Gespräche zwischen USA und Iran in Oman:Iran-Experte Posch: "Beide Seiten haben Zeit gewonnen"
Erste Gespräche zwischen den USA und Iran: Auch wenn die Akteure derzeit "besonnen" seien, könne es "jederzeit" zu einer militärischen Eskalation kommen, so Orientalist Posch.
Die USA hätten jederzeit ihren Flugzeugträger im Indischen Ozean griffbereit, sagt Iran-Experte Walter Posch. Beide Seiten handelten zurzeit aber “besonnen”.
06.02.2026 | 18:55 minDas erste Treffen ist beendet: Nach der Vermittlung regionaler Staaten haben sich Vertreter aus den USA und Iran zu neuen Verhandlungen im Golfstaat Oman getroffen. Beide Seiten gingen mit weit auseinanderliegenden Positionen in die Gespräche, die vor dem Hintergrund von Sorgen vor einem neuen Krieg stehen. Nach der ersten Runde sprach Irans Außenminister Abbas Araghtschi von einem guten Anfang.
Wie geht es weiter in Iran und wie sind die Verhandlungen zu bewerten? Dazu gibt der Orientalist und Iran-Experte Walter Posch Antworten bei ZDFheute live.
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Das sagt Walter Posch von der österreichischen Landesverteidigungsakademie im Gespräch mit ZDFheute live…
…über den Auftakt der Verhandlungen zwischen den USA und Iran
Aus Sicht des Experten handelt es sich "im Wesentlichen" um "Vorgespräche". "Es wird deeskalieren, aber da ist noch nichts gewonnen", so Posch. Dem Orientalisten zufolge ist "noch kein Plan" vorhanden, da erst einmal "über die Rahmenverhandlungen geredet" werde.
Anders ausgedrückt: Beide Seiten haben Zeit gewonnen.
Walter Posch, Iran-Experte
Bei den gerade zu Ende gegangenen indirekten Verhandlungen ist der Oman als Vermittler aufgetreten. Auf die Frage, wie realistisch direkte Gespräche zwischen den USA und Iran seien, verweist Posch auf die Hürden, die bestehen. "Es ist nicht so einfach für die iranische und vor allem für die amerikanischen Seite, dem iranischen Gegenüber die Hand zu reichen". Experte Posch hebt diesbezüglich die "lange, dramatische Geschichte seit 1979" zwischen den USA und Iran hervor. So sei es "schwierig" dies "allein innenpolitisch" auf beiden Seiten durchzubringen.
Zudem sieht Posch ein weiteres Hindernis in der "Konkretisierung der Themen" beider Länder: "Nach wie vor sind die Positionen so weit auseinander, dass man sich eigentlich nicht vorstellen kann, dass man einfach einen Kompromiss findet". Denn der Standpunkt des Irans bleibt laut Posch "bis heute 'nur das Nuklearprogramm und sonst gar nichts'".
Die Menschen in Iran sähen in den Gesprächen mit den USA ein Ablenkungsmanöver für die Situation im Land, sagt ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa.
06.02.2026 | 3:32 min…wie eine Annäherung trotz unterschiedlicher Standpunkte aussehen könnte
Ausgehend von den Positionen, die derzeit von den Verhandlungsparteien eingenommen werden, hält der Experte eine Annäherung der USA und Irans für "überhaupt nicht" möglich. "In dieser Absolutheit sehe ich das nicht", sagt er.
Dahingehend hebt der Experte die Rolle ballistischer Raketen beziehungsweise die "iranische Raketenwaffe" hervor, die sich laut Posch aus Sicht des Teheraner Regimes bewährt hätten. "Das heißt, die aufzugeben, ohne wirklich eine große Garantie zu bekommen, dass die Sanktionen aufgehoben werden, macht keinen Sinn." Dadurch würde Iran "de facto wehrlos", da die Armee, die Streitkräfte und die "konventionellen Truppen" ansonsten "nicht so stark" seien. "Es ist die Raketenwaffe, die zählt", erklärt er.
In Irans "jetziger Haltung" in den Verhandlungen sieht Posch "sehr deutlich die Handschrift des Revolutionsführers, der eben sagt 'nur über das Nuklearprogramm und sonst über nichts'". Entsprechend dieser "Guidelines" arbeiteten dann der Außenminister und der Präsident, "die Chamenei nicht allein beschlossen hat - da sind mehrere Gremien involviert gewesen -, aber die er als einziger zu verantworten hat, während die anderen Elemente Durchführungsorgane sind", so der Experte.
Durch den Aufmarsch der US-amerikanischen Streitkräfte glaube Trump mehr erreichen zu können als nur das Ende des iranischen Atom-Programms, berichtet ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen.
06.02.2026 | 5:42 min…wie sich die Regionalstaaten zu einen möglichen Angriff der USA positionieren
Es falle auf, "dass sich alle Nachbarstaaten erklärt haben, dass sie keinen Angriff von ihrem Staatsgebiet und ihrem Luftraum aus auf den Iran dulden werden". Diese Erklärung könne Orientalist Posch zufolge zum einen so interpretiert werden, dass die Regionalstaaten der Meinung sein könnten, "'Nein, Amerikaner ihr dürft das nicht tun'" oder zum anderen, "dass sie das wussten, dass die Amerikaner ohnehin nicht besonders angriffslustig sind, weil ansonsten sagt man nicht so leicht 'Nein' zu den USA - gerade im Vorhinein".
Darüber hinaus sei man in der Region der Meinung, dass das Regime "soweit geschwächt ist, dass es eindämmbar ist, aber das Land noch zusammenhält". Solange es aber noch keine "glaubwürdigen Alternativen" gebe beziehungsweise "solange das Regime noch beweisen kann, dass es existieren und das Land zusammenhalten kann, solange lässt man die in Ruhe". Mit diesem "Status quo" könne die Region "nicht gut, aber doch erträglich leben".
Mit viel Druck haben die USA den Iran an den Verhandlungstisch gezwungen: Hauptforderung der Amerikaner: das Ende des iranischen Atomprogramms.
06.02.2026 | 1:39 min…ob es zu einer militärischen Auseinandersetzung kommen kann
"Das kann jederzeit passieren. Es gibt keine Garantie", beantwortet Posch die Frage, ob es zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen den beiden Ländern kommen könne. Posch spricht von einem "militärischen Säbelrasseln".
Offensichtlich haben sich beide Seiten ja sehr festgelegt, 'wenn geschossen wird, dann schießen wir zurück und lassen uns da nichts gefallen'.
Walter Posch, Orientalist
Laut dem Experten sind beide Seiten zum aktuellen Zeitpunkt "soweit ich sehe besonnen - besonnen insofern eben ein ideologischer Akteur besonnen sein kann". Insgesamt kommt er zu dem Schluss: "Militärisch, aber auch politisch sitzen meiner Meinung nach die Amerikaner deutlich am längeren Hebel".
Das Interview bei ZDFheute live führte Christopher Wehrmann. Zusammengefasst hat es Julian Degler.
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