Zu Fidel Castros 100. Geburtstag :Kuba: Die Revolution verblasst, die Krise bleibt
von Claudia Bates
Die alten Versprechen halten nicht mehr, die Revolution hat längst ihren Glanz verloren. Der Alltag - für die Kubaner ein Kampf. Und dann ist da ein US-Präsident, der droht.
Fidel Castro wäre jetzt 100 Jahre alt, doch Kubas Revolution hat längst ihren Glanz verloren. Der Alltag ist für die Kubaner ein Kampf, Armut und Entbehrung. Und ein US-Präsident, der droht.
13.08.2026 | 2:04 min"Wasser?" Maylene schaut mich entgeistert und auch ein bisschen wütend an. "Gute Frau, Wasser?", fragt sie nochmal ungläubig und antwortet dann: "Gibt es nicht."
Sie und ihre Nachbarn in diesem alten, malerisch-heruntergekommenen Stadtteil von Havanna sind auf Wasserlieferungen angewiesen mit einem Tanklaster. Der kommt mal und mal kommt er nicht. Das Wasser müssen sie dann mit Eimern in ihre Wohnungen hochtragen, denn die Wasserpumpe braucht Strom und den gibt es oft auch nicht.
Zu Beginn der Revolution - ein Versprechen
Der frühere Präsident und Revolutionsführer, Fidel Castro, wäre heute 100 Jahre alt. 1959 brachten Castros Rebellen den Diktator Fulgencio Batista zu Fall. Viele Kubaner feierten Castro als charismatischen Freiheitskämpfer. Er versprach Unabhängigkeit von den USA, soziale Gerechtigkeit, das Ende von Armut und Korruption.
Kuba baute unter ihm ein erfolgreiches Gesundheitssystem auf, zugänglich für alle und umsonst, ebenso wie Bildung. Endlich gab es bezahlbare Wohnungen, und die Kleinbauern freuten sich über eigenes Land, das den Großgrundbesitzern genommen wurde.
Die Mittelschicht allerdings wandte sich ab, viele flohen vor dem beginnenden Kommunismus ins Ausland. Die versprochenen freien Wahlen setzte Castro aus.
Fidel Castro kommt 1959 in Kuba durch eine Revolution an die Macht und herrscht dort fast 50 Jahre. Er verwandelt die Insel vor der Küste der USA in einen sozialistischen Staat.
18.04.2024 | 16:40 minFidel Castro kämpfte gegen einen mächtigen Feind: die USA. Seit 1960 belegen die USA Kuba mit Handelsbeschränkungen, die bis heute die Wirtschaft dort erheblich belasten und gleichzeitig dem kubanischen Regime die Erklärung für alle Schwierigkeiten bieten. "El bloqueo", die Blockade, ist immer wieder die Antwort auf unsere Fragen.
Schuld ist immer "El bloqueo" - die Blockade
Warum sind keine Medikamente in den Regalen der Apotheke? "El bloqueo", sagt die Apothekerin. "Warum gibt es oft keinen Strom, nicht immer fließendes Wasser? "El bloqueo", sagt der Regierungsvertreter.
Der große Feind ist an allem schuld und stärkt für lange Zeit den ideologischen Zusammenhalt der kubanischen Gesellschaft und ihrer Regierung.
Wegen einer US-Blockade erhält das verarmte Land seit Monaten keine Öllieferungen. Es gibt kaum noch Treibstoff und Strom. Nun droht auch die Tourismusindustrie zusammenzubrechen.
09.05.2026 | 1:52 minVersprechen gebrochen
Jetzt wirken die Kampfparolen der Revolution, die übergroß an Plakaten entlang der leeren Autobahn prangen, verbraucht. "Vaterland oder Tod. Wir werden siegen." Der daneben abgebildete Fidel Castro ist längst verblasst.
Heute würden viele Kubaner anders über ihre Regierung reden, doch sie trauen sich nicht. Bei unserer Reise durch Kuba als ZDF-Team im vergangenen April fragen wir immer wieder Menschen nach ihrer Haltung zur Regierung und sie raunen uns zu: "Ich kann nichts sagen, sonst komme ich in den Knast".
