Iran-Proteste: Experte zu Sanktionen und Drohungen gegen Regime

Interview

Proteste gegen Regime in Iran:Experte: Was Sanktionen und Drohungen bewirken können

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US-Präsident Trump droht dem iranischen Regime und stellt Demonstranten Hilfe in Aussicht. Experte Busse erklärt, was Sanktionen oder ein Militärschlag bewirken könnten.

Nahost-Experte Jan Busse live zugeschaltet per Video-Call aus einem Büro mit einem vollen Bücherregal hinter sich.

Es gebe Indizien, dass die Proteste gerade am Abebben sind, sagt der Nahost-Experte Jan Busse. Sanktionen würden das Regime nicht zum Sturz bringen.

16.01.2026 | 12:07 min

Auf die anhaltenden Proteste in Iran reagieren viele Länder mit Sanktionen. Doch diese treffen oft die ganze Bevölkerung, die unter den wirtschaftlichen Folgen leidet. Vor einigen Tagen verkündete US-Präsident Donald Trump auf seinem Social Media-Netzwerk Truth Social, dass Hilfe auf dem Weg sei. Was genau er damit meint, sagte er nicht. Medienberichten zufolge verstärken die USA ihre militärische Präsenz in Nahost.

Doch würde ein US-Militärschlag den Protestierenden in Iran helfen? Und könnte das zu einem Sturz des Regimes führen? Das analysiert Iran-Experte Jan Busse bei ZDFheute live.

Ein Mann geht neben den Trümmern eines Feuerwehrfahrzeugs vorbei, das während der Anti-Regierungs-Proteste in einer Straße in Teheran in Flammen aufgegangen ist.

Nach der Niederschlagung der Proteste im Iran fordern die Anhänger Khameneis nun den Tod von Demonstranten. Die USA erhöhen wohl ihre Militärpräsenz im Nahen Osten.

16.01.2026 | 2:47 min

Sehen Sie oben das ganze Interview und lesen Sie es hier in Auszügen. Busse sagt ...

… zu den Folgen eines Militärschlags

Durch seine Ankündigung, Hilfe sei auf dem Weg, habe Trump große Erwartungen geweckt, betont der Iran-Experte. Ein amerikanischer Flugzeugträger sei aktuell wohl auf dem Weg nach Iran.

Es stelle sich die Frage, ob ein Militärschlag überhaupt helfen würde. Laut Busse wäre ein "Enthauptungsschlag" gegen den Revolutionsführer Ali Khamenei eine Option. Jedoch sei das Regime sehr resilient und nicht nur auf eine Person zugeschnitten.

Eine "Enthauptung" des Regimes könnte auch in Chaos enden, sagt der Experte. Dazu komme, dass es in Iran keine gut organisierte und schlagkräftige Opposition gebe, die die Macht übernehmen könne. Das bedeute auch, dass man den Protestierenden nur schwer helfen könne.

So richtig effektiv kann man die Protestierenden aktuell nur sehr, sehr schwer militärisch unterstützen.

Jan Busse, Iran-Experte

ZDF-Korrespondent David Sauer ist per Videocall aus Washington zugeschaltet. Er befindet sich in einem Studio mit dem weißen Haus als Hintergrund.

Die Menschen in den USA wollen keinen neuen großen Krieg, sagt ZDF-Korrespondent David Sauer in Washington. Trump hatte versprochen, keine langwierigen Kriege zu führen.

16.01.2026 | 4:40 min

… zu Auswirkungen von Sanktionen

Die Sanktionen verschiedener Länder setzten das Regime in Iran unter Druck, betont Busse. Jedoch träfen sie nicht nur die iranische Führung. Die ganze Bevölkerung leide unter den Wirtschaftssanktionen. Die EU habe weitere Sanktionen gegen einzelne Personen und Institutionen verhängt.

Das sei nicht zielführend, weil das Regime dadurch bisher auch nicht in die Knie gezwungen wurde, sagt der Iran-Experte. Aktuell gebe es nur eine Auswahl von verschiedenen schlechten Optionen, um auf die Situation in Iran zu reagieren.

Der Politikwissenschaftler betonte, dass Sanktionen gegen die Personen verhängt werden müssten, die unmittelbar an der Niederschlagung der Proteste beteiligt seien.

Sanktionen sind oft Verlegenheitslösungen, weil man keine andere Option sieht.

Jan Busse, Politikwissenschaftler

Bild von ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa berichtet aus Teheran, Iran.

Viele Menschen in Iran wünschen sich Hilfe von außen, aber nicht als Militärschlag, berichtet ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa aus Teheran.

16.01.2026 | 7:26 min

… zur Frage eines Regime-Sturzes

Die aktuelle Protestwelle sei die größte, mit der das Regime bisher konfrontiert worden sei, so Busse. Mit der massiven Gewalt versuche das Regime, die Protestierenden einzuschüchtern, damit die Proteste abebben und ein möglicher amerikanischer Militäranschlag unwahrscheinlicher wird.

Der Druck aus den USA hat laut Busse bisher schon etwas gebracht, da Iran Zugeständnisse mache, indem zum Beispiel aktuell Todesurteile nicht vollstreckt würden. Der Experte geht jedoch davon aus, dass die Wünsche und Ziele der Protestierenden in kurzer Zeit nicht erfüllt und das Regime nicht gestürzt werden kann.

Das Interview führte ZDFheute live-Moderatorin Sara Bildau. Zusammengefasst hat es Chiara Raber.

Bilder von Trump und Chamenei sind nebeneinander auf dem Bild zu sehen, mit dem Bild eines amerikanischen Flugzeugträgers, den die US in den nahen Osten entsandt haben, als Hintergrund.

Die Sendung in ganzer Länge.

16.01.2026 | 26:57 min

Über das Thema berichtete ZDFheute live am 16.01.2026 ab 17:30 Uhr.
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