Grenzkontrollen und Einreiseverbote:Überschattet die restriktive Einreisepolitik der USA die WM?
Dem somalischen WM-Schiedsrichter Artan wurde die Einreise in die USA verweigert. Politologe Ohnesorge warnt vor Imageschäden und betont: "Das sind nicht Trumps Veranstaltungen."
Die Politisierung von Fußball sei größer als in Deutschland, so USA-Experte Ohnesorge. Trump lebe von Aufmerksamkeit und wisse, die Medien für seine Zwecke zu nutzen.
09.06.2026 | 16:51 minAm Donnerstag beginnt die Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko. Einzelne Beteiligte wurden bei der Anreise in die USA an der Grenze aufgehalten. So wurde dem Schiedsrichter Omar Artan aus Somalia am Flughafen von Miami die Einreise verweigert. Auch Teile der iranischen Delegation wurden abgewiesen.
Die FIFA bestätigte, Artan werde nicht bei der WM trainieren und zum Einsatz kommen können. Man sei von den US-Behörden zudem informiert worden, dass sich der Status von Artan derzeit nicht ändern werde. Warum Artan nicht einreisen durfte, ist bislang nicht öffentlich bekannt. Formelle Fehler seien ihm nicht unterlaufen, sagte Artan selbst der "New York Times": "Ich hatte die richtigen Papiere und alles andere. Ich hatte das richtige Visum."
Die Chancen, dass der somalische Schiedsrichter Omar Artan noch bei der Fußball-WM eingesetzt wird, stehen nach Einschätzung des ZDF-Sportreporters Nils Kaben nahe Null.
09.06.2026 | 9:08 minDer Fall zeigt, wie stark Politik und Sport zusammenhängen. Politikwissenschaftler Hendrik Ohnesorge sieht die USA innenpolitisch unter Druck, während das internationale Image der USA Schaden nehme.
Sehen Sie das Interview mit Hendrik Ohnesorge bei ZDFheute live oben in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen:
Experte: Eigentlich waren Ausnahmen für Sportler vereinbart
Aus Sicht von Ohnesorge sind die aktuellen Fälle Teil einer längerfristigen Entwicklung. Die USA verfolgten "eine sehr, sehr restriktive" Einreise- und Besuchspolitik, die nicht erst mit der WM begonnen habe.
Bereits seit Monaten habe es für mehrere Staaten Einreiseverbote oder ausgesetzte Visa-Verfahren gegeben, unter anderem für Somalia. Es gehe nicht nur "um permanente Aufenthaltserlaubnis, sondern auch um die Einreise zu ganz konkreten Anlässen".
...ist Akademischer Oberrat am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bonn und Geschäftsführer des Center for Global Studies. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf internationalen Beziehungen, US-Außenpolitik und transatlantischen Beziehungen. Er habilitierte sich 2025 und ist als Gastwissenschaftler in den USA sowie als Autor zahlreicher Fachpublikationen tätig.
Doch für Sportlerinnen und Sportler seien eigentlich Ausnahmen vereinbart worden. Viele Entscheidungen seien jedoch kurzfristig bekanntgegeben worden, daher schwinge eine gewisse Unsicherheit mit, so Ohnesorge. Trump scheine nicht daran interessiert gewesen zu sein, sich von vornherein um solche Ausnahmen zu kümmern. Ein Imageschaden für die USA sei nicht mehr abzuwenden.
Dem Land und dem Ruf des Landes, dem ja eigentlich ein solches Ereignis wohltun soll, tut es sicherlich nicht gut.
Hendrik Ohnesorge, Politikwissenschaftler der Universität Bonn und Geschäftsführer des Center for Global Studies
Welche Rolle Trump bei der gescheiterten Einreise spielt
Im Dezember hatte US-Präsident Donald Trump das Land Somalia am Ende einer Kabinettssitzung als "Müll" bezeichnet und Flüchtlinge, unter anderem aus Somalia" als Hauptgrund für gesellschaftliche Probleme in den USA angeführt. Im konkreten Fall des somalischen Schiedsrichters muss es Ohnesorge zufolge "ganz offensichtlich" an seiner Nationalität gelegen haben.
Ende 2025 hatte US-Präsident Trump Menschen aus Somalia beleidigt. Sie würden den Bundesstaat Minnesota ruinieren, ihr Heimatland sei "stinkend". Müll sollte nach Trumps Aussage nicht in den USA bleiben.
03.12.2025 | 1:12 minGleichzeitig betont er, dass es sich formal um Einzelfallentscheidungen von Grenzbeamten handle. Die politische Linie aus Washington und die Aussagen Trumps bildeten jedoch den Rahmen, in dem solche Entscheidungen getroffen würden. Diese seien vor allem innenpolitisch bedeutend:
Trump wurde gewählt aufgrund der wirtschaftlichen Situation, die er versprach, zu verbessern, und aufgrund der Migrationspolitik.
Hendrik Ohnesorge, Politikwissenschaftler der Universität Bonn und Geschäftsführer des Center for Global Studies
Die Einreiseverbote seien daher im Kontext der im November stattfindenden Midterms und allgemein von Wahlen zu verstehen.
WM bringt internationale Aufmerksamkeit
Doch auch die WM könnte von Trump politisch genutzt werden. "Trump und Medien, das ist schon seit Jahrzehnten eine Symbiose und er hat auch ein gewisses Gespür dafür", so Ohnesorge.
In den Zeitpunkt der Weltmeisterschaft falle auch der 80. Geburtstag und der 250. Jahrestag der Vereinigten Staaten. Letzterer werde bereits seit Jahren vorbereitet und sei innenpolitisch wohl die bedeutendere Großveranstaltung.
Der Fußball in den USA hat viele Wandlungen erlebt: Bei der WM 1994 galt Amerika noch als Entwicklungsland in Sachen Fußball. Jetzt könnte der Durchbruch zum Mainstream gelingen.
10.06.2026 | 2:41 minDoch international könnte die erhöhte Aufmerksamkeit, die den USA durch die WM zufällt, auch eine Chance für Öffentlichkeit und Medien sein, problematische Entwicklungen sichtbarer zu machen. Das Motto der FIFA sei, "dass Sport eben auch vereinigen kann, zusammenführen kann".
Trump ist allerdings jemand, der eher dafür bekannt ist und auch damit letztlich auch politisch erfolgreich ist, dass er mobilisiert und eher spaltet.
Hendrik Ohnesorge, Politikwissenschaftler der Universität Bonn und Geschäftsführer des Center for Global Studies
Politologe: "Die USA sind mehr als Donald Trump"
Gleichzeitig warnt Ohnesorge davor, die USA auf Trump zu reduzieren: "Das sind nicht Trumps Veranstaltungen, das ist auch nicht Trumps Amerika." Viele Austragungsorte seien "alles andere als in MAGA-Hand", sondern stünden für ein weltoffenes, liberales Amerika.
Wir dürfen nicht den Fehler machen, die USA gleichzusetzen mit Donald Trump oder auch die WM. (...) Die USA sind mehr als Donald Trump.
Hendrik Ohnesorge, Politikwissenschaftler der Universität Bonn und Geschäftsführer des Center for Global Studies
Die WM gebe dem Land die Chance, ein ganz anderes Gesicht von Amerika zu zeigen, so der Politikwissenschaftler.
Das Interview führte ZDFheute-live-Moderatorin Barbara Parente.
Mit Material von sid und dpa.
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