Neue Regierung in Den Haag:Niederlande: Rechtspopulist Geert Wilders am Ende?
von Britta Behrendt, Amsterdam
Schon bei den Sondierungsgesprächen war klar: Mit Geert Wilders will keiner mehr regieren. Der Rechtspopulist scheint aufs Abstellgleis geschoben.
In den Niederlanden startet eine junge liberale Minderheitsregierung unter Rob Jetten. Rechtspopulist Wilders ist geschwächt, bleibt aber politisch präsent und radikal.
31.01.2026 | 2:37 minDer neuen niederländischen Regierung steht wenig mehr im Weg. Wenn der Koalitionsvertrag der Parteien D66, CDA und VVD diese Woche im Parlament besprochen und die Ministerposten verteilt sind, kann das Kabinett von Rob Jetten aller Erwartung nach am 23. Februar seine Arbeit aufnehmen.
Drei Koalitionäre ohne Mehrheit
Wieder einmal lässt man sich in Den Haag auf ein Experiment ein, denn die drei Koalitionäre haben keine Mehrheit im Parlament und müssen für jede Gesetzesvorlage Stimmen bei der Opposition gewinnen.
Eines ist schon so gut wie sicher: Geert Wilders wird sie nicht unterstützen. Der Rechtspopulist kommentierte die Einigung der Koalitionsparteien mit der Drohung, als Erstes in der ersten Debatte einen Misstrauensantrag zu stellen. Wie immer auf Twitter. Typisch Wilders.
Die neue Minderheitsregierung in den Niederlanden sei ein positives Signal für Europa, so der Politikwissenschaftler René Cuperus. Die rechte Partei von Geert Wilders sei isoliert.
31.01.2026 | 4:09 minPolitischer Abstieg nach gescheiterter Regierungsbeteiligung
Doch der jahrelang einflussreichste rechtsradikale Politiker wankt. Seine Partei der Freiheit gewann die vorletzten Wahlen knapp, bildete eine Regierung unter dem parteilosen Dick Schoof - und brachte sie auch wieder zu Fall. Wilders scheiterte krachend an der politischen Realität.
Seine Koalition mit der VVD von Dilan Yesilgöz, der Bauernpartei BBB und der Rechtsstaatlichkeitspartei NSC konnte keine Ergebnisse vorweisen und fiel vor allem durch Streit, Chaos und strauchelnde Minister auf.
Migration, Wohnungsnot und ein gespaltenes Land kurz vor der Abstimmung. Rechtspopulist Geert Wilders liegt in den Umfragen vorn, doch die politische Zukunft ist offen.
25.10.2025 | 1:30 minVom Außenseiter zur prägenden Figur des Rechtspopulismus
Wilders hat, seit er 2004 aus der VVD austrat und seine eigene Partei gründete, mit ausländer- und islamfeindlichem Wahlkampf eine treue Anhängerschaft gefunden. Er dominierte damit die Debatte und hielt die anderen Parteien im politischen Schwitzkasten. Tom-Jan Meeus, parlamentarischer Journalist in Den Haag, sagt:
Indem Wilders die Debatte [...] gegen den Islam und gegen Asylsuchende und Flüchtlinge verlagerte, zwang er die gesamte niederländische Politik in die Defensive, da alle Parteien in ihren eigenen Umfragen feststellten, dass diese Positionen äußerst populär waren.
Tom-Jan Meeus, Journalist
Und weiter: "Die meisten Parteien waren nicht bereit, die von ihm vertretenen radikalen Positionen zu übernehmen, und so blieb es lange Zeit eine Art reflexartige Reaktion: Die Parteien erkannten, dass er das sagte, was die Bürger hören wollten, weigerten sich aber gleichzeitig, ihm vollständig entgegenzukommen."
Wilders habe die Demokratie in den Niederlanden zu einer Streitdemokratie gemacht, so Meeus. Er sei in den letzten zwanzig Jahren der bestimmende Faktor gewesen und das Gesicht des niederländischen Rechtspopulismus.
"Die Rechtspopulisten und die Rechtsradikalen zusammen haben aber nicht eingebüßt. Es ist nur eine Verschiebung weg von Wilders", so ZDF-Korrespondent Andreas Stamm zur Wahl in den Niederlanden.
30.10.2025 | 3:07 minParteiaustritte und Zweifel an Wilders’ Zukunft
Jetzt ist Wilders angezählt. Sieben der 26 Fraktionsmitglieder stiegen aus, darunter sein Wahlkampfmanager Hidde Heutink und einer seiner längsten Weggefährten Gidi Markuszower. Wilders, Anfang 60, wird es schwerer haben, die Aufmerksamkeit auf sich zu halten.
Laut Meeus laufe es für Wilders derzeit zwar schlecht, doch schon sein Einstieg in die Politik sei holprig gewesen, und er habe immer wieder die Fähigkeit gezeigt, sich wieder aufzurappeln. Er habe dabei eine klare Methode:
Jedes Mal, wenn er in Schwierigkeiten geriet, wenn Leute seine Partei verließen und seine Umfragewerte sanken, hatte er nur eine Methode, um wieder an die Macht zu kommen: die Radikalisierung.
Tom-Jan Meeus, Journalist
Und das habe er bisher erfolgreich getan, so Meeus. Aber: "Ob dieser Trick, den er zweifellos wieder versuchen wird, erneut funktionieren wird, lässt sich nicht sagen."
Laut Hochrechnungen ist Wilders‘ PVV nicht mehr stärkste Kraft. Die linksliberale Partei D66 mit Rob Jetten an der Spitze zieht gleich. Ein Signal gegen den Rechtsruck in den Niederlanden.
30.10.2025 | 2:31 minFest steht, dass der Rechtspopulismus mit Wilders zwar eine ikonische Führungsfigur verlieren, aber nicht verschwinden würde. Ein Viertel der Niederländer unterstützt rechtspopulistische Bewegungen. Auch das geht auf Wilders zurück. Sein Markenzeichen Polarisierung wurde kopiert und wurde Mainstream.
"Seine Fähigkeit, mit radikalen, abweichenden Äußerungen immer wieder im Rampenlicht zu stehen, ist unter niederländischen Oppositionsparteien mittlerweile fast schon üblich. Sein Einfluss auf die niederländische politische Kultur war daher enorm", so Meeus.
Ein Ende der Ära Wilders ist möglich, aber wie heißt es so schön: Totgesagte leben länger.
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