USA: Wenn Tech-Bosse die Macht übernehmen | Terra-X-Kolumne

Kolumne

Die Wissens-Kolumne von NANO und Terra X:Was passiert, wenn Tech-Bosse die Macht übernehmen?

von Marcel Fratzscher

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250 Jahre Unabhängigkeit - und nun? Übernehmen Tech-Bosse das Ruder und führen die USA in einen steinzeitlichen Kapitalismus ohne staatliche Regeln? Was wir Europäer tun können.

Terra X - Die Wissens-Kolumne: Marcel Fratzscher

Quelle: DIW Berlin

Am 4. Juli feierten die USA ihren 250. Geburtstag. Für viele Menschen in Europa waren die Vereinigten Staaten lange Zeit ein Vorbild. Nun sind sie immer weniger Partner und Schutzmacht, sondern bedrohen unsere Demokratie und unseren Wohlstand.

In der Wissens-Kolumne von NANO und Terra X auf ZDFheute beschäftigen sich ZDF-Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten wie Harald Lesch, Mirko Drotschmann und Jasmina Neudecker sowie Gastexpertinnen und Gastexperten jeden Sonntag mit großen Fragen der Wissenschaft - und welche Antworten die Forschung auf die Herausforderungen unserer Zeit bietet.


Gerade Deutschland hat den USA viel zu verdanken. Die Vereinigten Staaten waren maßgeblich daran beteiligt, Deutschland und Europa von den Nationalsozialisten zu befreien und nach 1945 eine robuste, liberale Demokratie, eine soziale Marktwirtschaft und ein Ethos der Offenheit und Kooperation entstehen zu lassen. Die USA haben den Frieden in Europa über Jahrzehnte gesichert und die Öffnung des Eisernen Vorhangs und das Ende des Kalten Krieges 1990 entscheidend vorangetrieben.

250 Jahre USA

Weltmacht und älteste moderne Demokratie der Welt: Wie wurde aus 13 britischen Kolonien eine unabhängige Nation? 250 Jahre später gibt die amerikanische Demokratie Anlass zur Sorge, wie Terra X aufzeigt.

28.06.2026 | 28:19 min

Paläolibertär - was ist das?

Aber die Rolle des Vorbilds, des Partners und der Schutzmacht hat sich in den vergangenen zehn Jahren ins Gegenteil verkehrt. Die USA agieren nun engstirnig nationalistisch, egoistisch und kurzsichtig: US-Präsident Donald Trump hat die multilaterale Weltordnung eigenhändig beschädigt und löst zunehmend geopolitische und geoökonomische Konflikte aus.

Die größte Bedrohung liegt aber anderswo. Es ist der Aufstieg einer Ideologie, die man Tech- oder Paläolibertarismus nennen kann und die zur dominanten Denkrichtung der MAGA-Bewegung geworden ist. Sie zielt bewusst auf die Ablösung der liberalen Demokratie durch ein autoritäres Machtsystem ab.

Der Tech-Milliardär Peter Thiel sagt offen, was ihm vorschwebt: Er hält Freiheit und Demokratie für unvereinbar. "Competition is for losers" - auch dieser Satz Thiels zeigt, worum es geht: um Dominanz, nicht um Chancengleichheit und fairen Wettbewerb.

KI-generiertes Bild von einer Stadt im Dunkeln, über der sich ein beleuchtetes Capitol erhebt, um das sich Tentakeln schlingen.

Das Silicon Valley steht für Freiheit, Kreativität und Fortschritt. Doch autoritäres und antidemokratisches Denken sind dort tief verankert.

27.06.2026 | 37:30 min

Wie bedrohlich können die Superreichen werden?

Das ist nicht Neoliberalismus. Es ist radikaler. Der Paläolibertarismus will den Staat dort zerstören, wo er private Macht begrenzt: bei Wettbewerb, Steuern, Daten, Tech-Plattformen, Klima, Arbeit, Gesundheit und sozialer Sicherung. Das Ergebnis wäre nicht mehr Freiheit für alle, sondern mehr Freiheit für wenige.

