Nach Protesten von Studierenden:Istanbul: Erdogan nimmt Schließung liberaler Uni zurück
Erst am Freitag war das Dekret zur Schließung der Istanbuler Bilgi-Universität in Kraft getreten. Nun zieht der türkische Präsident Erdogan die Entscheidung nach Protesten zurück.
Demonstranten sitzen während eines Protests auf dem Campus der Bilgi-Universität vor Polizisten.
Quelle: AFPNach Protesten hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Schließung der renommierten Bilgi-Universität in Istanbul rückgängig gemacht. Ein entsprechendes Dekret wurde am Sonntagabend im Amtsblatt veröffentlicht. Damit revidierte er eine erst am Freitag in Kraft getretene Anordnung, die als liberal geltende Hochschule zu schließen.
Auf der Website der Hochschule wurde mitgeteilt, die Entscheidung zum Weiterbetrieb sei getroffen worden, um das Recht der Studierenden auf Bildung zu wahren.
Zeitgleich wurde in Istanbul auch gegen die Absetzung des türkischen Oppositionsführers Özgür Özel protestiert. In Umfragen liegt seine Partei CHP seit langem vorn.
22.05.2026 | 1:40 minPolizei geht mit Tränengas gegen Studierende vor
Am Wochenende hatten Studenten und Lehrkräfte auf dem Campus gegen die Schließung demonstriert. Die Polizei setzte Tränengas ein, Medienberichten zufolge gab es auch Festnahmen.
Die Entscheidung zur Schließung am Freitag kam kurz vor Ende des Semesters – Studierende kritisierten, dass sie teils nicht in der Lage seien, ihr Studium abzuschließen.
Einer Studentin werden nach einem Tränengaseinsatz an der Bilgi-Universität die Augen mit Wasser ausgespült.
Quelle: AFPHochschule unter staatliche Kontrolle gestellt
Die Bilgi-Universität, die auch am Erasmus-Austauschprogramm teilnimmt, war im September vergangenen Jahres unter staatliche Kontrolle gestellt worden. Hintergrund waren unter anderem Vorwürfe von Betrug und Geldwäsche gegen die Can Holding, zu der die Hochschule zuvor gehörte.
Der türkische Staatschef hatte seine ursprüngliche Entscheidung zudem mit einem angeblich "unzureichenden" Bildungsniveau der Einrichtung begründet.
Ein Gericht in Ankara beschloss, die Führung der größten Oppositionspartei CHP abzusetzen. Parteichef Özgür Özel und weitere Spitzenvertreter verlieren damit ihre Ämter.
21.05.2026 | 1:16 minWeitere Proteste gegen Absetzung des Oppositionsführers
Die Studentenproteste fielen zusammen mit Demonstrationen gegen die Absetzung des Chefs der größten Oppositionspartei CHP Özgür Özel. Er war am Donnerstag gerichtlich des Amtes enthoben worden. Am Sonntag hatte die Polizei die CHP-Parteizentrale gestürmt, wo sich Özel mit seinen Unterstützern verschanzt hatte.
Es gab zahlreiche Demonstrationen gegen die Absetzung – unter anderem in den drei größten Städten der Türkei, Istanbul, Ankara und Izmir.
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