Kiew spricht von "Demütigung der EU":EU hebt Sanktionen gegen zwei russische Oligarchen auf
Kurz vor Fristablauf erzielt die EU eine Einigung bei den Russland-Sanktionen. Zwei Oligarchen werden von der Sanktionsliste gestrichen. Die Ukraine reagiert mit scharfer Kritik.
Der russische Oligarch Alischer Usmanow steht nicht länger auf der Sanktionsliste der EU (Archivbild).
Quelle: dpaDie Europäische Union (EU) streicht die beiden Milliardäre Alischer Usmanow und Michail Fridman von ihrer Russland-Sanktionsliste. Darauf einigten sich die EU-Botschafter am Dienstag nach langem Ringen.
Im Gegenzug werden die Strafmaßnahmen gegen die rund 3.000 anderen gelisteten Personen und Einrichtungen um drei Jahre verlängert.
EU kann Sanktionen gegen Russland nur einstimmig verlängern
Für diese personenbezogene Sanktionsliste verschiebt sich die nächste reguläre Verlängerung damit auf September 2029. Bislang wurde jedes halbe Jahr erneut über die Verlängerung von bestehenden Sanktionen debattiert. Die Zeit drängte: Wenn jetzt nicht alle EU-Mitgliedsländer zugestimmt hätten, wären die Sanktionen in der Nacht zum Mittwoch ausgelaufen.
Nach der Abwahl der als russlandfreundlich geltenden Regierung von Viktor Orban in Ungarn hatte es zuletzt allerdings Hoffnung gegeben, dass sich zumindest die Verlängerung von bereits bestehenden Strafmaßnahmen einfacher gestalten würde.
19.06.2026 | 1:53 minAllen gelisteten Akteuren wird vorgeworfen, Russlands Krieg gegen die Ukraine zu unterstützen oder von der Politik des Kreml zu profitieren. In der EU gibt es seit Jahren regelmäßig Streit über die Sanktionen.
Frankreich, Slowakei und Luxemburg machten Druck
Den Beschlüssen waren intensive Verhandlungen unter den Mitgliedsstaaten vorausgegangen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hatte zunächst die Slowakei gefordert, die Sanktionen gegen den Milliardär Usmanow aufzuheben und damit die Diskussion in Gang gesetzt. Die genauen Gründe für die slowakische Unterstützung für Usmanow sind unklar. Außenminister Juraj Blanar hatte bereits im Frühjahr bestätigt, dass die Slowakei den Oligarchen im Kampf gegen die EU-Sanktionen unterstützt.
Der Initiative hatte sich vor kurzem überraschend auch Frankreich angeschlossen - laut Brüsseler Kreisen, um im Gegenzug im Ausland inhaftierte französische Staatsbürger freizubekommen. Die Regierung in Paris verwies allerdings lediglich auf nationale Sicherheitsinteressen. Danach forderte Luxemburg, dass bei einer Aufhebung der Sanktionen gegen Usmanow auch die Sanktionen gegen Fridman aufgehoben werden müssten.
Auch in den USA haben Repräsentantenhaus und Senat ein neues Sanktionsgesetz verabschiedet. Damit sollen Moskau die Mittel für die Kriegsführung in der Ukraine entzogen werden.
17.09.2026 | 0:57 minLettland gibt Widerstand gegen Aufhebung der Sanktionen auf
Eigentlich sollte schon am Montag in einem schriftlichen Verfahren die Entscheidung gefällt werden, allerdings kam die dafür erforderliche Einstimmigkeit nicht zustande. Lettland stellte sich zunächst gegen die Forderung der drei EU-Staaten, die Sanktionen gegen die beiden Oligarchen aufzuheben. "Die EU-Sanktionen gegen Russland sollten verschärft und nicht abgeschwächt werden", hatte Außenministerin Baiba Braze auf der Plattform X noch am Morgen geschrieben.
Nach der Aufgabe ihrer Blockade erklärte die lettische Regierung, es habe sich um die Wahl zwischen einer schlechten und einer noch schlechteren Lösung gehandelt. Man wolle nun alle verfügbaren Mittel auf nationaler Ebene nutzen, um die Strafmaßnahmen gegen die beiden Oligarchen aufrechtzuerhalten.
Sorge vor Signalwirkung für weitere russische Oligarchen
Als Risiko gilt, dass die Aufhebung der Strafmaßnahmen gegen Usmanow anderen Russen Argumente für Klagen gegen ihre Sanktionen geben könnte.
In der vergangenen Woche hat Russland die Ukraine wieder angegriffen. Kiews Bürgermeister Klitschko spricht von mindestens zwölf Verletzten. Auch in Odessa und Saporischja gab es Verletzte.
17.09.2026 | 0:25 minIn Europa ist Usmanow unter anderem als langjähriger Präsident des Fecht-Weltverbandes FIE und als früherer Anteilseigner des englischen Fußballclubs FC Arsenal bekannt. In Deutschland wurde gegen ihn wegen möglicher Sanktionsverstöße ermittelt. Das Verfahren wurde im vergangenen Jahr gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt.
Fridman wurde in den EU-Dokumenten bis zuletzt als einer der wichtigsten russischen Financiers und Unterstützer des inneren Kreises von Putin bezeichnet. Fridman ist laut EU der Gründer und einer der Anteilseigner der Alfa Group, zu der mit der Alfa Bank die größte und bedeutendste private Geschäftsbank Russlands gehört.
Geheimdienste in Europa warnen vor einer begrenzten Invasion Russlands auf Nato-Gebiet. Militärexperte Gustav Gressel analysiert, wie Putin das Bündnis testet.
22.09.2026 | 13:32 minUkraine spricht von "Demütigung der EU"
Die Ukraine bezeichnet die Aufhebung der EU-Strafmaßnahmen als "beschämend und nicht zu rechtfertigen". "Moskau feiert, weil es erreicht hat, was es wollte: ein Gefühl der Straffreiheit, die Demütigung der EU und Uneinigkeit unter den Europäern", schrieb Außenminister Andrij Sybiha auf der Plattform X.
Der Diplomat forderte "alle" EU-Mitglieder dazu auf, nun eigene nationale Sanktionen gegen die beiden Russen zu verhängen.
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