Diese Ideologie steht für die Zerstörung der staatlichen Ordnung (sichtbar in Elon Musks "DOGE"), die Privatisierung öffentlicher Güter - von Infrastruktur über Sicherheit bis hin zum Geld selbst - und für einen extremen Kulturkonservatismus, der alles Progressive und "Woke" bekämpft.

Der Historiker Quinn Slobodian hat in seinem Werk "Crack-Up Capitalism" gezeigt, wie radikale Marktideologinnen und -ideologen seit Jahrzehnten von einer Welt träumen, in der Kapitalismus und Demokratie entkoppelt sind. Die geistigen Wurzeln reichen zurück bis zu Ayn Rand, Robert Nozick, Murray Rothbard und zu René Girard, dessen Denken der Tech-Milliardär Thiel ins Gegenteil verdreht hat.

Männer in Nazi-Uniform mit amerikanischen Flaggen.

Die USA gelten lange als Demokratie-Vorbild. Doch das Bild gerät ins Wanken. Heute wirken die USA zerrissen. Für viele steht Donald Trump für die Spaltung. Terra X fragt: Ist er tatsächlich die Ursache?

11.01.2026 | 26:28 min

Tech-Bosse nutzen Lücken der Demokratie

Es ist nicht ausgeschlossen, dass ungezügelte Macht schnellere Lösungen für große Probleme bringt - wie Pandemien, Energie, vielleicht sogar den Klimawandel. Und die Attraktivität dieser Ideologie hat einen nachvollziehbaren Kern: überbordende Bürokratie, Staatsversagen, der Missbrauch staatlicher Macht in unserer zunehmend dysfunktionalen Demokratie.

Genau dieses Scheitern hat die Machtergreifung Trumps und der Tech-Milliardäre ermöglicht - so wie es in Europa Viktor Orbán, Giorgia Meloni und die AfD stark gemacht hat. Die Erkenntnisse der Wirtschaftsnobelpreisträger 2024, Daron Acemoğlu, Simon Johnson und Dames A. Robinson, belegen klar, dass starke Institutionen die Voraussetzung für Wohlstand sind: Das macht diese Gegenbewegung umso gefährlicher.

Eine Collage mit Fotos von Tech-Milliardären Peter Thiel, Elon Musk und David Sacks vor einem großen Halbprofil von Donald Trump. Im Hintergrund eine Stadtsilhouette.

Peter Thiel, Elon Musk, David Sacks - nur drei der Tech-Milliardäre aus dem Silicon Valley, die in Washington mitregieren. Wie konnte Big Tech derart großen Einfluss gewinnen?

11.03.2026 | 44:51 min

Unabhängigkeitstag: Was die nächsten 250 Jahre bringen

Mein Ausblick für die Zeit nach dem 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten ist daher von Sorge geprägt. Amerika war groß, weil es Freiheit als ein Versprechen an viele verstand. Heute droht dieses Versprechen von Milliardären gekapert zu werden, die Demokratie vor allem als Hindernis für ihren Gewinn und ihre Macht sehen.

Wenn die USA ihre positive Kraft zur Gestaltung einer besseren Welt aufgeben, ergibt sich für Deutschland und Europa ein klarer Auftrag: Wir müssen zeigen, dass liberale Demokratien handlungsfähig sind. Dass die soziale Marktwirtschaft mehr Innovation, mehr Freiheit und mehr Sicherheit ermöglicht als jede Oligarchie. Und dass Freiheit nicht denen vorbehalten ist, die am meisten besitzen, sondern ein Grundrecht aller Menschen ist.

... ist Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin und Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Sein Fokus liegt auf makroökonomischen Entwicklungen und Finanzmärkten, wirtschaftlicher Ungleichheit, der Globalisierung und Integration Europas.


links gelbes a, rechts Donald Trump

Die USA feiern ihren 250. Geburtstag. Doch statt in Feierstimmung sind viele US-Amerikaner unzufrieden mit der Politik des Präsidenten. Kehren die Menschen Donald Trump den Rücken?

24.06.2026 | 47:26 min

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Über dieses Thema berichtete 3sat in der Sendung "Rechtsruck im Silicon Valley" am 27.06.2026 ab 19:20 Uhr.

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