Reaktionen auf Wahlergebnisse:So blicken US-Amerikaner auf den Midterms-Wahlausgang
von Victoria Weskamp & Katharina Schuster, Washington D.C.
Die Demokraten feiern ihren Wahlsieg bei den Midterms. Republikanische Wähler sind enttäuscht. Doch trotz unterschiedlicher Reaktionen sind die Erwartungen an die Politik ähnlich.
Bei den Midterms in den USA hat die Demokratische Partei die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat geholt. So reagieren US-Wähler auf das Wahlergebnis.
05.11.2026 | 1:43 min"Ich habe geweint. Vor Freude. Wir haben es geschafft", erzählt Ronetta O’Brien, als wir sie in Washington D.C. auf das Wahlergebnis der Midterms ansprechen. Sie ist gerade auf dem Weg zur Arbeit. Beim Aufwachen seien ihr die Tränen gekommen, so groß ist ihre Freude über das Ergebnis. Aber ebenso lang ist die Liste mit Themen, die sich aus ihrer Sicht ändern müssen: Der Umgang mit Einwanderern, Probleme bei der Bildung, sowie hohe Benzin- und Lebensmittelpreise.
Die Demokraten haben bei den Midterms, den Wahlen zum Kongress, sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat gewonnen. Damit endet die republikanische Kontrolle über den Kongress. Ein herber Rückschlag für Donald Trump. Seine politischen Vorhaben wird er künftig nicht mehr so einfach durchsetzen können.
Erleichterung bei demokratischen Wählern
Melissa Byrne hat sich gerade ihren ersten Kaffee geholt und ruft uns zu: "Heute ist ein großartiger Tag für Amerika!" Sie freut sich über den "blauen Tsunami" und darüber, dass die amerikanischen Wähler sich für die Demokratie und gegen Trump entschieden haben:
Trump hat gesagt, er stehe auf dem Stimmzettel und die Leute haben gewählt. Sie haben gegen sein Amerika gestimmt.
Melissa Byrne, hat für die Demokraten gestimmt
Doch mit dem Wahlsieg allein ist es für viele demokratische Wähler nicht getan. Die neue Mehrheit soll sich auch im Alltag der Menschen bemerkbar machen. Das wünscht sich auch Justine Timm. Es soll nicht bei einem Denkzettel an Trump bleiben. "Ich hoffe, dass wir uns auf echte Veränderungen für die Menschen konzentrieren. Ich bin nicht besonders daran interessiert, dass es noch mehr Amtsenthebungsverfahren gibt."
ZDF-Korrespondentin Katharina Schuster mit einem ersten Überblick nach den ersten Ergebnissen.
04.11.2026 | 0:44 minRepublikanische Wähler sind enttäuscht
Ganz anders fällt die Stimmung bei den republikanischen Wählern aus. Ein weiteres Amtsenthebungsverfahren fürchtet Ashley McKeehan zwar nicht, dafür aber, dass mit der neuen demokratischen Mehrheit "sozialistische Ideen" an Einfluss gewinnen könnten.
Ich bin sehr enttäuscht. Ich denke, das ist ein großer Verlust für uns als Amerikaner.
Ashley McKeehan, hat für die Republikaner gestimmt
Auch ihr Mann Ryan McKeehan ist enttäuscht. Trotzdem sieht er in dem Ergebnis eine Gelegenheit: "Manchmal braucht Amerika einen Weckruf, um zu sehen, wo wir stehen und wohin wir gehen."
James Smailes hat im "District of Columbia" ebenfalls die Republikaner gewählt. Er ist überrascht, wie gut die Wahl für die Demokraten ausgegangen ist, vor allem in Staaten wie Texas, die normalerweise republikanisch wählen. Das erzählt er dem ZDF bei seinem Frühstück in einem Diner am "Capitol Hill", dem Stadtviertel am Kapitol. Wichtig sei jetzt, "dass sich die Parteien zusammensetzen und gemeinsam Probleme anpacken". Smailes hofft, dass die Spaltung im Land künftig abnimmt.
Nach dem Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen hat Shakuntala Banerjee die Stimmung in der Hauptstadt Washington eingefangen.
04.11.2026 | 2:23 minHohe Erwartungen an die Politik in beiden politischen Lagern
Der neu gewählte Kongress tritt im Januar sein Amt an. Dann wird sich zeigen, ob die Parteien trotz unterschiedlichen politischen Vorstellungen auf einen Nenner kommen können. US-Präsident Donald Trump äußert sich nach der Wahl überraschend versöhnlich.
Gegenüber der der Zeitung "New York Times" erkennt er den Wahlsieg der Demokraten an und signalisiert Gesprächsbereitschaft. Gleichzeitig weist er jede persönliche Verantwortung zurück. Auf seiner Plattform "Truth Social" schreibt er: "Ich stand nicht auf dem Wahlzettel."
ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen sagt zum Wahlsieg der Demokraten bei den Midterms: „Man kann von einem blauen Tsunami reden“.
04.11.2026 | 2:26 minIn der US-Hauptstadt Washington D.C. sehen sich die Republikaner damit einer neuen Ausgangslage gegenüber. Mit ihrer Mehrheit in beiden Kammern können die Demokraten die Politik im Kongress künftig deutlich stärker prägen und Vorhaben des Präsidenten ausbremsen.
In den Straßen und Restaurants von Washington D.C. fallen die Reaktionen auf den Wahlausgang sehr unterschiedlich aus. Doch in einem Punkt sind sich die Menschen mit denen wir gesprochen haben fast alle einig: Sie wünschen sich weniger politische Grabenkämpfe und mehr konkrete Veränderungen.
Bezahlbare Lebensmittel, niedrigere Lebenshaltungskosten und eine Politik, die sich nicht nur mit Ermittlungen und Amtsenthebungsverfahren beschäftigt, sondern die Probleme der Menschen im Alltag angeht.
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