Abstimmung in Städten und Gemeinden:Frankreich: Rechtspopulisten legen bei Kommunalwahlen zu
Bei den Kommunalwahlen in Frankreich liegt das Rassemblement National in mehreren Städten vorn. In Paris führt laut Prognosen der sozialistische Kandidat Emmanuel Grégoire.
Nach der ersten Runde der Kommunalwahlen in Frankreich hat das rechtsnationale Rassemblement National besser abgeschnitten als bei der letzten Wahl. In 58 Kommunen lagen die Rechten vorn.
16.03.2026 | 0:20 minBei den Kommunalwahlen in Frankreich hat die rechtspopulistische Partei Rassemblement National (RN) in der ersten Runde deutlich besser abgeschnitten als beim vorigen Mal.
RN-Kandidaten lagen in 58 Kommunen vorn, wie das Innenministerium nach der Auszählung eines Großteils der Stimmen in der Nacht zu Montag mitteilte. 2020 war dies nur in elf Kommunen der Fall. In Paris lag laut Hochrechnungen der sozialistische Kandidat Emmanuel Grégoire weit vorn. Das RN erreichte dort, ebenso wie in den Großstädten Bordeaux, Lyon und Straßburg weniger als acht Prozent der Stimmen.
In Frankreich gelten die Kommunalwahlen als wichtiger Stimmungstest vor der Präsidentschaftswahl 2027.
13.03.2026 | 4:40 minLe Pen spricht nach Kommunalwahl von "riesigem Sieg"
RN-Fraktionschefin Marine Le Pen sprach bereits von einem "riesigen Sieg" für die Partei. Nach Ansicht von Parteichef Jordan Bardella haben viele RN-Kandidaten "gute Aussichten auf einen Sieg" in der zweiten Runde.
Knapp 49 Millionen Menschen im Land waren zu dem Urnengang aufgerufen, bei dem Tausende Gemeindevertreter gewählt werden. Diese bestimmen dann im Anschluss den Bürgermeister oder die Bürgermeisterin. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 57 Prozent, sieben Punkte weniger als 2014. Es handelt sich um ein historisches Tief, mit Ausnahme der Wahl von 2020, die während der Corona-Pandemie stattfand. Der Wahlkampf war zuletzt vom Beginn des Iran-Kriegs überschattet.
In der Mehrzahl der Gemeinden und in praktisch allen Großstädten, wo keine absolute Mehrheit erreicht wird, gibt es am kommenden Sonntag (22. März) einen zweiten Wahlgang.
In Frankreich ist es schwierig geworden, Kandidaten für das Bürgermeisteramt zu finden - ein Symptom einer zunehmenden Politikmüdigkeit.
11.03.2026 | 6:21 minMehrere RN-Bürgermeister im Amt bestätigt
Gut ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl, bei der Emmanuel Macron nach zwei Amtsperioden nicht mehr antreten kann, gelten die Ergebnisse als richtungsweisend. Allerdings lassen sie sich nur beschränkt auf die nationale Lage übertragen, da viele Kandidaten bei den Kommunalwahlen antreten, ohne sich zu einer bestimmten Partei zu bekennen. Zudem hat Frankreich rund 35.000 überwiegend kleine und ländliche Kommunen, in denen die Bürgermeister weniger für ihre politische Linie als für ihr Lokalmanagement gewählt werden.
Zu den am Sonntag im Amt bestätigten RN-Bürgermeistern zählte Louis Aliot im südfranzösischen Perpignan, der nach dem vorläufigen Endergebnis in der ersten Runde bereits die absolute Mehrheit erreichte. Die südfranzösische Hafenstadt ist bislang die größte Stadt mit einem RN-Bürgermeister. Aliot ist allerdings gemeinsam mit RN-Fraktionschefin Marine Le Pen in einem Veruntreuungsverfahren angeklagt und könnte im Fall einer Verurteilung durch das Berufungsgericht das Amt wieder verlieren.
