Merz in Montenegro: Kanzler macht Druck für EU-Erweiterung

Analyse

Merz in Montenegro:Der Kanzler macht Druck in der Warteschlange zur EU

Wulf Schmiese

von Wulf Schmiese

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Friedrich Merz besucht den Top-Aufnahmekandidaten der EU: Montenegro. Der Kanzler macht Tempo Richtung Brüssel im Wettlauf gegen Moskau, Peking - und auch Washington.

Friedrich Merz in Tivat (Montenegro), aufgenommen am 22.10.2026

Friedrich Merz ist in Tivat (Montenegro) gelandet.

Quelle: Michael Kappeler/dpa

Das winzige Montenegro ist eines der jüngsten Länder Europas. Erst 2006 haben sich die 620.000 Einwohner von Serbien gelöst. 2012 begannen die EU-Beitrittsverhandlungen, 2017 ging es in die Nato.

Folgt 2028 die EU-Mitgliedschaft? Der zweite Besuch von Kanzler Friedrich Merz in diesem Jahr weist in diese Richtung.

Schaltgespräch mit ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese zum EU-Westbalkan-Gipfel

Bundeskanzler Merz nimmt am EU-Westbalkan-Gipfel teil. Dort hat er einen Vorschlag unterbreitet, der die Balkanländer zu "Teilmitgliedern" machen könnte, berichtet ZDF-Korrespondent Wulf Schmiese.

05.06.2026 | 0:57 min

Darauf hoffen sie jedenfalls in Montenegro, das seit diesem Jahr den Vorsitz im "Berlin Prozess" innehat.

So heißt ein diplomatisches Format, welches 2014 von Bundeskanzlerin Angela Merkel gegründet worden ist mit dem Ziel, die EU gen Südosten zu erweitern. Damals schon, im Jahr der Krim-Annexion durch Russland, war das Interesse geopolitisch: Ausdehnen des westlichen Einflusses, bevor der Kreml weiter zulangt.

Djurdjevica Tara Brücke ist eine Betonbogenbrücke über den Fluss Tara im Norden Montenegros

Montenegros Hinterland hat einige Abenteuer zu bieten - von der alten Königsstadt Cetinje bis zur tiefsten Schlucht Europas. Viele hier hoffen auf die EU, um die Freiheit des Landes zu sichern.

09.09.2026 | 7:25 min

Weg in Richtung EU voller Widerstände

Insgesamt sechs Staaten des Westbalkans warten mit unterschiedlicher Aussicht auf eine EU-Mitgliedschaft:

  • Montenegro hat die besten Chancen, der 28. EU-Mitgliedsstaat zu werden.
  • Albanien, das sich dynamisch entwickelt, scheint gleich danach dran zu sein. Es hofft auf 2030.
  • Serbien ist ebenfalls schon weit in den Verhandlungen, aber seit Jahren stockt der Prozess wegen der Nähe zu Russland und des Dauerkonflikts mit Kosovo.
  • Nordmazedonien wird trotz großen Reformeifers immer wieder von seinen Nachbarn, den EU-Mitgliedern Bulgarien und Griechenland, blockiert.
  • Bosnien und Herzegowina bremst sich wegen ethnischer Spannungen selbst aus.
  • Kosovo ist das Schlusslicht der sechs Staaten. Es hat noch nicht einmal den Status eines Beitrittskandidaten, da seine Unabhängigkeit von fünf EU-Ländern bisher gar nicht anerkannt wird.

Alle sechs Westbalkanstaaten sind heute auf dem Gipfel dabei. Ihr Weg Richtung Westen war voller Widerstände. Und er ist es selbst für Montenegro noch, weil andere längst aus Ex-Jugoslawien aufgenommene EU-Staaten wie Kroatien Widerstand leisten. Es geht um Forderungen nach Entschädigung und Wiedergutmachung aus dem Zerfalls-Krieg in Jugoslawien.

Vertreter der EU und der Westbalkanländer beim EU-Westbalkan-Gipfel in Montenegro.

Die EU will den Westbalkan näher an sich binden und diskutiert über die Aufnahme von weiteren Ländern. Die EU solle schneller wachsen, aber ohne Abstriche.

05.06.2026 | 1:51 min

Sorge vor russischem und chinesischem Einfluss

Merz geht es um die geopolitische Zukunft des europäischen Hinterhofs. Seine Reise ist mehr als ein Pflichttermin, obwohl keine großen Durchbrüche oder gar Abkommen erwartet werden.

Merz und sein Team scheinen besorgt, dass die EU den Westbalkan durch jahrelange Trägheit verlieren könnte: Russland versucht über Desinformationskampagnen und Energieabhängigkeiten, Keile in die Region zu treiben. China erkauft sich mit Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur Einfluss.

Trump verfolgt eigene Interessen am Balkan

Ebenso gelten nun die USA, die seit dem Ende des Jugoslawien-Kriegs stets eine aus deutscher Sicht konstruktive Rolle auf dem Balkan spielten, inzwischen als strategische Störer oder gar Gegner. Denn Präsident Donald Trump verfolgt nicht nur Energie-, sondern höchst eigene Geschäftsinteressen etwa in Albanien.

Die Integration des Westbalkans ist demnach für die Bundesregierung kein Akt der europapolitischen Nächstenliebe. Sie wird als notwendiger denn je gesehen: für die Sicherheit und Stabilität des eigenen Kontinents.

Wulf Schmiese ist stellvertretender Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 22.10.2026 ab 9:58 Uhr.

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