Friedenspreisträger im heute journal:Sands kritisiert deutsches Schweigen
Philippe Sands wurde mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt. Im ZDF spricht er über die Krise des Völkerrechts und Deutschlands Umgang mit dem Nahost-Konflikt.
Der Friedenspreisträger Sands fordert Deutschland auf, das Schweigen über Israels Völkerrechtsverletzungen zu brechen. Es sei jetzt an der Zeit, Klartext zu reden.
11.10.2026 | 7:23 minDer britisch-französische Jurist und Autor Philippe Sands wurde heute in der Frankfurter Paulskirche mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Der Professor für internationales Recht, der abstrakte Begriffe wie Völkerrecht und Menschenrechte in seinen Büchern greifbar macht, wurde für seinen Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Völkerrecht geehrt.
Im "heute journal"-Interview beschreibt der 65-Jährige die fragile Lage des Völkerrechts und übt deutliche Kritik an der politischen Zurückhaltung Deutschlands.
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Auszeichnungen wie der Friedenspreis seien ein wichtiges Signal, da sie zeigten, dass das Völkerrecht vielen Menschen weiterhin wichtig sei, auch wenn andere versuchten, die um 1945 entstandenen Regeln zu demontieren, erläutert Sands.
Der britisch-französische Autor und Jurist Philippe Sands hat für seinen Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Völkerrecht den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten.
11.10.2026 | 0:24 minSands glaubt an Zukunft des Völkerrechts
Mit Blick auf die US-Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof bedauert er es sehr, dass ausgerechnet die USA, die maßgeblich zur Etablierung des modernen Völkerrechts beigetragen hätten, dieses unter der aktuellen Präsidentschaft nun abbauen wollten. Die Entwicklung des Völkerrechts gehe "mal hoch, mal wieder runter, einen Schritt nach vorne, einen Schritt nach hinten". Dennoch betont Sands:
Ich habe keine Zweifel, dass diese Regeln überleben werden und dass wir auch wieder zurückkehren werden zum Weg des Völkerrechts.
Philippe Sands, Völkerrechtler
Kurzfristig blickt er jedoch eher pessimistisch auf die kommenden Monate und Jahre, in denen er weitere Verletzungen der territorialen Integrität und Angriffe auf Zivilisten erwartet.
Gestern Abend wurde der "Deutsche Buchpreis 2026" verliehen. Siegerin ist Shida Bazyar mit ihrem Werk "Die Lücken". Darin schildert die Autorin die NS-Geschichte ihres Heimatortes im Hunsrück.
06.10.2026 | 1:42 minSands appelliert an Deutschlands moralische Autorität
Im Interview mit Christian Sievers kritisiert Sands auch das von ihm als unanständig empfundene deutsche Schweigen bezüglich des israelischen Vorgehens im Gazastreifen und im Westjordanland. Zwar habe er aufgrund der deutschen Geschichte Verständnis für die Angst, als antisemitisch angeprangert zu werden, doch besitze Deutschland zugleich eine sehr starke moralische Autorität.
Doppelmoral geht einfach nicht.
Philippe Sands, Völkerrechtler
Es gehe nicht an, die Regelverstöße von ungeliebten Akteuren zu verurteilen, während man bei Freunden wegschaue. Dieses Schweigen schaffe einen Raum für jene, die das Recht missachten wollen.
Man könne nicht im Ausland Verbrechen unkritisiert lassen und gleichzeitig im Inland auf Bigotterie zeigen - dies begünstige Entwicklungen, die sich auch in jüngsten Wahlergebnissen in Deutschland widergespiegelt hätten.
Das Interview führte heute-journal-Moderator Christian Sievers.
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