner der neuen Ehe war und ist vor allem die katholische Kirche. Der damalige Papst Johannes Paul II. lehnte sie klar ab. Gleichgeschlechtliche Beziehungen sah er als nicht im Einklang mit der kirchlichen Moral. Das ist kirchliche Linie bis heute. Gesellschaftlich hat die Akzeptanz trotzdem zugenommen, hängt aber stark von Region, Kultur und Politik ab.
Gleichzeitig wird in den Niederlanden seit neuestem aber auch eine andere Strömung wissenschaftlich gemessen. Eine Studie der Universität Amsterdam unter Jugendlichen aus dem Jahr 2026 zeigt, dass die Akzeptanz der queeren Community unter Jüngeren leicht abnimmt. Die Mehrheit junger Menschen sagt zwar "Alle sollten gleichbehandelt werden", aber bei konkreten Maßnahmen, wie zum Beispiel genderneutralen Toiletten, sind sie zurückhaltender.
Viele queere Menschen erleben Ausgrenzung auch im Gesundheitswesen. Transpersonen werden etwa falsch angesprochen, Behandelnde bewerten Homosexualität als Phase oder verweigern Behandlungen.
17.03.2025 | 5:04 minWeniger Akzeptanz für queere Community unter Jüngeren
Darauf spielt auch der Ministerpräsident der Niederlande, Rob Jetten, an, der in dieser Nacht in Amsterdam mitfeiert. Er lebt offen schwul und spricht ZDFheute gegenüber über seine anstehende Hochzeit mit seinem Verlobten in diesem Jahr. Gleichzeitig sagt er aber auch:
Wir sehen leider in den Niederlanden, dass in der jüngeren Generation die Akzeptanz für die queere Community abnimmt. Und diesen Trend würden wir gerne politisch umkehren.
Rob Jetten, Ministerpräsident der Niederlande
Die Öffnung der Ehe vor 25 Jahren jedenfalls war, welche Sichtweise auch immer man darauf hat, ein Meilenstein für die Gesellschaft. Die Sichtbarkeit und Akzeptanz homosexueller und queerer Menschen haben sich seitdem erheblich erhöht.
Ina Baltes ist zurzeit Korrespondentin im ZDF-Studio in Brüssel.
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