Trump in China: Ein Treffen nach Xi Jinpings Geschmack

China empfängt Trump:Ein Treffen nach Xi Jinpings Geschmack

ZDF-Korrespondentin Elisabeth Schmidt in Peking

von Elisabeth Schmidt, Peking

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Während Trump Xi mit Komplimenten überschüttet, landen die Journalisten in einem Nebenraum. China droht den USA außerdem wegen Taiwan. Was von dem Treffen in Peking übrig bleibt.

Xi Jinping und Donald Trump treffen sich zu einem privaten Gespräch in Zhongnanhai in Peking

Xi empfängt Trump mit viel Symbolik. Hinter den Kulissen steht jedoch Taiwan im Mittelpunkt. Peking warnt vor neuen Spannungen, während konkrete Zugeständnisse unklar bleiben.

15.05.2026 | 2:31 min

Vor der prunkvollen und ehrwürdigen Fassade des Pekinger Himmelstempels stehen die zwei mächtigsten Männer dieser Welt. Ein vom chinesischen Protokoll vollkommen durchdesignter Besuch - und dann passiert doch etwas Unerhörtes: "Haben Sie über Taiwan gesprochen, Herr Präsident?", rufen Journalisten. Drei Mal.

Doch der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika schweigt. Die Medien, es sind vor allem ausländische, werden vom Sicherheitspersonal in ein Nebengebäude geschoben, Tür zu, auf der Live-Übertragung wird es plötzlich dunkel. Xi Jinping und Donald Trump besichtigen den Himmelstempel unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Lediglich das chinesische Staatsfernsehen ist zugelassen, überträgt aber nicht live.

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13.05.2026 | 12:37 min

Taiwan war das wichtigste Thema zwischen China und USA

Schon vor diesem Besuch hatten chinesische Staatsmedien verkündet, Xi Jinping habe während seines Gesprächs mit Donald Trump in der Großen Halle des Volkes Taiwan zum wichtigsten Thema zwischen China und den USA erklärt. Bei einer schlechten Handhabung würde das die gesamten Beziehungen zwischen China und den USA in eine äußerst gefährliche Lage bringen.

Wörtlich hieß es im Readout: "'Taiwan-Unabhängigkeit' und Frieden in der Taiwan-Straße seien unvereinbar". Von Trump gab es bis zu seinem Abflug kein Statement dazu. Das Thema hatte aber längst weltweit die Schlagzeilen beherrscht.

Die schönen Bilder und die vielen warmen Worte des Treffens täuschten darüber hinweg, dass Peking Trumps Besuch als Bühne für die eigene Agenda nutzte. Angela Stanzel von der Stiftung Wissenschaft und Politik erklärt:

Die so genannte 'Wiedervereinigung' oder korrekterweise Vereinigung mit dem Inselstaat Taiwan ist sozusagen das Lebensziel von Xi Jinping.

Angela Stanzel, Stiftung Wissenschaft und Politik

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12.05.2026 | 19:00 min

Trump von großer Wirtschaftsdelegation begleitet

Ob Trump ebenfalls Erfolge verbuchen konnte, ist von der chinesischen Seite bislang nicht bestätigt. Der US-Präsident sprach vor seinem Abflug im Zhongnanhai Garten von "fantastischen Wirtschaftsdeals". Peking habe Interesse an 200 Boeing-Flugzeugen und mehr amerikanischen Agrarprodukten.

Begleitet wurde Trump von einer großen Wirtschaftsdelegation, unter anderem den Bossen von Apple, Boeing, Tesla und Chip-Hersteller NVIDIA. China und die USA erklärten, man habe die Beziehungen "auf ein neues Level" gehoben, ohne konkret darauf einzugehen.

Wir haben über Iran diskutiert. Wir haben beide das Gefühl, dass das enden muss. Wir wollen beide nicht, dass Iran Atomwaffen besitzt.

Donald Trump, US-Präsident

Xi Jinping dankte Trump für seinen Besuch, nannte aber auch keine Details:

Dieser Besuch ist historisch und konstruktiv. Die Beziehung unserer beiden Staaten hat ein neues Level erreicht. Man kann sagen, das Treffen ist ein Meilenstein.