Nach Angaben der in Madrid ansässigen Menschenrechtsorganisation "Prisoners Defenders" sitzen rund 1.300 politische Gefangene und Dissidenten im Gefängnis oder im Hausarrest.
Zum zweiten Mal in Folge ist das Stromnetz auf Kuba zusammengebrochen. Rund zehn Millionen Menschen sind betroffen. Ursache sind marode Infrastruktur, ein veraltetes Netz und fehlendes Öl.
04.08.2026 | 0:22 minViele Kubaner haben es satt, kein Benzin zu haben, kaum noch zur Arbeit fahren zu können oder vom Land zum Krankenhaus in der Stadt. Die Lebensmittelmarken, auf die sie Anspruch haben, sind nicht genug. Die Durchschnittsrente reicht grade mal für ein Dutzend Eier.
Fidel Castros Nähe zu den Sowjetregimen hielt das kubanische System aufrecht. Die damalige UdSSR stützte das Land wirtschaftlich. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks stürzte Kuba in seine tiefste Krise.
Und die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat sie weiter verschärft. Denn seit Trump im Januar den venezolanischen Machthaber Maduro außer Landes hat schaffen lassen, bekommt Kuba auch von diesem wichtigen Bruderstaat kein Öl mehr.
Ob ich es befreie oder übernehme, ich denke, ich kann damit machen, was ich will.
Donald Trump, US-Präsident
Trump will die kubanische Regierung in die Knie zwingen. Die US-Regierung blockiert seit Januar praktisch alle Öllieferungen nach Kuba.
Die Spannungen zwischen den USA und dem Karibikstaat nehmen zu. Immer wieder droht US-Präsident Trump mit einer militärischen Invasion. Kubas Wirtschaft liegt derweil am Boden.
03.06.2026 | 6:22 minUS-Außenministerium erklärt Kuba zur Bedrohung
Ein neuer Bericht des US-Außenministeriums beschuldigt Kuba, es gebe eine seit Jahrzehnten andauernde kubanische Einflusskampagne in den Vereinigten Staaten, Kuba unterstütze linken Terrorismus in den USA, zum Beispiel in Form der Antifa.
Kuba, dargestellt als Bedrohung der Nationalen Sicherheit der USA, da ist es kein weiter Weg zu Trumps Aussage: "Kuba ist als nächstes dran." Auch einen Militäreinsatz schließt er nicht aus.
Die schwere Krise, die Bedrohungen - Kuba hat reagiert mit Reformen, die früher undenkbar schienen. Mehr Spielraum für private Unternehmen, private Banken sollen zugelassen werden, und im Ausland lebende Kubaner sollen auf der Insel investieren können.
Die USA haben neue Sanktionen, unter anderem gegen Kubas Präsidenten Díaz-Canel, verhängt. Die Wirtschaft vor Ort ist schwer angeschlagen. Verschiedene Hotelketten ziehen sich aus dem Land zurück.
05.06.2026 | 0:26 minDer kubanisch-amerikanische Politikwissenschaftler Luis Carlos Battista sagte der Nachrichtenagentur AP:
Elemente, die jahrzehntelang als Säulen der revolutionären Wirtschaft galten, wurden abgeschafft.
Luis Carlos Battista, Politikwissenschaftler, Universität Salamanca
Eine Wende, die aber keine schnelle Veränderung bringt. Und der US-Regierung wohl auch nicht reicht.
Die Kubaner haben über Jahrzehnte der Entbehrungen eine große Widerstandsfähigkeit entwickelt und eine Langmut, die half, zurechtzukommen.
Doch jetzt funktioniert der alte Vertrag für die Kubaner nicht mehr, dass bei allen Entbehrungen der Staat doch für das Mindeste sorgt. Die Sehnsucht nach Wandel ist greifbar. Allerdings zu ihren Bedingungen und nicht zu denen eines US-Präsidenten.
Stromausfälle, Benzinmangel und leere Apotheken belasten Kubas Gesundheitssystem. Durch die US-Sanktionen wird die medizinische Versorgung für Patienten und Ärzte zum Kampf.
06.05.2026 | 7:15 minLassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen.
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