Mexiko: Lehrerproteste vor WM-Start im Aztekenstadion

Soziale Unruhen im Gastgeberland:Lehrerproteste vor WM-Start: Mexiko im Fokus der Aktivisten

von Christian Semm, Mexiko

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Kurz vor der WM mehren sich in Mexiko Proteste: Lehrkräfte, indigene Gruppen und Angehörige von Vermissten nutzen die internationale Aufmerksamkeit.

Lehrer und Schüler der Schule von Ayotzinapa marschieren am 09.06.2026 zum Stadion in Mexiko-Stadt.

Kurz vor dem Eröffnungsspiel der WM im Azteken-Stadion in Mexiko-Stadt haben tausende Demonstrierende den Haupt-Zugang zu der Sportstätte blockiert.

Quelle: AFP

Wer in diesen Tagen durch Mexiko-Stadt läuft oder fährt, kommt an ihnen nicht vorbei. An vielen verschiedenen Stellen der Megacity gibt es immer wieder kleine Protestaktionen und größere Demonstrationen. Es ist ein Buhlen um Aufmerksamkeit. Kurz vor der Fußball-WM bringen verschiedene Gruppen ihre Anliegen auf die Straße, in der Hoffnung, dass sich etwas ändert. Klimaschützer, Angehörige von Vermissten, FIFA-Gegner oder auch indigene Gruppen sind nur einige, die versuchen, sich Gehör zu verschaffen.

Doch eine Gruppe hat es geschafft, auch die internationale Aufmerksamkeit mit teils massiven Protestaktionen auf sich zu ziehen: die Lehrerinnen und Lehrer. Dabei sorgen sie zeitweise für einen Verkehrskollaps in der ohnehin vom Stau geplagten Millionenstadt.

Lehrerproteste legen Verkehr in Mexiko Stadt lahm

Aus dem ganzen Land sind sie zu Tausenden in die Hauptstadt gekommen. Auf dem Paseo de Reforma, einer der wichtigsten Verkehrsachsen der Metropole, legen die Lehrkräfte zeitweise den Verkehr lahm. Zelte werden aufgebaut, die Straße wird mit lauter Folklore beschallt, und passenderweise wird auch Fußball gespielt. Eine Stimmung wie auf einem großen Campingplatz.

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Aber sie meinen es ernst, sagt Javier Gutiérrez von der Lehrergewerkschaft CNTE: "Die Regierung will mit der WM viele Dinge verdecken, die es in unserem Land gibt."

Wir wollen diese internationale Aufmerksamkeit nutzen, um der Welt mitzuteilen, dass die Beschäftigten im Bildungsbereich in ihren Rechten schwer verletzt werden.

Javier Gutiérrez, Lehrergewerkschaft CNTE

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Lehrkräfte fordern mehr Lohn und Rentenreform

Mexikanische Medien berichten, dass Grundschullehrer an öffentlichen Schulen im Schnitt rund 7.890 Pesos verdienen - umgerechnet knapp 400 Euro brutto. Den Lehrern geht es neben einer Gehaltserhöhung vor allem aber um eine Rentenreform.

Juan Ramírez ist aus der Stadt Oaxaca in die Hauptstadt gekommen, um zu demonstrieren: "Das betrifft nicht nur uns Lehrer, sondern die gesamte arbeitende Bevölkerung des Landes. Viele Menschen ärgern sich über diese Demonstrationen. Wir kommen nicht, um mit der Gesellschaft zu kämpfen. Aber viele haben noch nicht verstanden, dass in Zukunft entweder ihre Kinder oder sie selbst unter einer solch miserablen Rente leiden werden."

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Präsidentin Sheinbaum kritisiert Proteste vor WM

Und der Protest geht weiter. Zwei Tage vor dem WM-Eröffnungsspiel blockierten Demonstrierende den Hauptzufahrtsweg zum Aztekenstadion. Unbedingt verhindern will die Regierung, dass die Lehrer auf den berühmten Zócalo kommen.

Hier findet nämlich das FIFA-Fanfest statt, das Fußballfest soll nicht gestört werden. Der zentrale Hauptplatz von Mexiko-Stadt gleicht deshalb einer Festung. Mit riesigen Metallwänden sind die Zugangswege blockiert, die Polizei kontrolliert den Einlass. In den umliegenden Straßen haben die Lehrerinnen und Lehrer ein Campinglager mit Zelten errichtet.

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Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum hat bislang ausgeschlossen, gegen die Demonstrierenden vorzugehen, verurteilt aber die Proteste.

Proteste erreichen Aztekenstadion kurz vor WM-Start

Und trotz der aufgeheizten Stimmung freuen sich viele Mexikaner auf die WM. Der mexikanische Fußballfan Yair fasst es so zusammen: "Überall auf der Welt gibt es politische Probleme. In den USA, in Europa, auch in Mexiko. Aber das hält die Mexikaner nicht davon ab, Spaß zu haben." Den Lehrern ist der Spaß jedenfalls vergangen.

Wenn sich die verschiedenen Gruppen mit ihren unterschiedlichen Interessen jetzt zusammentun würden, könnten sie noch mehr Druck auf die Regierung ausüben. Und genau das wollen sie am Tag des WM-Eröffnungsspiels in Mexiko-Stadt erreichen.

Die Lehrergewerkschaft hat zu einer Massendemonstration aufgerufen, an der sich auch die Angehörigen von Vermissten beteiligen sollen. Und Präsidentin Sheinbaum verspricht, das WM-Eröffnungsspiel werde trotz der Proteste "garantiert" stattfinden.

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Über die Fußball-WM berichtet das ZDF fortlaufend, über Mexiko-Stadt vor der WM berichtete das gemeinsame Mittagsmagazin von ARD und ZDF am 05.06.2026 ab 12:00 Uhr.

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