Militärökonom zu Iran-Krieg:US-Vorgehen "eine Warnung für künftige Generationen"
Die Folgen des US-Angriffs auf Iran werden dramatischer, warnt ein Forscher. Die Schließung einer weiteren Meerenge habe ernsthafte Folgen: "Das ist ökonomisch eine Katastrophe."
38 Milliarden Dollar soll der Iran-Krieg die USA bislang gekostet haben. Militärökonom Marcus M. Keupp analysiert bei ZDFheute live, wie stark der Konflikt die USA und ihre Verbündeten belastet.
17.09.2026 | 30:53 minDer Angriff auf Iran kommt die USA teuer zu stehen. Elf US-Soldaten verloren seit Beginn der Angriffe im Februar ihr Leben "im Einsatz", heißt es aus dem Pentagon. Auch die Kosten sind immens: Ein Bericht des unabhängigen Haushaltsbüros des Kongresses bezifferte die bisherigen militärischen Kosten der "Operation Epic Fury" für die USA auf 38 Milliarden Dollar. Hinzu kommen die hohe Inflation und Wohlstandsverluste durch höhere Ölpreise infolge der Sperrung der Straße von Hormus.
Aktuell spitzt sich auch die Lage in der Meerenge Bab al-Mandab zu: Die Durchfahrt durch die alternative Handelsroute wird von den mit Iran verbündeten Huthi-Rebellen unter Kontrolle gehalten. Bei ZDFheute live schlägt der Militärökonom Marcus M. Keupp deshalb Alarm: "Immer, wenn sie glauben, es könnte nicht noch schlimmer kommen, dann kommt es eben doch noch schlimmer." Denn:
Wir haben jetzt nicht nur eine Energiekrise mit steigenden Ölpreisen, wir bekommen jetzt auch eine logistische Krise.
Marcus M. Keupp, Ökonom an der Militärakademie der ETH Zürich
Die Huthi rücken im Jemen weiter vor. Zugleich wächst die Gefahr für die wichtige Meerenge Bab al-Mandab und damit für den Ölhandel.
14.09.2026 | 2:30 minForscher: Inflation wird nicht schlimm, sie wird "sehr schlimm"
Die mit Iran verbündeten Huthi hatten in einer Blitzoffensive in der vergangenen Woche die gesamte Westküste des Jemen überrannt und strategisch gelegene Inseln erobert. Sie haben damit praktisch uneingeschränkten Zugriff auf Bab al-Mandab. Die Meerenge sei "das Tor hin in Richtung Suez-Kanal" und betreffe Warentransporte nach Europa hinein, erklärt Keupp. Außerdem verbindet sie Saudi-Arabien mit Südostasien und auch China.
Die Folgen seien dramatisch: "Die Inflation, die dadurch entsteht, ist nicht nur schlimm, wie in einer Energiekrise, sondern sie wird jetzt sehr schlimm."
Energie- plus Logistikkrise. Das ist eigentlich die schlimmstmögliche aller Welten.
Marcus M. Keupp, Militärökonom
Experte: Folgen des Iran-Kriegs als "einzigartige Warnung"
Hinter der Krise in den Handelsrouten im Nahen Osten sieht der Militärökonom ein "strategisches Versagen" der USA - insbesondere des Präsidenten Donald Trump. "Sie schlagen einfach zu, ohne an die Folgen zu denken." Es habe keine militärische Vorbereitung oder Abstimmung mit Saudi-Arabien gegeben. "Es kommt völlig überraschend. Es ist ein Dilettantentum."
Zwar zweifle er nicht an der geistigen Gesundheit des US-Präsidenten, so Keupp, aber: "Ich glaube aber, Trump wird welthistorisch gesehen eine einzigartige Warnung sein."
Was wir hier sehen, ist ein wirtschaftspolitisches Experiment, wie man es nicht macht, und hoffentlich eine Warnung für künftige Generationen.
Marcus M. Keupp, Militärökonom
... zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt und verbindet das Rote Meer mit dem Indischen Ozean. Seit der weitgehenden iranischen Blockade der Straße von Hormus hat die Meerenge zusätzlich an Bedeutung gewonnen.
Quelle: AFP
"Die Situation für die Menschen vor Ort ist wirklich katastrophal", sagt ZDF-Reporterin Jenifer Girke zu den Angriffen der Huthi im Jemen.
14.09.2026 | 3:15 minZinsanhebung könnte erst der Anfang sein
Die nun auch in den USA gestiegenen Kraftstoffpreise seien für die US-Verbraucher "nicht mehr tragbar". Weil auch der Transportsektor der Vereinigten Staaten vor allem auf Verbrenner-Trucks basiere, drohe ein Übergreifen der Kraftstoffpreise auf die Warenpreise, so Keupp. "Und wenn sie [die Inflation] da mal drin ist, dann kriegen Sie die nicht mehr raus."
Die jüngste Erhöhung des US-Leitzinses durch die Notenbank Fed sei angesichts der steigenden Inflation folgerichtig, urteilt der Ökonom. Die Anhebung um ein Viertelprozent sei möglicherweise nur "der erste von mehreren Schritten". Dem US-Präsidenten gefalle das nicht: Zinserhöhungen seien "das Allerletzte, was Trump jetzt gerade braucht vor den Midterms".
Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins erhöht - zum ersten Mal seit 2023.
16.09.2026 | 1:30 minExperte: Europa kann aus diesem Scheitern lernen
Einen raschen Ausweg aus der Spirale sieht Keupp nicht: "Ich denke mittlerweile, man muss Trump wirklich diese Politik zu Ende führen lassen, bis sie spektakulär scheitert in allen Bereichen, einfach um dieses wirtschaftliche Experiment, so schrecklich es auch ist, aufzuzeigen für die künftige Menschheitsgeschichte: 'Sowas bitte nie wieder machen. Ihr seht, was dabei herauskommt'."
Es ist ökonomisch eine Katastrophe.
Marcus M. Keupp, Militärökonom
Sein Handeln hat Folgen für die ganze Welt: US-Präsident Donald Trump.
Quelle: AFP | BRENDAN SMIALOWSKILangfristig seien neue Allianzen eine Perspektive für Europa: Die engere Verbindung der EU zu Kanada, wie sie aktuell von beiden Seiten begrüßt wurde, sei vielversprechend: "Ich finde es sehr interessant, weil dadurch eben die europäische Idee auch ein bisschen breiter wird."
Komme es mit Trumps Politik so, wie er es erwarte, sei dies allerdings auch eine große Chance für Europa: "Weil irgendjemand muss dann da sein, der die Prinzipien von Offenheit, Freiheit, Demokratie und Welthandel noch aufrechterhält."
Und ich denke, da kann man sehr viel lernen aus diesem Scheitern.
Marcus M. Keupp, Militärökonom
Das Interview führte ZDFheute live-Moderator Christopher Wehrmann. Autor der Zusammenfassung ist ZDFheute-Redakteur Silas Thelen.
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