Konfliktforscherin Jasim: Ziel der Kurden "politische Autonomie"

Interview

Dr. Dastan Jasim:Konfliktforscherin: Ziel der Kurden "politische Autonomie"

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Das wichtigste Ziel für die kurdische Bevölkerung sei "in erster Linie Unversehrtheit", sagt die Konfliktforscherin Dr. Dastan Jasim über die Rolle der Kurden im Iran-Krieg.

SGS-jasmin-Gökdemir

Sehen Sie das Interview mit der Konfliktforscherin Dr. Dastan Jasim hier in voller Länge.

07.03.2026 | 4:09 min

Der Krieg in Nahost droht sich auch auf Irak auszubreiten. Dort leben viele in Iran verfolgte Kurden. Vor allem in der Region um Erbil. Exil-Iraner könnten nun versuchen, als Kämpfer in Iran vorzurücken, mithilfe der USA und Israels.

Ob ihr Einmarsch nur noch eine Frage der Zeit ist und welche Risiken solch ein bewaffneter Einmarsch bergen könnte, dazu hat Dastan Jasim, Konfliktforscherin am Giga Institut für Nahost-Studien, Antworten.

Sehen Sie das Interview oben in voller Länge oder lesen Sie es unten in Auszügen.

Im Gespräch mit dem ZDF heute journal update betont Jasim, dass ...

... eine regionale Eskalation bevorsteht

Ob es in Kürze zu einem Einmarsch kurdisch-iranischer Kämpfer in Iran kommt, sei derzeit schwer abzusehen, sagt Jasim. Die Berichte dazu seien momentan "ziemlich widersprüchlich", und vieles sei noch unklar. Sicher sei aus ihrer Sicht jedoch, "dass wir gerade vor einer krassen regionalen Eskalation stehen".

Gleichzeitig seien die Signale aus Washington uneindeutig. Die USA seien in diesem Konflikt "natürlich die Kingmaker".

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... es den Kurden in erster Linie um "Unversehrtheit" gehe

Angenommen, es käme zu einem Einmarsch, dann wäre das wichtigste Ziel aus Sicht der kurdischen Bevölkerung "Unversehrtheit". Man dürfe nicht vergessen, dass "den gesamten Januar über Zehntausende schätzungsweise im Iran getötet" worden seien, sagt sie mit Blick auf das Vorgehen des Regimes.

Hinzu kämen nun die aktuellen militärischen Entwicklungen zwischen Israel und Iran. Besonders in den kurdischen Gebieten gebe es große Angriffe, sowohl von israelisch‑US-amerikanischer Seite als auch vom iranischen Regime. Dort Sicherheit zu schaffen, sei daher ein zentrales Anliegen.

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In dem Land lebten etwa 90 Millionen Menschen, darunter "mindestens zehn Millionen Kurden", sagt sie. Die Kurden bewohnten zudem ein großes Territorium.

Wir sprechen da von einem Gebiet, was ungefähr zweimal so groß ist wie Österreich, was die Kurden in Iran bewohnen.

Dastan Jasim, Konfliktforscherin

Langfristig gehe es den beteiligten Parteien ihrer Einschätzung nach zudem um "politische Autonomie". Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte sei für viele Kurden deutlich geworden, dass sie "weder unter einer Monarchie noch unter einem Mullah‑Regime eben eine Sicherheit haben konnten im Land".

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... es eine wachsende Solidarität zwischen kurdischen Gruppen gebe

Viele irakische Kurden befürchten, noch mehr in diesen Krieg hineingezogen zu werden. Jasim glaubt nicht, dass ein möglicher Konflikt automatisch zu Spannungen zwischen iranischen und irakischen Kurden führen würde. Die Akteure seien "ziemlich realpolitisch eingestellt".

Zudem stünden viele irakische Kurden schon seit längerer Zeit unter Druck durch Iran und mit Teheran verbündete Milizen. Angriffe auf kurdische Gebiete im Irak würden "durch den Iran, durch iranische Milizen" erfolgen, die teils selbst im Irak aktiv seien. Diese Problematik hätten viele Menschen dort "schon vor der Haustür und das schon seit langer Zeit", sagt sie. Entsprechend sei die Bedrohung für die Bevölkerung nichts Neues.

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Gleichzeitig verweist sie auf eine wachsende Solidarität zwischen kurdischen Gruppen in der Region. Beim jüngsten Vorgehen gegen Kurden in Syrien hätten auch Kurden im Irak Unterstützung gezeigt und sich früh positioniert. Das habe aus ihrer Sicht auch mit der fragilen Sicherheitslage in der Region zu tun.

Viele Kurden wüssten, "dass diese Grenzen und auch die Sicherheitsarchitektur in der Region überhaupt nicht gegeben sind". Angriffe in einem Gebiet würden deshalb oft auch als Bedrohung für andere kurdische Regionen wahrgenommen.

Das Interview führte Nazan Gökdemir.

Über dieses Thema berichtete das ZDF im heute journal update am 07.03.2026 ab 00:21 Uhr.
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