Auszeichnung für früheren EZB-Chef:Mario Draghi bekommt den Aachener Karlspreis
Hohe Auszeichnung für Mario Draghi: Der frühere EZB-Chef wird in diesem Jahr für seine Verdienste um Europa mit dem renommierten Karlspreis ausgezeichnet.
Der renommierte Karlspreis geht an den früheren EZB-Chef Mario Draghi. Der Preis gilt als wichtigste Auszeichnung für Verdienste um die europäische Einigung.
17.01.2026 | 0:25 minFür historische Verdienste um die europäische Einigung wird der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, mit dem Karlspreis 2026 ausgezeichnet. Mit dem früheren italienischen Regierungschef ehre man eine Persönlichkeit, "die zielgerichtet und mit unerschütterlicher Entschlossenheit Großes für Europa geleistet hat", begründete das Karlspreis-Direktorium seine Entscheidung.
Draghi: "Europa hat viele Feinde - vielleicht mehr denn je"
Draghi zeigte sich "äußerst dankbar" für die Zuerkennung des Preises. während der Verkündung des diesjährigen Preisträgers in Aachen sagte der 78-jährige frühere italienische Ministerpräsident in einer eingespielten Videobotschaft:
Diese Entscheidung kommt zu einer Zeit, zu der Europa viele Feinde hat - vielleicht mehr Feinde denn je, sowohl innere als auch äußere Feinde.
Mario Draghi
Um die Europäische Union zu bewahren, müssten die Europäer enger denn je zusammenstehen, mahnte er. "Wir müssen unsere selbst verschuldeten Schwächen überwinden. Und wir müssen stärker werden: militärisch, wirtschaftlich und politisch."
Die Verleihung des Preises erfolgt traditionell am Himmelfahrtstag und damit in diesem Jahr am 14. Mai bei einem Festakt im historischen Aachener Rathaus.
US-Präsident Trump wil - statt der alten - eine neue Weltordnung: eine der Großmächte. Deutschland hält sich mit Kritik zurück.
11.01.2026 | 4:46 minKarlspreis-Direktorium: "Lage ist dramatisch"
Das Direktorium hob unter anderem den 2024 von Draghi veröffentlichten und nach ihm benannten Report zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit hervor. Draghi hatte darin gemahnt, dass die EU dringend innovativer werden müsse, wenn sie nicht den Anschluss an konkurrierende Wirtschaftsmächte wie die USA und China verlieren wolle.
Das Karlspreis-Direktorium schließt sich dieser Einschätzung an: "Die Lage ist dramatisch", schrieb es in seiner Begründung.
Europa droht zum Spielball anderer Mächte zu werden.
Karlspreis-Direktorium
Seine Handlungsfähigkeit könne Europa nur sichern, wenn es wettbewerbsfähiger werde. Wirtschaftliche Stärke sei die Basis für alles andere.
Ursula von der Leyen wurde 2025 mit dem Karlspreis ausgezeichnet. Angesichts der weltweiten Krisen rief die EU-Kommissionspräsidentin zum Aufbau eines "unabhängigen Europas" auf.
29.05.2025 | 3:05 minKarlspreis "bewusst gesetztes" Signal an Brüssel
Draghi selbst hatte sich kürzlich ernüchtert über den Stand der bisherigen Umsetzung seiner Empfehlungen geäußert. "Die Schwachstellen nehmen zu", konstatierte er in einer Rede in Brüssel. Vor diesem Hintergrund bezeichnete das Direktorium die Zuerkennung des Karlspreises an Draghi zum jetzigen Zeitpunkt als "ein bewusst gesetztes" Signal an die Entscheidungsträger in Brüssel:
Wir fordern die Europäische Kommission und europäischen Staats- und Regierungschefs auf, jetzt den Draghi-Report umzusetzen.
Karlspreis-Direktorium
Mit dem Karlspreis werden Persönlichkeiten oder Institutionen ausgezeichnet, die sich um Europa verdient machten. Zu den prominentesten Preisträgern zählen etwa der verstorbene Papst Franziskus, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der ehemalige US-Präsident Bill Clinton. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Der alljährlich in Aachen verliehene Internationale Karlspreis zählt zu den bedeutendsten europäischen Ehrungen. Der Preis wird seit 1950 an Persönlichkeiten und Institutionen vergeben, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Namensgeber ist Kaiser Karl der Große (748-814). Er gilt als erster Einiger Europas und wählte Ende des achten Jahrhunderts Aachen zu seiner Lieblingspfalz.
Der Karlspreis wird traditionell an Christi Himmelfahrt im Krönungssaal des Aachener Rathauses verliehen. Außer der Urkunde erhalten die Preisträger eine Medaille, die das älteste erhaltene Stadtsiegel Aachens aus dem zwölften Jahrhundert mit Karl dem Großen auf dem Thron zeigt.
Zu den bisherigen Preisträgern gehören Konrad Adenauer (1954), der spanische König Juan Carlos I. (1982), François Mitterrand und Helmut Kohl (1988), der Gründer der Ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, Frère Roger Schutz (1989), Angela Merkel (2008), der damalige EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (2015), Papst Franziskus (2016) und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (2023). Im vergangenen Jahr erhielt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Auszeichnung.
Quelle: KNA
Mehr zur internationalen Lage
Trumps Kurs in der Weltpolitik:Merz: USA wenden sich "von einer regelbasierten Ordnung" ab
mit Video1:17Deutsche Soldaten erreichen Nuuk:USA zeigen sich unbeeindruckt von Europas Grönland-Mission
mit Video2:54Trumps neue Weltordnung?:Baerbock bei Illner: "Charta der UN ist kein Wunschkonzert"
von Torben Schrödermit Video68:07Krise zwischen Deutschland und den USA:Wadephul in Washington: Vortäuschen von Normalität
von Andreas Kynastmit Video1:14