ICE-Razzien in den USA: In Minneapolis wachsen Angst und Protest

Unruhe in den USA:ICE-Razzien in Minneapolis: Angst und Protest wachsen

USA-Korrespondent David Sauer

von David Sauer, Minneapolis

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Die Einwanderungsbehörde ICE jagt in Minneapolis Menschen ohne Papiere - und interniert viele davon in einem Lager in Texas. Das könnte ein nationales Modell werden.

Protestierende gegen Einwanderungsbehörde ICE auf Straßen in Minnesota

Nach dem Tod einer Mutter in Minnesota durch einen ICE-Beamten steigt der Widerstand gegen Trumps Abschiebepolitik. Zehntausende Menschen sitzen in Abschiebezentren der Einwanderungsbehörde.

21.01.2026 | 13:28 min

Trotz minus zehn Grad Celsius kommt William Kelly seit mehreren Wochen täglich zum ICE-Quartier in Minneapolis. Mit Cowboyhut und Warnweste ist der zwei Meter große Veteran den Beamten bereits bestens bekannt. Er ist einer der Wortführer des Protests gegen die massiven Razzien der Einwanderungsbehörde ICE in der demokratisch regierten Stadt. "Es ist so verdammt wichtig, jetzt friedlich zu bleiben. Gebt ihnen nicht, was sie wollen. Sie sind in Minneapolis, weil sie Gewalt wollen", ruft William Kelly in die Menge.

Per Lautsprecher schicken die ICE-Männer eine Warnung an William: "Gehen Sie von der Straße. Sie wurden identifiziert. Sie werden verhaftet." William denkt gar nicht daran, zu gehen und Sekunden später beginnt eine Verfolgungsjagd. Drei Dutzend Behelmte mit Waffen überwältigen ihn, ab in den nächsten Minibus.

Proteste seit Tod von Renee Good

Auch Tess, Mitte 30, protestiert dick eingepackt gegen die eisigen Winde. "Es fühlt sich an, als wären wir überfallen worden. Es macht mir Angst, wie viel Gewalt die gegen uns Bürger anwenden, gegen unsere Nachbarn."

Das sind Menschen, die sind Teil unserer Gemeinschaft.

Tess, Demonstrantin

Seit mehreren Wochen ziehen Tausende ICE-Beamte durch Minneapolis, auf der Suche nach Menschen ohne Papiere. Sie brechen Türen auf, kontrollieren anlasslos Dokumente, auch von Staatsbürgern. Der vierte Zusatzartikel der US-Verfassung verbietet das.

Asueinandersetzung zwischen Militär und Protestern.

In Minnesota erschoss ein ICE-Beamter eine Frau, die mit ihrem Auto die Straße blockierte. Der Vorfall löst landesweit Empörung und scharfe Debatten über das Vorgehen der Behörde aus.

08.01.2026 | 1:40 min

Dagegen gab es Widerstand, aber der Wendepunkt kam am 7. Januar, als Renee Good, eine dreifache Mutter, von einem ICE-Agenten erschossen wurde. Sie hatte die Straße mit ihrem Auto blockiert. Die Regierung erklärte sie zur Terroristin, sie habe den Schützen umfahren wollen. Tess sieht in dem Vorgang eine Warnung:

Der Mord an Renee Good hat bei vielen Menschen dafür gesorgt, dass wir erkennen, dass wir nicht sicher sind. Das gilt für die ganze Welt.

Tess, Demonstrantin

Am 24. Januar ist erneut ein Mensch bei einem ICE-Einsatz erschossen worden: der 37-jährige Alex Pretti.

Menschen Gedenken einem Todesopfer in Minessota. Auf dem Boden sind Blumen und Bilder vom Opfer zu erkennen.

Beamte der ICE- Einwanderungspolizei erschossen einen 37-Jährigen in Minneapolis – angeblich wurden sie von dem Opfer mit einer Waffe bedroht. Videos erwecken Zweifel daran.

25.01.2026 | 1:40 min

Mega-Internierungslager in Texas

Viele Menschen, die ICE in Städten wie Minneapolis festnimmt, landen in El Paso, Texas. Ein Mega-Internierungslager in der Wüste, ausgelegt für 5.000 Insassen. Auch Ricardo Chavez war vor seiner Abschiebung in "Camp East Montana" untergebracht.