Xi Jinping, Staats- und Parteichef Volksrepublik China

Trump bei Xi: „Bilanz unklar“

Donald Trump spricht von Deals. "Aber für nichts davon gibt es eine offizielle Bestätigung von chinesischer Seite", berichtet ZDF-USA-Korrespondent Elmar Theveßen zum Besuch Trumps bei Xi Jinping aus Peking.

15.05.2026 | 2:54 min

Im Garten, in dem einst schon Mao Zedong spazieren ging, soll Trump bemerkt haben: "Das sind die schönsten Rosen, die je jemand gesehen hat". Daraufhin habe Xi angekündigt, Trump die Pflanzensamen in die USA zu schicken. Es war ein Besuch, in dem Peking die Bilder bekam, die Xi Jinpings Macht vor allem auch im eigenen Land zementieren sollen.

Über das Kräftemessen der beiden haben wir auch in der neuen Folge des auslandsjournal-Podcasts "Der Trump Effekt" gesprochen. Zusammen mit Elmar Theveßen und Ulf Röller habe ich das Treffen analysiert. Schon die Begrüßung zwischen Xi und Trump war sehenswert.

"Wenn Donald Trump so einen Handshake macht, dann versucht er, sein Gegenüber normalerweise zu sich heranzuziehen. Und das war ja auch erkennbar, für mich jedenfalls. Und tatsächlich stand Xi Jinping wie ein Fels in der Brandung", erzählt Elmar Theveßen, ZDF-Studioleiter in Washington, in dem Podcast.

Xi warnt vor "Thukydides-Falle"

Immer wieder entstand der Eindruck, die amerikanischen Gäste seien sich mancher symbolischer zweiter Ebene gar nicht bewusst. So gingen Chinas Kaiser früher zum Himmelstempel, um zu beten, erklärt Victor Gao, der mit ausländischen Medien im Sinne der Staatsführung spricht.

Normalerweise geht man zum Himmelstempel, um zu beten: Für Frieden, für gesunden Verstand, für Vernunft und Besonnenheit.

Victor Gao, Zentrum für China und Globalisierung

China warnt vor „Einmischung in Taiwan-Konflikt“

Zu Taiwan „schlägt Peking wirklich neue Töne an“, und China sei bereit, auch Gewalt anzuwenden, sagt Mikko Huotari, Direktor des Mercator Institut für Chinastudien, zum Besuch von Donald Trump bei Xi Jinping.

15.05.2026 | 5:03 min

Es klingt wie ein subtiler Seitenhieb auf Donald Trump, den Chinas Propaganda als erratisch, unbesonnen, irrational bezeichnet. Trump nannte Xi während ihres Treffens dagegen einen "Freund", bezeichnete ihn als "großartigen Anführer". Der Schmeichler aus dem Westen traf auf einen Lehrmeister aus dem Osten.

Xi warnt vor laufenden Kameras beide Länder vor der "Thukydides-Falle". Gemeint ist die Beschreibung des griechischen Historikers Thukydides, wonach die Angst Spartas vor dem Aufstieg Athens unweigerlich zum Peloponnesischen Krieg führte. Der Begriff ist in der Außenpolitik gebräuchlich und beschreibt die Vorstellung, dass ein aufsteigendes Land, das eine etablierte Macht herausfordert, häufig einen Krieg auslöst.

Donald Trump reagierte darauf erst viele Stunden später auf seiner Plattform "Truth Social": Als Xi "sehr elegant" die USA als eine Nation im Niedergang bezeichnet habe, habe er die Biden-Administration gemeint. Er freue sich, Xi am 24. September zum Gegenbesuch in den USA begrüßen zu können. Nach Washington fliegt Donald Trump nun mit vielen schönen Bildern und warmen Worten im Gepäck. Was daraus folgen wird, ist so undurchsichtig wie der Smog über Peking heute.

Elisabeth Schmidt ist Ostasien-Korrespondentin und arbeitet im ZDF-Studio Peking.

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Über dieses Thema berichtete unter anderem das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 15.05.2026 ab 05:30 Uhr.

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