Im Amt bestätigt sind nach den Zahlen des Innenministeriums auch die RN-Bürgermeister von Hénin-Beaumont und Fréjus. In der südfranzösischen Hafenstadt Toulon lag laut Hochrechnungen die RN-Abgeordnete Laure Lavalette mit rund 39 Prozent der Stimmen vorn, sie erreichte etwa neun Punkte mehr als die unabhängige Amtsinhaberin Josée Massi. Falls sich das Ergebnis im zweiten Durchgang bestätigt, wäre es ein wichtiger Sieg für den RN, der in Toulon bereits von 1995 bis 2001 den Bürgermeister stellte. Lavalette verzichtete im Wahlkampf allerdings auf das Logo der Partei.
In Paris begann Mitte Januar das Berufungsverfahren der rechtsnationalen Marine Le Pen. Bei einer endgültigen Verurteilung droht ihr eine Haftstrafe und der Verlust des passiven Wahlrechts.
12.01.2026 | 1:03 minSozialist Grégoire liegt bei Wahl in Paris vorn
Besonders von den Parteien umkämpft sind die Rathäuser der Großstädte. Im südfranzösischen Marseille lagen der sozialistische Amtsinhaber Benoît Payan und RN-Kandidat Franck Allisio nach Hochrechnungen gleichauf. Nach Einschätzung von ZDF-Korrespondent Thomas Walde hat der RN dort Chancen, sich in der Stichwahl durchzusetzen. Ein Sieg in der zweitgrößten Stadt Frankreichs hätte eine hohe Symbolkraft für die Partei.
Auch in Nîmes bekamen Kandidaten des RN und der Kommunisten etwa gleich viele Stimmen. In Nizza liegt der mit dem RN verbündete Eric Ciotti weit vorn.
In Paris kam der Sozialist Grégoire nach Hochrechnungen auf rund 36 Prozent der Stimmen und landete damit weit vor der konservativen Kandidatin, Ex-Kulturministerin Rachida Dati. Sie kam auf 25 Prozent. Mitte-Rechts-Kandidat Pierre-Yves Bournazel und die linkspopulistische Kandidatin Sophia Chikirou qualifizierten sich in der Hauptstadt ebenfalls für die zweite Runde. Ob auch die rechtsextreme Kandidatin Sarah Knafo die Zehn-Prozent-Hürde für die zweite Runde schaffte, war zunächst unklar.
Bündnisse und Rückzüge bei zweiter Wahlrunde entscheidend
Die sozialistische Amtsinhaberin Anne Hidalgo, die Paris zur Fahrradstadt gemacht hat, wollte nach zwölf Jahren im Amt nicht erneut antreten. Grégoire will ihre Politik fortsetzen und zudem den Akzent auf Paris als Stadt der Kultur legen. Er wird auch von den Grünen unterstützt. Die 60-jährige Dati ist in mehrere Justizaffären verwickelt und muss sich im September in einem Korruptionsprozess vor Gericht verantworten.
In der zweiten Wahlrunde am kommenden Sonntag wird es darauf ankommen, wer mit wem ein Bündnis eingeht oder sich aus taktischen Gründen zurückzieht.
In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob die politische Linke und die Rechte jeweils untereinander Bündnisse schmieden, um die jeweils andere Seite zu verhindern.
Thomas Walde, ZDF-Studioleiter Paris
"Auf der rechten Seite des Spektrums gibt es eine Gewichtsverlagerung von Konservativen hin zum RN", sagt ZDF-Korrespondent Walde. Auf Seite der Linken hingegen sei das Bild vielschichtiger. Zwischen Sozialisten und einer erstarkten La France Insoumise ("Unbeugsames Frankreich"), die bei den landesweiten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen noch mit gemeinsamen Listen angetreten waren, täten sich Risse auf, betont Walde.
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