Wir durften nur einmal pro Woche rausgehen. Die haben uns Essen gegeben, das sechs Monate im Gefrierschrank lag. Als wären wir wilde Tiere.

Ricardo Chavez

Sein Asylverfahren lief noch, als er von ICE in Miami festgenommen wurde.

US-MEXICO-POLITICS-BORDER-IMMIGRATION

Mitten in der texanischen Wüste wächst das größte Internierungslager der USA - halb Baustelle, halb Betrieb. Doch wer sitzt dort fest, unter welchen Bedingungen? USA-Korrespondent David Sauer hat in El Paso nachgeforscht.

01.12.2025 | 4:40 min

Camp East Montana liegt auf einem Militärgelände und gilt als Blaupause für weitere Lager. Wir sind verabredet mit Alan vom "Border Network for Human Rights". Die Gruppe will Menschen vor Abschiebung schützen und denen helfen, die der Staatsmacht hilflos gegenüberstehen. "Camp East Montana ist ein Test. Sie bauen Haftanstalten auf Militärgeländen. Das wird hier in den Vereinigten Staaten ein nationales Modell", sagt Alan.

Problematisch sei auch, dass der Betreiber finanzielle Interessen verfolgt. Je mehr Insassen ICE liefert, desto größer der Gewinn, erklärt Alan.

Das Lager wurde gegen den Willen der lokalen Politik errichtet. County Commissioner David Stout erzählt uns: "Es gibt keinerlei Aufsicht oder Kontrolle. Das führt zu Missbrauch." Auch er erhalte keine Informationen, keinen Zutritt zum Lager.

Donald Trump vorm Weißen Haus

Die Dokumentation beschreibt, wie das System Trump funktioniert, und erkundet nah an den Menschen im Land die Folgen der Politik des Präsidenten.

20.01.2026 | 44:06 min

ICE-Budget steigt auf 37 Milliarden Dollar

In Trumps zweiter Amtszeit ging das ICE-Budget in schwindelerregende Höhen, auf jetzt 37 Milliarden Dollar jährlich. Die Behörde ist nun die größte Strafverfolgungsstelle des Landes.

Der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, sieht in ICE ein Werkzeug der Trump-Regierung, um die Stadt auf Linie zu bringen. "Hier geht es nicht um Sicherheit oder um Kriminalität, sondern um Einschüchterung. Aber hier in Minneapolis lassen wir uns nicht einschüchtern", sagt Frey.

Bundesbeamte der Einwanderungsbehörde konfrontieren Demonstranten vor dem Bishop Henry Whipple Federal Building in Minneapolis.

Die US-Einwanderungsbehörde ICE wird auch im Bundesstaat Maine eingesetzt. Laut Anordnung soll das gewaltsame Eindringen in Wohnhäuser ohne richterlichen Durchsuchungsbefehl möglich sein.

22.01.2026 | 0:25 min

Trump droht weiter, die Stadt militärisch zu besetzen, mit dem sogenannten "Insurrection Act", dem Aufstandsgesetz. 1.500 Soldaten stehen dazu schon bereit. Die Nationalgarde Minnesotas hat der Gouverneur des Bundesstaats bereits mobilisiert. Eine Konfrontation von Truppen des Bundesstaats und des Bundes würde das ganze Land an den Abgrund bringen. Protestführer William Kelly glaubt, das könnte in den Untergang führen:

Das endet mit dem Ende der Republik. Oder vielleicht im Bürgerkrieg.

William Kelly, Protestführer Minneapolis

Gerade deshalb steht er auch nach seiner Freilassung wieder mitten in der Menge und peitscht die anderen Demonstranten an.

Sendungsbezug: Über dieses Thema berichtete das auslandsjournal am 21.01.2026 um 22:15 Uhr.

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  1. Polizeibeamte am Tatort eines gemeldeten Schusswaffengebrauchs am  14. 1. 2026, in Minneapolis.

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  2. Tränengas wird gegen Demonstranten eingesetzt, nachdem es in der Nähe des Ortes, wo Renee Nicole Good von einem ICE‑Beamten erschossen wurde, zu Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und Bundesbeamten kommt.
    FAQ

    Nach tödlichen Schüssen in Minneapolis:Was hinter ICE steckt - und wie Trump die Behörde aufrüstet

    Katharina Schuster, Washington D.C.
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  3. Eine Person läuft vor einer Reihe von Plakaten, auf denen "Renee Nicole Good, American Mom, Murdered by ICE" zu lesen ist.

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