Gedanken zu Carter Brown: Eine Trump-Aussteigerin erzählt

Gedanken zu Carter Brown:Eine Trump-Aussteigerin erzählt

Ulf Röller

von Ulf Röller, Brüssel

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Carter Brown ist aus der MAGA-Bewegung ausgestiegen. Im Podcast "Der Trump Effekt" macht sie klar, warum ihre Geschichte Spuren hinterlässt.

Donald Trump mit erhobener Faust als Schattenriss vor US-Flagge, darunter Schriftzug: "Der Trump Effekt - Die MAGA-Aussteigerin - Abkehr von Trump", rechts im Bild die MAGA-Aussteigerin Carter Brown

Einst überzeugte Trump-Anhängerin, heute auf Distanz: Carter Brown erklärt im emotionalen Interview ihren Ausstieg aus der MAGA-Bewegung. Deutsche Übersetzung.

01.07.2026 | 57:57 min

Carter Browns Worte wühlen auf. Ihr zuzuhören verwirrt. Sie entführt einen in die MAGA-Welt der Trump-Anhänger, ein anderes politisches Universum, in dem Gesetze der politischen Schwerkraft nicht gelten. Fake ist Fakt. Böse ist gut, Trump ist der Retter. Carter Brown sagt Sätze wie diesen.

Aber auf der anderen Seite sagten mir Leute, er sei genau das, was unser Land braucht, er erfülle eine Prophezeiung, er werde dabei helfen, dass Jesus auf die Erde zurückkehrt.

Carter Brown, MAGA-Aussteigerin

Die Demokraten, glaubte sie, entführten Kinder, missbrauchten sie. Donald Trump dagegen rette sie und beschütze das ungeborene Leben. Carter Brown ist tiefgläubig. Sie ist in einer gottesfürchtigen Familie aufgewachsen. Es wurden keine Fragen gestellt. Der Vater wurde schnell wütend, wenn widersprochen wurde. Wer nicht glaubte, wurde gezüchtigt. Sie beschreibt eine Welt voller Angst und Enge.

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Durch den Algorithmus blieb sie in der MAGA-Blase

Sie lebte in einer Blase. Freunde, Familie, Verwandte - alles Trump-Anhänger. Es lief Fox-News, Trumps Lieblingssender. Sonst bekam sie ihre Nachrichten auf Instagram. Der Algorithmus lieferte ihr nur Informationen, die ihr Weltbild bestätigte. Das reichte ihr: Sie informierte sich nicht außerhalb der Blase. Liberale Zeitungen lügen nur. "Weil ich geglaubt hätte, dass alles, was ich im Internet lese, ebenfalls Fake News und Desinformation ist", sagt Brown.

Ich bin einem Menschen wie Carter Brown in meiner Zeit in Amerika nur selten begegnet. Als US-Korrespondent berichtete ich über die erste Trump-Wahl 2016. Und ich muss zugeben: Ich habe die Kraft und das Revolutionäre an der Trump-Bewegung nicht verstanden. Als er in New York die Rolltreppe seines Trump Towers damals herunterfuhr und dann illegale Migranten als Vergewaltiger und Verbrecher brandmarkte, erkannte ich nicht, dass ein zukünftiger Präsident die Nation anbrüllte. Keiner hatte ihn auf dem Zettel. Wahrscheinlich nicht mal Trump glaubte zu Beginn, eine Chance zu haben. Für mich war Trump eine Freak-Show, ein wilder Clown mit komischer Frisur, ohne Chance, ins Weiße Haus einzuziehen.

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Wir leben in unterschiedlichen Welten

Auch viele Journalisten leben in einer Blase, auch wenn sie alles versuchen, sie zu verlassen. Zwischen Carter Browns und meiner Welt gibt es kaum Schnittmengen. Wir leben an verschiedenen Orten, lesen andere Bücher, benutzen andere Fakten und haben einen anderen Glauben. Viele Amerikaner benutzen die gleichen Worte, aber sie meinen etwas anderes damit.

Die USA sind ein gespaltenes Land. Der Satz ist mittlerweile ein Allgemeinplatz, aber das Interview mit Carter Brown macht dies schmerzhaft deutlich. Amerika ist ein traumatisiertes Land, moralisch für viele Bürger bankrott. Die Finanzkrise, der verlogene Irak-Krieg, die Epstein-Akten, die Armut, die Wut: Die sozialen Medien heizen den Wahnsinn im Land an. Wer extrem ist, der bekommt Aufmerksamkeit. Trump hat dies perfekt verstanden.

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Weg von Carter Brown macht Hoffnung

Und doch gibt die Geschichte von Carter Brown Hoffnung. Langsam fing sie an zu zweifeln. Einmal fragte sie ihr Mann: "Was ist, wenn Trump nicht der ist, für den wir ihn halten?" Sie wurde wütend, sie bekam Angst. Heute will Carter Brown eine Brückenbauerin sein. Zwischen der Trump-Welt und denen, die diese Welt verachten. Das ist ihre Antwort.

Als Trump in der Wahlnacht auf die Bühne trat und seinen ersten Wahlsieg zum Präsidenten feierte, schaute ich fassungslos auf den Bildschirm. Ich hatte ihn nicht kommen sehen. Trump hat mir eine Lektion erteilt. Seitdem suche ich Menschen wie Carter Brown, die ihre Geschichte erzählen.

Ich gebe das offen zu: Es fällt nicht immer leicht, sich dem Extremen zu öffnen und nicht gleich zu urteilen. Carter Brown hilft uns dabei. Es lohnt sich, ihr zuzuhören. Es geht um viel, es geht um unsere Demokratie, es geht um uns.

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Über dieses Thema berichtete das ZDF im auslandsjournal-Podcast, Folge 65: "Die MAGA-Aussteigerin - Abkehr von Trump" am 01.07.2026 ab 08:00 Uhr.

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